KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

X. Das einheitlich allgemein menschliche Bildals Symbol des Lebens – „Lebens-Tanz"

- 197 — hätte. Der Tod umarmt seine neue Braut noch einmal, als der junge Maler Leo erscheint, der in der Kirche einen „Totentanz" malt. 1 Er ist der wirkliche Geliebte Sabinas und mit ihm verlässt sie die Gruft. Firulf aber freut sich, denn er hat den Menschen wieder eine gute und sichere Falle aufgestellt. II. Aufzug. Firulf überredet auch Leo, in den unter­irdischen Gang zu gehen, indem er ihm verrät, dass Sa­bina seinetwegen den Schatz sucht. Anfangs will auch Leo von nichts dergleichen hören, aber später entschliesst er sich, eine Probe zu wagen. — Sabina kommt in die Krypta. Leo erzählt ihr seinen Plan. Sabina ist besorgt, aber Leo holt schon seine Lampe. — Erwin, der Vater, sucht seine Tochter und macht ihr Vorwürfe, dass sie den Ritler Henry vernachlässigt. Er ist ohne Abschied abge­reist. Sabina, die sich nach dem Gespräch mit Leo vor den Altar gekniet hat und betete, gibt ihrem Vater zufäl­lig zur Kenntnis, dass sie wisse, wohin Henry ging. Nach­dem sie aber über dieses Geheimnis keine weitere Aus­künfte geben will, wird sie vom Vater verflucht. Erwin wirft ihr vor, dass sie in der Nacht schon mehrmals das Haus verliess, um auf geheimen Wegen erst morgens wieder zurückzukehren. In ihren heimlichen Sünden sei sie ja schon jetzt der Hölle verfallen. Der Vater verlässt sie. Leo kehrt mit der Lampe zurück, will den unterir­dischen Eingang betreten und die vor dem Altar betende Sabina kann ihn auch nicht von seinem Vorhaben ab­halten. Sie erzählt ihm, dass sie nachts im Traume in den Kirchturm hinaufkletterte und dort einen unbekannten Türmer sah. den sie fragte, warum er zu solch ungewöhnli­cher Zeit läuten wolle. Er antwortete ihr kurz, dass er zu ihrer Trauung läutet und breitete seine Arme aus, um alle Stricke auf einmal erreichen zu können. Als er schon mit allen Glocken auf einmal kräftig läutete, glitt sein weiter Mantel über seine Schulter und fiel auf die Erde. — Sabina er­kannte ihn. er war der Tod. Leo glaubt diesem abergläu­bischen Traume nicht, er eilt zur Öffnung des unterirdischen Ganges. In der Kirche ertönt Orgel und Gesang. Leo ver­schwindet in der finsteren Tür mit seiner Lampe. Sabina bricht mit einem Schrei vor dem Altar ohnmächtig zu­sammen. III. Aufzug. Finsternis. Die Zahl der Särge hat sich in der Gruft mit einem Sarge vermehrt. In der Tür der unterirdischen Höhle erscheint Sabina, ihre Lampe brennt noch. Sie war unten, den Schatz zu suchen. Knapp hin­ter ihr kommt auch Henry herauf, das Öl seiner Lampe ist schon ausgegangen. In seine verwirilen Gedanken ver­tieft erkennt er Sabina kaum. Er erzählt ihr, dass er den Schatz suchte und dass er kein Öl mehr habe. Er kehrte zurück und sah dann plötzlich von oben herab ein zweites Licht in die Tiefe herabsleigen. das aber ebenfalls ver­schwand. Er bekennt dem Mädchen seine Liebe, aber Sabina will sich von diesem zudringlichen Menschen flüch­ten. eilt dem Ausgang zu und bemerkt mit Entsetzen, dass man den grossen Grabstein schon auf die Öffnung gescho­ben hat. Der Bischof wurde, währenddessen sie den Schatz suchten, beerdigt und die Gruft verschlossen. Sie sind also Gefangene und dem sicheren Tode geweiht. Henry bemüht sich in höchster Verzweiflung mit allen Kräften den Grabstein aufzuheben — aber alles umsonst. Wieder und wieder bestürmt er den Stein. Plötzlich hält er inne. Ein grässlicher Gedanke bemächtigt sich seiner. Er und Sabina allein, ungestört, in einer Gruft, dem Tode geweiht. Wie im Wahnsinn überfällt er das Mädchen, mit dem er in den letzten Sekunden seines Lebens in Sinnes­lust vereinigt werden will. Sabina wehrt sich, aber sie un­terliegt schon der brutalen Kraft des Mannes — da er­scheint in der Tür des unterirdischen Ganges Leo. Mit verwirrtem Blick sucht er sich die Szene zu erklären. Er überfällt Henry, stösst ihn nieder. Diesem entschwinden seine Kräfte, er bat keine Luft mehr und ist dem Erstik­ken nahe. Sabina blieb unberührt und ist , befreit. Aber auch ihr geht schon der Atem aus. Kaum erkennt sie Leo. Henry stirbt. Dem Mädchen schwinden die Sinne. In fieberhafter Vision sieht sie die Engelchöre im Him­mel. Die Engel kommen, um sie abzuholen. Mit ihrem letzten Seufzer ruft ihre liebliche Stimme nochmals nach l.eo und dann stirbt auch sie. Ihre Lampe lischt aus. 1 Mit den Gestalten : Papst, Bischof, Kaiser, Graf, Ritter, Bürger. Auch Leo sinkt zu Boden. Dem toten Mädchen bekennt er seine wahre Liebe. Die Luft ist ausgegangen, auch seine Lampe lischt aus. „Der Danz isch üess ! isch üess I . . . Friddel" — flüstert Leo und entschläft. Der Tod, Firulf, tritt aus sei­nem Versteck hervor, breitet seine Hände über die drei Toten : (Witter schwarzer Mantel hoengl um sini Achsle un macht ne noch groesser erschiene : Er geht geje d' Mit­telstoej :) „D'Fall isch züe !" (Er kummt noch vorne:) Drei hau sich g'fange ! . . . Wie s scheint, het's do schun üesgezawelt. Kenn Zucke meh ? Nein I Alles so still ! . . . (Dann sich hoch uffrichtend, d'r Kopf noch hinte zeruckgeloehnt, d'Hoend witt noch vorne üesstreckend :) „Der Tod isch Herr !" (Er brecht in wahnwitziges Geloechter üs, woeh­rend es immer dunkler un dunkler wurd un's ganze Bild in Finsternis versinkt.) Diese eingehende Inhaltsangabe des Dra­mas soll uns Gelegenheit geben, das Wesen der „Übergangsstufe" zur allgemein menschlichen Totentanzauffassung erschöpfen zu können. Eine tendenzlos individuell gehaltene Er­zählung ist hier das Symbol des menschlichen Lebens. Der Mensch sucht sein und seiner Nächsten Glück ; die Schätze des Lebens, die für ihn verborgen und verflucht sind. Sie sind nur in der finsteren Tiefe der grössten Wahr­heiten verborgen und der Mensch forscht ver­gebens nach Lösung dieser unerschöpflichen Geheimnisse, denn er weiss nicht, durch wel­che Tür er den Weg finden kann. Kaum hat er einige Schritte getan, lischt die Lampe sei­nes Gehirns aus und er verirrt sich in der undurchdringbaren Finsternis, deren Schreckens­gesichter erbarmunglos über seine ohnmächti­gen Bemühungen grinsen. Die verborgenen Schätze hütet der Tod und der Mensch kann nur im Zeichen der Vergänglichkeit durch die Totengruft des Lebens nach sie forschen. Und wenn er nach ziellosen Irrsalen zu seinen wah­ren Ideen zurückkehren will, um ihnen wieder seine Liebe zu bekennen, wenn er sich vor den niedrigen Wünschen, vor der Gewinnsucht flüchten will, da muss er erst mit Entsetzen er­fahren, dass sein ganzes Leben eigentlich nur ein Leben in einer Gruft war, dass die ganze Erde nur ein grosses Grab sei, dessen Ausgang von einem unbeweglich schweren Grabstein, vom „grossen Schlussstein des Weltalls", von der Vergänglichkeit abgesperrt ist. Umsonst spreizt der Mensch seinen Rücken diesem Tor seines Grabes entgegen, es gibt keine Macht, durch die es zu beseitigen wäre. Die drei in die Krypte gesperrten und dem Ersticken, dem sicheren Tod geweihten Gestalten des Dramas symbolisieren die Menschheit. Der Körper ist unser Grab, in das wir gesperrt wurden und in dem uns der sichere Tod des Erstickens droht. Und wie verschieden verbringt dieser zum Tode verurteilte „ewige Mensch" seine letzten Minuten, die ihm noch beschert sind ! Henry will sein übriggebliebenes, von der immer dünneren Luftmenge kurz befristetes Leben in Sinnesfreude ersticken. In Sabina und in Leo erringt auch in dieser bedrängten Lage die Tu gend den Sieg.

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