KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
XII. Die realistische Dichlungsart des „allgemeinmenschlichen Totentanzbegriffes"
Sprachlehrers, Mollard, und später des griechischen Arztes, Mikoras. Mit dem letzteren zieht sie sich in die innersten Zimmer ihrer Wohnung zurück, wo sie dem Klavierspiel ihrer Freundin, Elisa Hutzier, der treuen Gefährtin ihrer Liebesabenteuer lauschend, die ganze Nacht in Sinneslust verbringen will. — Indessen sieht Mollard, der unten vor der Tür alles beobachtete, dass aus einem Fiaker der Gatte Mariannas aussteigt. Wie wir es später erfahren, warf sich Mollard noch an diesem Abend in höchster Verzweiflung in die Isar. — Der Gatte erfuhr die Buhlerei Mariannas aus den Briefen des boshaften Zimmermädchens, Pepita. Er brach sogleich hastig auf, nach Hause zu kommen und jetzt steigt er schon aufgeregt die Treppe empor. Die Klaviermusik hat er schon auf der Gasse gehört. Und jetzt steht er vor der Schlafzimmertür Mariannas. Sie ist geschlossen und von innen hört man ein wollüstig gellendes Lachen. Karl, den Gatten, überfällt hierauf ein Blutsturz und er sinkt tot nieder. In der zweiten Novelle 1 liest der gutmütige Deixelhofer einer kleinen Tischgesellschaft das Manuskript des Münchener Malers, Knöbelseder, vor und begleitet es mit possenhaften und maliziösen Bemerkungen. Knöbelseder beschreibt sein Liebesabenteuer mit derselben Marianna, die bei ihrem rohen und groben Gatten, Mikoras, keine Ruhe gefunden hat. Er machte in Italien einen Schiffsausflug und versprach einer seiner italienischen Freundinnen ein Stelldichein in der „blauen Grotte" zu Capri, wo er doch wusste, dass er ebendort zu derselben Zeit auch mit Marianna ein Stelldichein verabredet hat. Als Deixelhofer diese bunte Geschichte zu Ende gelesen hat, liess er sich eine Zeitung bringen, in der er zufällig eine kleine Mitteilung über einen Münchener Künstler, namens Knöbelseder, fand, der in der „blauen Grotte" verunglückt den Tod erlitt. In der dritten Novelle 2 wird das Leben der Münchener Schmiedefamilie, Schopperer, beschrieben. Meister Florian und seine Frau, Anastasia, arbeiten fleissig und sind glücklich. Der jüngere Sohn, Joseph, wird Geistlicher und Frauenprediger, der ältere, Max, wird Schmied. Jetzt beginnt die Macht der Liebe ihre schreckliche Arbeit. Max hängt einem Mädchen, Ursula Deixelhofer, ein Kind an. Damit er es erziehen kann, beginnt er mit Geld zu spekulieren. Die Bank kann aber bald nicht mehr zahlen und die ganze Familie wird arm. Ursula führt ihren Knaben spazieren und dieser vergiftet sich ohne Aufsicht mit wildem Obst 3 und stirbt gerade, als der Vater, Max, seine Geliebte wieder besucht. — Anastasia, die Mutter Maxens, wusste vom Geldhandel ihres Sohnes und ist vor Kummer und Sorge gestorben. Sie wusste es aber nicht, dass ihr Sohn dadurch seine kleine Familie unterstützen wollte ; denn Max hat seine Liebesgeschichte niemandem erzählt, 1 Eine Maifahrt. S. 95. 2 Die goldene Schmiede. S. 203. ff. 8 Vergl. Pocci : Totentanz. Bild 3. .da Ursula die Tochter eines Habenichts war, der sich einmal im Rausch in die Isar warf. Er hiess Deixelhofer. — Der andere Sohn, der Geistliche, hat auch seine Liebesgeschichte. Dieser wird von einer Frau, Sine, gequält und verfolgt. Er lässt sich aber durch niemanden in schändliche Liebeleien locken. Sine, die ihn noch als einen kleinen Schuljungen gekannt hat, will ihm ihre grosse Liebe beweisen und stürzt sich in die Isar. Weitere Schicksale der schon kennengelernten und noch nicht verunglückten Gestalten des Zyklus erfahren wir in der vierten Novelle. 4 Knöbelseder, der nicht gestorben ist, kommt inzwischen wieder nach München zurück. Er sucht sich eine Wohnung und mietet ein Zimmer, dessen Verwalterin die Nebenbuhlerin Deixelhofers ist, der nach einer späteren Nachricht doch keinen Selbstmord begangen hat und jetzt bei Schopperers arbeitet. Knöbelseder erkennt in einem Schenkmädchen sein uneheliches Kind, Franziska Donaubauer, um dessen Liebe der Maler Badke, ein grober Saufbold, der ehemalige Freund Knöbelseders, warb. Knöbelseder wollte sich und sein Kind retten und schrieb der Franziska einen Brief mit dem Motto „Schicksal", auf den er aber keine Antwort bekam. In vornehmere Kreise der besser Situierten führt uns die fünfte Novelle. 5 Eine Oberdirektionsrätin will ihre Tochter vorteilhaft und reich ausheiraten. Den Mann aber, den sie ihr ausgewählt hat, mag ihre Tochter nicht und liebt einen anderen Mann, von dem wieder die Mutter nichts hören will. Die Mutter reist mit ihrer Tochter nach München und besucht Elisa Hutzier, die sich inzwischen mit Georg Knöbelseder verheiratete (sie hat nämlich auch auf einen Brief mit dem Motto „Schicksal" eine Antwort erwartet ; so haben sie sich kennengelernt). Auch den Rat des Geistlichen, Joseph Schopperer, will die Mutter heranziehen. Dieser aber befasst sich seitdem nicht mehr mit Frauenorganisation, sondern mit Politik und hört nur mitleidslos die Oberdirektionsrätin an. Die Mutter fährt mit der Tochter wieder nach Hause und wartet mit der Entscheidung über die Heirat. Die Tochter aber wird in ihrer hoffnungslosen Liebe irrsinnig und wird in ein Narrenhaus überführt. Nur Knöbelseder ist mit Elisa von Hutzier glücklich ; diese Liebe war ideal und hat bleibenden Wert. Mit einem Bilde der gänzlichen Auflösung des irdischen Glückes schliesst die Szenenreihe. 6 Die schrecklichen Folgen einer fluchbeladen Liebestragödie werden im jämmerlichen Leben der unehelichen Tochter Knöbelseders charakterisiert, die inzwischen doch die Frau Balzers geworden ist. Balzer kümmert sich um seine Familie nicht. Sein kleinerer Sohn ist am Sterben 4 4. Schicksal. S. 279 ff. 6 Der Rechte. (S. 335.) 6 Die Stimme des Blutes. (S. 353. ff.)