KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

moderne Tod ist mit Luzifer identisch. Er wurde von Gott Verstössen und auf die Erde vertrieben. Vom göttlichen. Fluch auf die Erde gebannt wan­dert er ziellos und gelangweilt durch alle Länder und wartet auf seine Erlösung vom schreckli­chen Mörder-Amt, das ihm überlassen wurde und das ihm keine Freude macht, da ja aus dem Tod und Sterben alles wieder zu einem neuen Leben erwacht. Gleichzeitig ist diese tra­gische Todesgestalt mit der Seele eines ver­dammten Menschen identisch geworden, mit dem germanischen „Quälgeist", mit dem „wil­den Jäger", der ebenfalls auf die Erde gebannt keine Ruhe findet. — Übrigens ist die Szene dieses Gedichtes schon aus den Totentänzen von Bechstein und Duller bekannt. 3 Vor der Schlacht. 1 Über dem Waldge­birge, auf den Hügelkronen der „Grenzmark zweier Reiche" (Deutschland und Frankreich), die Länder überschattend, sitzt der Tod. Ein Kränzlein dürren Bergklees hat er um seinen Schädel. Regenschauer sprühen durch seine Rippen. „Er schärft an dem geborst'nen Steingesimse Die Scheide seines Schwertes, eine neue Blutrinne in die breite Klinge schleifend ; Die Funken stieben von dem grauen Stahl Und zucken in das ziehende Gewölk". Unten schreiten Schlachthaufen zum Völker­kampf. Die drohende Gefahr eines schreckli­chen Krieges wird durch die teuflische Todes­gestalt personifiziert, die zwischen zwei Heeren ihr Schwert schärft und die eigentliche Ursache, das Ziel des Krieges ist. Er hetzt die Völker gegeneinander und seine höchste Lust ist, das in Strömen fliessende Menschenblut zu sehen. 4. „Abendmahl ' d Der Dichter speist mit seinem Jugendfreunde. Nach dem Abendmahl nimmt er Abschied von ihm. Als dieser nach Hause schreitet, gesellt sich zu ihm ein unbe­kannter „Wanderer" in einem weissen Reise­kleide und führt ihn den stillen, fernen Pfad . . . Der „Wanderer" ist Bechsteins „Wanderer-Tod" im allegorischen Verhältnisse Kuglers. 4. „Thalfahrt". 8 Heulend tobt das wilde Schneegewitter über Berge und Täler und die Lawinengefahr, welche das Menschenleben zu vernichten droht, verkörperlicht sich in der Ge­stalt des Todes, der auf einem Sarge reitend in ein tiefes Tal galoppiert : „Da sass der Tod auf einem Sarg, gleich wie Der Reiter auf der Mähre sitzt. Aus einem [Risse Hing,., grob gefaltet und von rohem Linnen, Der Ärmel eines Leichenhemds ; draus [starrte Die steife, wachsern gelbe Älplerhand. Mit den entfleischten Fersen steuerte Der Tod den Sarg und schoss blitzschnell [zu Thal". 1 S. 11. 2 S. 15. s S. 19. Hier wird, wie auch im 3. Gedicht nicht der Tod eines Menschen dargestellt und doch handelt es sich um einen Totentanz, da die Todesgestalt zum poetischen Selbstzweck im Rahmen eines dramatisch bewegten, in der Ge­genwart ablaufenden Geschehens auftritt. Diese am Sarg reitende Todesgestalt ist der germani­sche „Quälgeist", ein „Alp". In einem Gedicht des ungarischen Dichters, Ady („Az én koporsó­paripám", „Mein Sarg-Ross") reitet der Dichter selber auf einem Sarg. Die Vergänglichkeit dient dem Menschen und ist die Stütze, das Reit­pferd seines Lebens. 6. „Der Meisterschuss" d Nach dem Jagd­fest hält der Schiessverein des kleinen Städt­chens eine lustige Versammlung und es wird fröhlich über Jagderlebnisse geplaudert und fleissig getrunken. Auch der Zeiger kriecht vom Kugelfang hervor, um einen erfrischenden Trop­fen zu trinken. Da kommt ein angelehnter Stut­zen zu Falle, ein Schuss und der Zeiger liegt tot am Boden Der Tod schlingt schnell ein rotes Zeigerhemd um und hört begierig das Röcheln des Getroffenen, dessen Kehle er ergreift. Er tut einen Schlag auf eine Scheibe und ruft der ent­setzten Jagdgesellschaft höhnisch zu : „Das ist der beste Schuss vom Tag 1". Der Tod, in der Gestalt eines Jägers, ist — wie bekanntlich, — ein sehr altes mittelalterliches Motiv. Er nimmt an einem Festmahl teil, wie bei H. Sachs. Die­se Szene vertritt ein Übergangsstadium des mo­dernen Totentanzes. Der Zeiger wird nicht vom Tod persönlich getötet. Der Stutzen fällt von selber um und die Ursache des Todes ist ein Zufall. Der Tod preist diesen Zufall, der ihm die Arbeit erspart und ein Menschenleben um­sonst seiner Macht überliefert. 7. „Der Pilgrim". 0 Am Jahrestag einer Schlacht erscheint der Tod, der grausige Wan­derer, vor dem Beinhause eines Kirchhofes, in dem tote Soldaten ruhen. Er stösst die dürren Schädel, Rümpfe und Glieder mit seinem Wan­derstab durcheinander und wünscht sich eine noch reichere Ernte. Er ist der „Wanderer" Bech-' steins, der nicht deswegen erscheint, um jeman­den zu töten, sondern nur um seine Gedanken und Wünsche den Menschen zu verkünden. 8. „Das Flämmchen", 6 Das Kind ist krank und nahe am Sterben. Der alte Vater greift trauervoll nach seinem irren, abgehetzten Pulse und schaut durch das offene Fenster in den Gar­ten, wo neben dem Springbrunnen ein bleicher Jüngling steht. Dieser hält ein Lämpchen in der Rechten und versucht die Flamme auszublasen, welche waagrecht streichend nun unrettbar zu erlöschen droht. Dann steigt die Flamme wie­der hoch empor, beugt sich aber bald wieder dem Willen des spielenden Jünglings. So spielt der Tod mit dem Leben. Dieses symbolische Bild ist schon aus dem deutschen Märchen vom „Gevatter Tod" bekannt, in welchem der Tod 4 S. 23-24. 5 S' 27-28. 6 S. 31.

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