KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

den Menschen ebenfalls nur durch eine symbo­lische Handlung tötet, indem er sein Lebenslicht in der Höhle auslöscht. Nach Lessing sei dies die allein berechtigte Kunstform, den Tod als einen Jüngling darzustellen, der das Lebenslicht des Menschen auslöscht. Aber im Sinne der klas­sischen und mittelalterlichen Todesauffassung ist ja auch der Jünglingstod eine Erscheinungsform des Everyman-Todes. Der Tod eines Jünglings konnte als ein Jüngling gedacht werden. Das Gedicht zeigt also neoklassiche Auffassung. 9. „Der Maler". 1 Der Maler, dessen grei­ser Vater sich in einem Grossvaterstuhl ausruht, malt soeben ein Bild, worauf ein alter Mann matt auf-einer Bank des Gartens sitzt, und ein bleicher Jüngling ihn freundlich bei der Hand fasst, indessen er eine Fackel auslöscht. Der Maler wird nachdenklich, er hält in seiner Ar­beit inne und wendet sich um. Er will mit sei­nem alten Vater sprechen, der sich in seinem Atelier auf einen Lehnstuhl gesetzt hat . . . Aber der Alte sitzt regungslos da. Er ist tot. So wird die Allegorie, das symbolische Bild zur Wirklichkeit. — Der Todesjüngling ist hier selbst­verständlich wieder der missverstandene Jüng­lingstod Lessings. 10. „Die Dohle". 2 Aus der weissen Neu­schneegruft, die über einer steilen Felsenkam­mer steht, streckt eine Föhre ihre sturmzerzauste Krone hervor. Auf ihrem Geäste sitzt eine Alpen­dohle halb schlafend, halb erfroren. Als der Tod an ihr vorübergeht, denkt er das Döchtlein der al­ten Kreatur abzuzwicken. In demselben Augen­blick gellt ein Pfiff durch das tiefe Tal. Aus ei­nem Tunnel schoss eben ein Zug hervor mit roten Lichtern und dröhnenden Rädern und fährt nun am Abhang entlang vorüber. Der Tod erblickt ihn und verzieht sein Gesicht falsch und schalkhaft. Man sieht, dass er jetzt etwas Unerwartetes erfunden hat. Er schüttelt die Föhre und die alte Dohle hüpft und flattert un­beholfen und fällt kreischend auf den Schnee. Unter den schweren Schlägen der plumpen Flü­gel gleitet der Schnee langsam in die Tiefe hin­unter. Weiter unten gleitet die rasch angewach­sene Schneemasse schon schneller. Endlich rollt sausend und rasend der ganze Schneehaufen in die Tiefe und zerschmettert Zug und Menschen. „Der Tod reibt sich vergnügt die Knochen­[hände Und johlt, dass es von Fels zu Felsen [schrillt .• „Ich hätte das gethan ? Die Dohle that's 1" Und tanzt und freut sich wie ein Gassen­bube". Wie Liliencron (Blitzzug), so hat auch Frey den Tod in modernen Verhältnissen erscheinen las­sen. Die siegreiche moderne Technik erweckt seinen Neid. Die Elemente sind sein Reich und in der Technik sieht er das Eingreifen des Men­1 S. 35-36. 2 S. 39-40. sehen in das freie Walten der Elemente. Aber gerade das Zeitalter der Bequemlichkeit bietet ihm immer mehr Gelegenheiten, die Macht der Vergänglichkeit der Welt zu zeigen. Er erscheint auch hier wie ein böser Geist, ein germani­scher „Alp" und ersinnt dumme Streiche, wie ein Gassenbube. Mit Übermut und Schaden­freude betrachtet er die schrecklichen Folgen seiner Streiche. Den Tod und die Vernichtung verursacht die plötzlich entstandene Lawine und nicht „der Tod" persönlich. 11. „Altes Glasgemälde" 3 Es wird das Bild eines alten Glasgemäldes beschrieben. Ein Jüngling singt frohe Lieder des Lebens und der Tod begleitet den Gesang auf seiner Schalmei mit den Tönen der Vergänglichkeit. Während­dessen die vorangegangene Szene den Tod in moderne Verhältnisse versetzte, ercheint hier wieder eine reine Allegorie. 12. „Die Maske". 4 „Inanis schritt feierlich durch das Leben". . . Jeder war neugierig, was unter ihrer stolzen Maske verborgen liegt. Ihr Tod nahte. Alle ihre Freunde und Bekannten wollten jetzt ihr wirkliches Wesen sehen. Der Tod kam und hob die Maske vom Gesicht . . . Nur ein „blankes Nichts" war zu sehen. — Es ist ein allegorisches Bild für die stolzen Men­schen, deren Stolz erst der Tod vernichtet. 13. „Der Kelch". 5 Das Haupt einer Ver­einigung, eines Bundes, erhebt seinen Becher und stösst eben nach alter Sitte mit einem jeden Anwesenden in der eleganten Tafelrunde an. Als er aber an seinen Platz zurückgelangt, er­blickt er eine Knochenhand, die einen grünen Glaskelch ihm entgegenhält und mit ihm eben­falls anstossen möchte. Der oberste Leiter des Bundes schwankt, er sieht den Tod, der seinen Glaskelch an seine Stirn schlägt. Der Kelch zersplittert und er fällt tot auf den Boden. Ein allegorisches Bild des Todes, den der Dichter durch den „Todestrunk" und durch das Zer­brechen des Glaskelches symbolisiert. 14. „Der Feldherr" . 6 Der Feldherr ist krank. Eines Tages sehen ihn seine Soldaten aus sei nem Zelt herauskommen. Und man begrüsst ihn fröhlich und das ganze Heer jubelt. Er aber geht von einem Fremdling begleitet regungslos weiter. Dieser Fremdling schaut die Soldaten mit tückisch grinsenden Augenhöhlen an und hält den goldenen Kommandostab des Feld­herrn in seiner dürren Hand. Die Soldaten ver­stummen. Der Feldherr ist gestorben. — Die Er­scheinung des Todes ist eine Vision, fast wie bei Holbein und in den Totensagen. 15. „Der Ersehnte".' Ein Kranker wartet sehsüchtig auf den Tod Dieser erscheint und drückt ihm die Augen für immer zu. Das Ster­ben wird in eine symbolische Handlung ver­kleidet. 3 S. 43-44. 4 S 47-48. 6 S. 51-52. 6 S. 55-56. 7 S. 59.

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