KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

X. Das einheitlich allgemein menschliche Bildals Symbol des Lebens – „Lebens-Tanz"

- 196 — der Verfasser und Dichter als Totentänze be­trachtet werden müssen. Das erste Stück, welches ich in dieser Gruppe der modernen Totentanzarten auch ir­haltlich behandeln möchte, ist das Gedicht „Der Blitzzug" von Detlev Freiherr von Lilien­cron (1844-1909; vgl. Kluge: Auswahl S. 433 —434. i. J. 1883 entstanden.). Das gesamte Menschenleben wird hier durch ein Bild symbolisiert. Das Eisenbahnun­glück ist — wie bei Falke — ein Sinnbild des Lebensschicksals, obwohl Falke diese von Lilien­cron eingeleitete Dichtungsart noch in eine histo­rische Einzelbilderreihe aufnahm. Der Gedanke, dass jeder Mensch sterben muss, der reiche Bankier, der Kavalier, der Ratsherr, der Ge­lehrte ebenso, sowie der Fürst, der Offizier, die Dame, der Dichter oder das spielende Kind, ist sehr alt, wird aber immer in neue For­men umgestaltet. Diese Vertreter der Stände reisen vornehm und stolz auf der Eisenbahn dahin, die an Ländern und Städten ohne Rast vorüberrauscht, wie die Zeit im Leben an allen Lebensereignissen, wie der Blitz, vorüberhuscht. Sie erreichen bald ihr Ziel und in der Abend­dämmerung werden die Gaslampen der Eisen­bahn angezündet. Da erscheint aber bei einer Kreuzung der Geleise der Tod mit einer Bom­be in der Hand. Als die Eisenbahn die Kreu­zung passiert, fährt ein anderer Zug mitten hin­ein. Ein furchtbares Getöse, dann Totenstille. Aber über den Trümmern geht am nächsten Tag die Sonne wieder auf : Sporen, Uhren, No­tenpapier, eine Gedichtsammlung, Geld, Akti­en, — und eine im kleinen Bettchen halb ver­brannte Puppe liegen nebeneinander. Umso wertvoller muss uns dieses Toten­tanzgedicht sein, da sich in ihm die eigenartige Motivvariation der modernen Totentänze mit vollendeter Formkunst, mit tiefgehend ernster Lebensanschauung paart. Ein das Menschenleben einheitlich sym­bolisierendes Geschehnis bietet das in Dialekt­sprache erschienene und vom modernen Sym­bolismus durchsetzte, motivgeschichtlich eben­falls höchst bedeutende Drama von Claus Rein­bolt : Sabina Un D'r Tod. 1 Damit die Motive dieser einheitlich sym­bolisierenden Dichtungsart umso klarer und fass­barer dargestellt werden können, erlaube ich mir, den Inhalt nach Aufzügen eingeteilt ein­gehend mitzuteilen. I. Aufzug. Henry tritt in eine Gruft. Es führen Stu­fen aus der Kirche in das Grab. Die Gruft ist offen, denn ein Bischof wird in kürzester Zeil in ihr begraben. Firulf, der Tod, sitzt auf einem Sarge. Henry fragt ihn, wer er sei ; vielleicht ein Handwerksmann ? Der Tod gibt sich ihm nicht zu erkennen und lässt zu, dass er ein Hand­werksmann, ein Maurer sei. Heruy will ihn um seinen Rat fragen, denn er ist krank. Firulf verspricht, ihm den besten Rat zugeben, da ersieht, dass er sich nicht fürchtet, wenn ihm der Tod helfen will. Henry erzählt ihm. dass Sabina, die 1 E Todetanz In Drei Akte vun Cl. Reinbolt. 1920. Mulhouse. Dramatis Personae : Erwin vun Steinbach ; Sa­bin, sini Dochter ; Henry vun Spesbury ; Leo, e Bildhau­er ; Firulf, d'r Tod als Handweriksmann. Tochter des Baumeisters, ein wunderschönes Mädcheri, im Winter, als er am Zaun ihres Hauses gerade vorüber­rilt, den Vögeln Brosamen in den Schnee streute. Ihm gefiel das Weib, aber als er vom Pferde stieg, lief Sabina davon. Seitdem kann Henry wegen seiner heimlichen Liebe keine Ruhe finden. Nach Firulfs Meinung muss er das Wohlwollen und die Zuneigung des Mädchens ge­winnen. Aber wie? Vermögen hat er keines. — Er soll also für das Mädchen jenen verfluchten heidnischen Schatz heraufholen, der sich hier unter der Kirche, tief unter der Erde befindet und durch einen finsteren Gang zu erreichen wäre, der in die Grube mündet. Henry lacht ihn aus. Er sei für Sabina genug reich. Aber Firulf erklär! ihm, dass nur ein sehr tapferer Mensch diesen Schatz heraufholen könnte. Der Gang ist finster, die Luft ist mit Leichengeruch verpestet und die hinabführenden Stufen sind der Wohnsitz der Ratten. Ein Mädchen lässt sich nur von einem Helden erobern, der sich für sie geopfert hat. Hierauf willigt Henry ein. Firulf belehrt ihn des We­ges. Der Schatz liegt sehr tief unten. Erst führen Stufen hinunter, dann folgt ein längerer Gang und endlich wie­der Stufen. Am Ende des letzten Ganges finden sich drei Türen. Öffnet er die richtige Tür. so findet er auch den Schatz. Welche Tür man aber öffnen soll, das weiss auch er nicht. Er darf während des Abstieges keinem Weibe begegnen, denn so findet er den Schatz und auch den Rückweg nimmer. Auch kein Mann darf ihm entge­genkommen, aber in diesem Fall« kann er noch gerettet werden. Er nehme sich eine Öllampe mit, die er vorher ganz gefüllt hat. Er bezeichne aber die Mitte des Ölbe­hälters mit einem Strich. Ist das Öl bis zur Hälfte nieder­gebrannt, so soll er sofort den Rückweg betreten, sonst findet er nimmer heraus. Den Bischof Konrad wird man um 12 Uhr mitternachts in die Grube hinunterlassen ; bis zwölf Uhr muss also Henry wieder zurückkommen, sonst wird der Stein der Grube an der Öffnung befestigt und er muss hier ersticken. Henry hat beschlossen, den Schatz sofort herauf­zuholen. Firulf will ihn schlau weder überreden, noch ihm abraten, er soll nach seinem freien Willen handeln. Inzwischen kommt auch Erwin, der Vater Sabinas, in die Gruft. Firulf zieht sich unsichtbar in den Hintergrund zu­rück. Henry verrät dem Vater, dass er seine Tochter liebe. Erwin freut sich darüber. Auch Sabina kommt in die Grube und sucht ihren Vater. Erwin teilt ihr die Freu­densnachricht mit und segnet das neue Paar. Sabina sagt kein Jawort, sie will noch überlegen. Sie weint, denn sie sieht, dass ihr furchtbarer Traum in Erfüllung geht. Der Vater verzweifelt über die Unschlüssigkeit der Tochter, denn es plagt ihn schon seil lange die Ahnung, dass sei­ner Familie ein Unglück drohe. Die Kirche wird auch nicht mehr weitergebaut und so geht er nicht nur mora­lisch, sondern auch materiell zugrunde. Der Tanz des uner­bittlichen Schicksals beginnt. Der Vater entfernt sich und Sabina setzt sich vor den kleinen Altar der Kiypta und weint. Sie schläft ein. Hierauf tritt der Tod aus sei­nem Versteck, ein Lied vorsieh brummend, hervor. Er er­blickt Sabina. Höhnisch grinsend nähert er sich ihr, um zu sehen, ob sie wirklich schläft. Seine Hände hypnotisch bewegend und Zauberworte murmelnd zieht er einen magnetischen Zauberkreis um sie. Das Mädchen erwacht und will schreien oder sich flüchten, denn es fällt ihr ein, dass sie in einer Gruft unter den loten eingeschlafen sei. Firulf bittet um Entschuldigung und gibt seiner Verwun­derung Ausdruck, dass er Sabina hier auf diesem ver­lassenen Orte begegnet. Es werden zwar viele Menschen dahergelockl, aber was sucht hier ein so schönes und unschuldiges Kind ? Sabina will den Unverschämten ver­lassen, aber Firulf berührt sie und sie wird starr und unbeweglich. Firulf hebt sie auf, umarmt sie und bekennt ihr seine Liebe. Aber Sabina gibt ihm keine Antwort. Firulf will das schöne Mädchen noch heute zu seiner Braut machen. Eirr Sarg soll das Brautbetl sein und der tote Geistliche soll sie trauen. Sabina bekennt, dass der Tod ihr Herr sei. Firulf befragt sie, warum sie schon mehrere Nächte in diese unterirdische Höhle hinabsteige. Sabina gibt ihm die Erklärung, dass sie den Grund nicht kennt. Sie folgt nur einem innern Drange, sie möchte ihrem Geliebten, der wirklich arm ist, einen Schatz fin­den,aber bisher ist das Öl ihrer Lampe noch jedesmal ausgegangen, bevor sie noch die drei Türen erreicht

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