KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

X. Das einheitlich allgemein menschliche Bildals Symbol des Lebens – „Lebens-Tanz"

Der Tod als milder Jüngling. Der Gedanke Lessings wirkt in dieser allegorischen Every­manszene weiter. Man würde an G. Haupt­manns Weber denken. Im Gedichte : X. Die unbekannte X. 1 tritt der Tod im Rahmen allegorischer Motive als ein gutmütiger Herr auf. Der Mathematiker sucht in der Nacht, beim Licht der knisternden Lampe die unbekannte X. Ein alter, milder Greis tritt indessen unversehens ein, schlägt alle seine Bü­cher zu, legt seine Hand auf seinen Kopf, ent­windet ihm mild die Feder : „Du wirst das grosse X / bald kennen jenseits der Sterne" — sagt er. Die Lampe lischt aus, und in der Fer­ne schlug's drei Uhr. Der wilde Tod des Sterndeuters der Hol­bein-Totentänze verwandelt sich hier in den Gevatter-Tod der germanischen Märchenwelt. Das Gedicht : Y. Die Yacht 2 ist das am besten gelungene Stück der ganzen Reihe. Der Tod ist hier ein reicher Altertumsforscher, er ist aber auch dér FüLyer einer grossen Schar von germanischen Toten. Seine Yacht „Heiland" liegt still am Sand der Küste. Das schwarze Schiff, das jede Gefahr überwindet, wurde aus Sarg­brettern zusammengeflickt. Es sind an ihnen noch manche Sprüche lesbar, wie „Ruhe sanft", „Wiedersehn drüben". Die Masten des Schif­fes sind aus Kirchhofskreuzen, die Flaggen sind Leichentücher, die man aus den Särgen ge­stohlen hat. Die Särge grosser Männer, wie z. B. der Sarg Napoleons, dienen als Jollen, um das Land vom Deck jederzeit erreichen zu kön­nen. Eine Schar von Skeletten versorgt die Ar­beit der Schiffsmannschaft. Ihre schwarzen Jak­ken und Ditohosen sind das Tuch von Kata­falken, die sie des Nachts in den Kirchen ge­stohlen haben. Es wird Abend. An den Masten brennen Signallaternen : hohle Schädel, in de­nen Licht brennt. Ein Sterbeglöcklein ruft die Matrosen zur Ruhe. Auffallend gut ist die Charakteristik „Seiner Majestät", des Todes. „Seine Majestät" ist jetzt an Bord. Nach sei­nen täglichen Geschäften ruht sich der Tod auf seiner Yacht aus. Er ist sehr gebildet. Er ver­schafft sich auch die neuesten Erscheinungen der Kunst, Literatur, Poesie, usw. Ponten er­laubt sich hier die bescheidene Bemerkung, dass der Tod bald auch sein Buch bekommen wird, denn er liest das Echte ebensogut, wie das Dumme. Am meisten interessieren ihn Bil­der und Gedichte, die über ihn selber handeln. Wenn Dichter oder Radierer, Maler oder Kunst­stecher über „Seine Majestät" etwas Gelunge­nes schreiben oder zeichnen, dann zieht der Tod seinen Sekretär zum Ratschlag heran, ob dieser oder jener Dichter oder Kunststecher, wie z. B. der Leipziger Klinger, nicht schon die Ehre verdient hätte, zum „Hofe" berufen zu werden ? Tatsächlich sind die Wände im Ka­binett dieses seltsamen Kunstfreundes mit den Werken Klingers, Holbeins, Rethels geschmückt. Auf „Seiner Majestät" Schreibtisch steht eine gute Kopie aus der Berliner Nationalgalerie des einzigen Selbstporträts von Böcklin mit dem fiedelnden Tod. Er hat auch eine grosse Samm­lung von Raritäten. Er sammelt die Schädel be­rühmter Männer, deren lange Reihe im Gedichte aufgezählt wird. „Der Fürst geht auf dem Teppich auf und ab" — seine Teppiche sind aus dem Pur­purundHermelinausmanchemKönigsgrab. Plötz­lich tritt der Adjutant ein und meldet, dass er alles getan habe, was ihm befohlen wurde. Die Befehle „Seiner Majestät" wurdenmitFunktelegraphie „al­len seinen Dienern" mitgeteilt. Der Fürst scheint zufrieden zu sein und nachdem der Adjutant weggegangen ist, setzt er sich zu seinem Kla­vier, spielt das berühmte Lied von Schubert : „Der Tod und das Mädchen" und singt dazu. — Dann geht er gemütlich zur Ruhe. Es ist ein Totenschiff der Totensagen. Der „König Tod" aber ist Gebieter über Lebende und Tote. Seinen Dienern wird sein Wille durch Funk­telegraphie mitgeteilt. Das ganze Gedicht hat ein ganz eigenartiges Gepräge. Etwas echt To­tentanzartiges, Gelungenes, aus dem Arsenal wahrer und modernör Totentanzvorstellung. Eine Totentanzauffassung nach alten Prin zipien bietet das abschliessende Gedicht : Z. Der Zufall. 3 Ein Jüngling steigt stolz auf einen hohen Berg hinauf, als er aber eine Hummel von sich treiben will, verliert er das Gleich­gewicht und stürzt in die Tiefe. Der Totentanzzyklus endet mit einer noch­maligen Mahnung, die Freuden des Lebens restlos zu geniessen. X. Das einheitlich allgemein menschliche Bild als Symbol des Lebens „Lebens-Tanz" 4 Schon in den „allegorischen" und „histo­rischen Einzelbilderreihen", besonders aber in den Szenenreihen der zuletzt besprochenen „Totentänze gemischter Art" fanden sich Ein­zelbilder, welche durch einen allgemein deut­baren Zug als Symbole des gesamten Erden­1 S. 173. 2 S. 175. 8 S. 180. lebens der Menscheit aufgefasst werden durften» Nun sollen hier jene Einzelbilder unter­sucht werden, welche in Gedichten und Wer­ken von D. Fr. v. Liliencron, Claus Reinbolt, Ernst Toller, M. Berde und G. Kaiser zu einem allumfassenden Bilde des irdischen Menschen­lebens werden und auch nach den Intentionen 4 Tab. B. I. 3a +11.

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