KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

muss. Als würden wir die bekannte Szene ei­nes Märchens wiedererleben ! Und die schwung­volle Bewegung der ganzen Szene ist ebenso meisterhaft, wie die humorvolle Charakteristik der Anstrengungen des Skelett-Todes beim Bett­ler. Freund Hein muss hier Gewalt und List anwenden. Denn einem Bettler hilft die mäch­tigste Tugend, die Mässigkeit und dem Tod stehen dagegen die Leidenschaften nicht zur Hilfe. Reizend ist das Bild der ewig menschli­chen Unbehilflichkeit in der Gestalt des Bettlers. „Herr Dürrbein" erscheint auch dem Ahnen­stolzen, der sich aber umsonst seines Degens rühmt. Dieser Degen brachte dem Tod schon viel Opfer und der Tod würdigt den „Herrn Ahnenstolz" trotzdem nicht einmal eines recht­mässigen Kampfes. Er zieht gegen sein Opfer seinen eigenen Degen nicht, sondern erschlägt den „Herrn Ahnenstolz" mit dem Knochen ei­nes seiner Ahnen. Idyllische Wärme strömt aus der lieblichen Darstellung des Kindes. Die alte Wärterin ist zur Zeit der stillen Nacht einge­schlafen. Sie schnarcht, aber ihr Fuss bewegt weiter mechanisch die Wiege und das kleine Kind fällt heraus. Das Todesskelett fliegt von Fledermausflügeln getragen bei der offenen Tür herein, hebt mit seinen Knochenarmen das Kind vom Boden und küsst es. Nicht der Tod tötet also das Kind, ja Freund Hein zeigt sich dem durch die Unvorsichtigkeit der Kinderfrau ver­unglückten Bengel in zarter Liebe gewogen. Trotzdem kann diese Todesgestalt Chodowiecki's ihren kriegerischen Charakter nicht verleugnen. Seine Losung lautet : Mit ins Grab ! und er steckt sich dabei eine feindliche Kokarde an und überrascht die Schildwache, die sich kaum weh­ren kann. Sie muss sich ergeben und muss sich gefallen lassen, vom Todes-Grenadier abgelöst zu werden. Merkwürdig ist es, wie die zwei Skelette den General überfallen, dem sie sich für die dem Tode geleisteten Dienste sehr un­dankbar zeigen. Das eine Skelett zieht mit der Sense den General vom Pferde und das andere Skelett fliegt auf einem Pferdeskelett einherrei­tend plötzlich aus den dunklen Wolken herab, um aus seinem Gewehr eine Kugel in den Kopf des Generals zu senden. Es sind wahrlich To­tengestalten der germanischen Sagen ! Der feu­rigste Liebhaber ist der „Herr Klapperbein", dessen Knochenhand die Schöne unbarmher­zig ergreift, um sie aber nicht zu töten, sondern für ihre Sünden zu geissein. Die Wollüstlinge entfernen sich voll Abscheu und die alte Kupp­lerin hält dem Tod umsonst eine Medizinflasche als Gegenwehr entgegen. Es folgt nun eine derbe Marktszene, „Bruder Rappelbein" stösst mit dem Fuss das dicke Fischweib zu Boden und erhebt seine Sense, um solange loszuhauen, bis das Fischweib nicht verendet. Bei dieser Szene mag der Künstler wohl seine Beobachtungen auf dem Berliner Fischmarkt verwertet haben. Den alten Papst trifft der Tod mit dem „Pfeil des Unglaubens". Die Szene scheint unter Hol­beirischem Einflüsse zu stehen. Der Königin nä­hert sich der Tod in der Gestalt der nagenden Eifersucht, deren symbolischen Mantel er sich anlegte. Die Königin ergibt sich im Bewusstsein ihrer Schuldlosigkeit dem Schicksal. Aber die alte Hofdame überlegt im stillen die für sie so unangenehmen Folgen des plötzlichen Todes der Königin. Sie wird ihre vornehme Stellung verlieren, den Hof verlassen müssen. In ihrer rasch aufwallenden Verzweiflung und Wut er­greift sie den Skelett-Tod am haarlosen Schei­tel, um ihn fernzuhalten, währenddessen die Kammerfrau jammernd entrinnt, die Königin aber nur solange beweint, bis ihre Kleider nicht unter ihrem Gefolge verteilt werden und sie ih­ren Teil schon erhielt. Auch in der Szene der Königin erscheinen zwei Skelette, deren eines nur als ein symbolisches Emblem auftritt. Für „Bruder Heins" gehässigen Gaumen hat der wohlbeleibte Arzt einen stärkeren Reiz, als der dürre Kadaver des greisenhaften Kranken, den der Arzt eigentlich schon dem Tod überliefern wollte. Aber dieser undankbare „Herr Klapper­bein" wendet sich plötzlich gegen den Arzt, der ihn doch selbst herbeigerufen hatte. — Lauter wundervoll gezeichnete Szenen, in denen die Freude an der Charakteristik des derben All­tags so hemmunglos in den Vordergrung ge­stellt wird I Schon in der Szene mit der Schildwache machte sich bei Chodowiecki der Revolutions­gedanke geltend. Fast zu derselben Zeit bringt auch ein Engländer, Thomas Rowlandsond der weltberühmte Karikaturenzeichner, Radierer und Aquarellenmaler, in seinen Totentanzszenen die­selben Gedanken zur Sprache. Er wird durch die zeitgenössischen politischen Verhältnisse, sowie aber auch infolge seines eigenen materi­ellen Bankrotts in zwei parallel laufende Rich­tungen getrieben. Er trägt viel bei, dass aus dem Totentanz im XIX. Jahrhundert eine be­liebte Form der Karikaturenzeichnung entsteht. Wie schon Chodowiecki in der Szene von der Ablösung der Schildwache die Probleme der napoleonischen Zeit streift, so lässt auch Row­landson auf einem farbigen Kupferstich „die beiden Könige der Schrecken", den „Wüterich Tod" und den „Revolutionskaiser" Napoleon auf dem Schlachtfelde die Vernichtung vieler Tausenden gemeinsam beschliessen. Diese bittere Ironie, welche die vom grenzenlosen Ehrgeiz genährten mörderischen Gedanken des „gros­sen Heerführers" in die Aussenwelt verlegt und in der Form eines Skelettes zum Spiegelbild eines Lebenden macht, wiederkehrt auf der an­deren Seite in der Gesellschaftssatire und sein „The Englisch Dance of Death (1816)" besteht aus einer Reihe von Szenen, in denen der Tod nur deswegen auftritt, weil sich dem Meister auf diese Weise eine gute Gelegenheit bot, sich über die allgemein menschlichen Narrheiten lustig zu machen. Währenddessen der Begriff 1 geb. 1756 und gest. 1827 in London ; vgl. Tafel 1924 .

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