KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
Anhang I
-222 wo er seine Gebete zu verrichten pflegt. Als ein Himmelsstrahl den alten beleuchtet, schlagt der Tod seinen Mantel zurück, umfasst den Sterbenden hinterwärts mit seinen kalten Armen. Und nach einem Gebete des Gerechten : Herr, nimm deinen Diener auf!, löst der Engel des Todes das Band des Leibes und der Seele. Das Sterbliche zerfällt in Verwesung und Staub. Es ist eine wahre Geschichte, für die sentimentale und moralisierende Art der Rokokozeit sehr charakteristisch. — Dem „Lottospieler" (S. 76) bringt der Tod selbst die gewonnene Quaterne und in der Szene von der „Wienerin und Römerin" (S. 81) satiriert der Dichter, wie der Illustrator, über die Wiener Modetorheit seiner Zeit, wie es auch der Engländer Rowlandson in seinen Totentanzwerken tut. — Auf der Tafel XXVI veröffentliche ich weiter auch die Szenen mit dem „Wucherer" (S. 89) und mit dem „Equilibristen " (S. 100). — Während es beim Nachbar in Saus und Braus zugeht, spricht der Wucherer mit Steffen, seinem Knecht, über den Segen seines Wuchers. Der Knecht ermahnt ihn umsonst, auf den Tod zu denken. Freund Hein aber hat dieses Gespräch zwischen Herr und Knecht belauscht, gab einer alten Trödlerin ein Silberpfand und beauftragte sie, es beim Wucherer zu pfänden. Er ist gefasst, diesen an der Tat zu ertappen ! Und wie dann der Wucherer seinen Silberkasten, auf Raub bedacht, aufschliesst und darin mit seinen Schätzen rasselt, husch 1 — da springt schon das Mordgespenst, der „Scheker Hein" herzu, wirft den schweren Deckel der Lade dem Wucherer auf den Leib. Mit einem Schrei, dass er jetzt gefangen sei, wie die Maus im Bade, schaukelt sich der Tod am Deckel hin und her und presst dem Elenden auf diese Weise die Seele aus dem Leibe. — Nach einer Szene mit dem „wälschen Sänger", dem Schlemmer Orgon (S. 94) folgt ein sehr interessantes Zeitbild : „Der Equilibrist" (S. 100). Wer das Schwenkseil und den Draht meidet, der wird schwerlich seine Rippen brechen. Aber auch kein „Bravo" wird ihm zuteil. Die Kühnheit trotzt der Gefahr und die Schar der Toren und Gecken bewundert sie. Signor Allegro hiess der Herr und Beazzo der Diener; mit wälschem Namen, aber von Geburt ein Wiener. Drei Meilen hinter Dünkelspühl, in einem Flecken, zeigten sie sich für Geld. Als der Gaukler auf einem Esel angeritten in das Dorf gelangte, sammelte sich auf den Wirbelschlag der Trommel jung und alt um den Herrn Allegro, dessen Künste sein Diener im voraus lobpries. Die Vorstellung gelingt gut, der Gaukler springt drei Ellen hoch vom Seil. Der Würger Klapperbein nimmt aber die Gestalt Beazzos an und schläfert diesen arglistig in der Schenke ein. In breiter Krause und spitzem Hut trottiert er am Esel reitend in den Kreis der Zuschauer und geradeaus unter das Seil und hascht in einem unversehenen Moment nach dem Beine des Seiltänzers. Und da liegt er schon mit zerschelltem Kopf ! Vor der Wut des Volks aber gelingt es dem Tod, sich plötzlich aus dem Staube zu machen. — Ganz symbolisch ist die Szene von der „Loge der Verschwiegenheit" (S. 106) gehalten. Die Überwelt gleicht einer Freimaurerloge. Unzählig sind die Brüder, wer einmal dort hineingeht, kehrt nicht mehr zurück, um Nachricht über die Geheimnisse dieser Loge der Verschwiegenheit zu verkünden. Das Klopfen des Herzens ist der Hammerschlag des Freimaurer-Meislers. Aber Meister und Gesell stehen auch hier voll Scheu vor dem Furchtbaren, der hier „Zalmavet", d. h. Todesschatten heisst. Durch das ganze Leben führt der Tod den Menschen mit gebundenen Augen bis ans Tor, hinter welchem sich die unbekannte Zukunft eines jeden einzelnen verbirgt. — Die einzige Szene, in welcher sich die Erscheinung des Todes auch auf der bildlichen Darstellung mit dem Tanzmotiv vereinigt, ist diejenige vom „Werber" (S. 113). Die Verse sind vielleicht in diesem Teile des Werkes am besten gelungen. Lustig ertönt das Lied des Werbers. Aber draussen „vor dem schwarzen Tor" der Stadt erscheint ein anderer Werber, der keine besondere Auswahl trifft, dem aber niemand mehr entweicht, wenn er einmal in seine Schar aufgenommen wurde. Wenn der Kauf geschlossen, schreit er: Aufgeschaut I Und erst dann erkennt der Deliquent, dass der Werber „Würgetod" seiner habhaft wurde. 1 — In der nächsten Szene spielt der Ted dem Franziskaner1 vgl. dieses, das vorangehende und die weiteren Bilder auf Tafel XXVII. Fig. 11-16. möch Berthold Schwarz (S. 12Ó) einen Streich. Dieser soll angeblich um 1300 das Schiesspulver erfunden haben. In den Gängen des Klosters rollt es wie Donner. Die Völker werden sich diesem sauberen Heiligen nicht sehr dankbar zeigen, denn nicht nur ein Himmel zürnt, dass ihm ein Sterblicher mit der Erfindung des Schiesspulvers den Donner geraubt hat, sondern auch die Menschen sollen es bald fühlen, dass diese neue Erfindung dem Blutdurst der Herrscher und der Qual des Lebens dienlich sein wird. Durch Bertholds weite Pforte wandert eine Kohorte zahlloser Schatten nach der anderen in die Oberwelt. Die Menschen treten durch ein enges Tor in die Welt und der unbedachtsame Klausner, der in seinen freien Stunden durch seinen Forschungsgeist getrieben in seinem Mörser Basiliskeneier brütete und mit der Hand Todesköder zubereitete, wird dann auch selbst vom Tod für dieses Meisterstück der Mordkunst prämiert. Schadenfroh schleicht er zum „Bruder Langrock" in die Kammer und lässt unbemerkt ein Sandkorn in den Mörser fallen, in welchem Berthold die unsichere Masse soeben bearbeitet. Funken sprühen in der nächsten Minute unter den Schlägen der geschäftigen Hand, der Staub entflammt, die lichte Schwefelflamme reisst die Balken des Klosters nieder, der Mönche Schar verstummt im Chor... Wie die Arbeit, so war der Lohn! — Mit einer Totensage vermengt der Verfasser die Erscheinung des Skelett-Todes in dem Stücke : „Der Zweikampf" (S. 128). Der flinke Fechter Hildebrand, der in seiner wilden Kampflust zum Schrecken mancher Mütter schon vielen Jünglingen mit seinem Degen den Kehraus gespielt hat, sinnt auf ein kühnes Abenteuer. Er erblickt ein schönes Mädchen und beschliesst, es zu verführen. Aber er wendet umsonst alle seine Verführerkunst an, das schöne Täubchen lässt sich zu keinem Abenteuer verleiten. Bald aber verbreitet das Stadlgewäsch alter Weiber die Sage, dass das scheinbar unzugängliche Mädchen beim Stutzer Limprecht nicht so unbeugsam die Spröde macht, ja sie lässt ihn bei Nacht auch in ihr Zimmer herein. Hildebrand ist entschlossen, diesem Limpiecht mit seinem Degen die Busse zu zahlen. Er versteckt sich vor dem Fenster des Liebchens an der nahen Kirchhofsmauer. Zur Stunde der Gespenster aber erscheint dann ein hagerer Junker scheu an Elmirens Fenster und klopft leise an. Er ist aber nicht der verhasste Rivale, sondern ein Totengespenst. dass sich vom Kirchhof her dem Hause genaht hat. Hildebrand bemerkt dies aber nicht, er stürmt aus seinem Hinterhalt hervor . .. Erst im wüsten Zweikampfe erkennt er in seinem Gegner seinen Meister, den Tod. — Eigenartig originell ist das Bild, welches wir aus der Szene mit dem Gelehrten vom Tod gewinnen: „Raub der Falle" (S. 134). Der Gelehrte sucht fleissig in seinen geheimen Büchern nach den Geheimnissen eines Lebenselixiers, mit dessen Hilfe er sich verjüngen könnte. Aber der Tod, „dieser Kahlkopf ohne Hirn", der „Herr Blekezahn", stemmt sich mit sehnenloser Hand an die gelehrte Bücherwand und stürzt den zentnerschweren Schrein dem Autor auf den Kopf. — Nach dieser wilden Szene folgt dann wieder eine idyllische : „Schweigende Ergebung" (S. 142). Mutter Sara, die alte Lehrerin, tröpfelte „der Weisheit Honigseim" in die Seelen der kleinen Mädchen. Eines Morgens kommt dann in aller Früh mit verhülltem Angesichte eine Dirne. Sie verbeugt sich sittsam und begehrt ebenfalls Unterricht. Als sie aber von der alten Lehrerin geprüft werden soll, sagt sie einen Todesspruch her, entschleiert sich und die Lehrerin muss sich dem Willen des Todesskelettes, das sich ihr so verschleiert nahte, ergeben. — Die Szene .Des Stärkeren Vorrecht" (S. 148) verrät, dass der Text nachträglich zu den Bildern verfasst wurde. Denn er ist hier ganz fehlerhaft, er ruht auf einem Irrtum. Auf dem Bilde, das ich nicht mitteile, tritt ein dicker Mann, von der Jagd nach Hause gekehrt, herein und findet zu Hause in seiner Kammer den Tod, der seiner schon harrt. Nach dem Texte aber ist es ein „junges Ehepaar", das nach der Trauung sein stilles Glück geniessen möchte. Plötzlich tritt aber der Tod herein (I) und erklärt, dass er als Nebenbuhler auf die Hand der jungen Braut ein älteres Recht habe. — Die Reihe von Todes-Szenen beschliesst dann die Darstellung des schlechten Arztes („Der Afterarzt" S. 155) und das Stück „Beschluss" (S. 161). „Der Vorhang fällt" und das „Stück ist aus* und nun erscheint der Tod auch denen, die diesen Totentanz schufen, dem Dichter