KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IX. Die Einzelbilderreihe gemischter Art

- 188 — und ist vor einem Baum stehen geblieben, hin­ter dem der Tod lauert und seinen Bogen schuss­bereit hält. 14. „Siegesbotschaft" . Der Tod schrei­tet mit einer bluttriefenden Sense auf der linken Schulter, in einer riesenhaften Gestalt durch die Strassen der Stadt und teilt Flugzette! aus. 15. „Kampfpause" . Der Tod schleift mit einem Schleif­stein seine Sense. — Diese 15 Bilder enthält der erste Teil des Totentanzes von Grossek. Noch zwei Teile sollen ausserdem mit je 15 Bildern er­scheinen, von denen ich leider nichts erfahren habe (Weiteres darüber im letzten Kapitel). IX. Die Einzelbilder Wenn sich in einer Totentanz-Szenenreihe die Motive des Everymann-Todestanzes und des germanischen Totentanzes vereinigen, so entsteht eine Einzelbilderreihe gemischter Art. Die Bestrebung, den Todesgedanken umso poe­tischer zu verkleiden, äussert sich in meist alle­gorischen Szenen, die in Kuglers Manier das Leben und den Tod durch ein wenig sentimentale Geschehnisse symbolisieren wollen. Die Kom­position des Werkes von Adolf Frey 2 zeigt uns die Beschaffenheit einer solchen Zwittergattung der szenischen Totentanzreihen und ist weit interessanter und wertvoller, als der eintönige Sentimentalismus Kuglers. Frey schenkt seinen Symbolen Wahrheit und Wirklichkeit Auf dem Realisierungswege der Allegorie stösst der Dich­ter auf neue Todesauffassungen, die er mit al­ten vereinigt. Deswegen befindet sich dieses Werk in einem Übergangsstadium, in dem der Dichter die Reste der verschiedensten Motive des modernen Totentanzes wirkungsvoll in eine Einzelbilderreihe vereinigt hat, deren Einzelbil­der zueinander im Verhältnisse der Aufzüge, Auftritte, Szenen und Bilder eines einheitlichen Dramas stehen. 1. Vor meiner Kammerthür. 3 Der Tod hält die Wache vor der Tür eines jeden Menschen. „Vor meiner Kammerthür Ein Tritt geht hin und wieder, Ein Bleicher hält die Wacht, Schreitet auf und nieder". Der Mensch geht hinaus und hinein, singt seine Lieder und weiss nicht einmal, wann die „To­deswache" ihm den Ausgang oder Eingang ver­stellt. Jeder Mensch wird von einer solchen To­desgestalt bewacht Es sind also mehrere „To­de". Der Gedanke der immer nahen Todesge­fahr wird hier durch die bekannte Vorstellung von den „Todeskindern" verkleidet, welche bei Vörösmarty unter diesem Namen zum Ausdruck kommt „Der Tod", der „König der Vergäng­lichkeit", hat irgendwo auf der Erde seine Woh­nung. Er verfolgt die Menschen nicht persön­lich. Schon in der Stunde der Geburt schickt er aber zu jedem Menschen einen seiner Söhne, der ihn wie ein Schutzengel im ganzen Leben begleiten soll. Diese vielen „Tode" nannte Vö­rösmarty „Halálfiak", „die Söhne des Todes", „Todeskinder". „Der Tod" ist also der Herr 1 Tab. B. Ib. 2 + II. 2 Totentanz. Auran. 1895. 3 S. 3. iihe gemischter Art 1 und Anführer einer grossen Schar von mehre­ren „Toden". 2. „Am Anfang".* Go.tt, der Schöpfer, ü­berschaut alle seine Werke, alle Geschöpfe ziehen an ihm vorüber und preisen seinen Na­men und er betrachtet sie mit Freude, Liebe und Zufriedenheit. „Und misst und überdenkt — noch bebt der [Drang Der Schöpferlust in ihm — sein Werk und [lauscht Dem steten Wechselsang des Wogen­tschlages". Alle Engel preisen den ewigen Schöpfer .und seine Grösse, ihr Lied hallt „durch den Äther in die Sternenkreise". Nur einer, der Bleiche, Schreckliche und Stolze (der Tod), findet kein preisendes Wort. Er verhöhnt den Schöpfer und sein Werk : „Vergisst Du mich ? mich, den Du nicht [geschaffen ? Ich stürze in den Staub, was Dir gelang 1 Du magst erfinden, schaffen und gestalten, Doch meine Hand wirst Du nicht nieder­thalten. Mein ewig Amt ist Würgen und Entraffen". Obwohl hier der Tod ein Gegenpol der Ewig­keit ist und als ein gleichwertiges Prinzip der Vergänglichkeit und Sünde dem ewigen Schöpfer gegenübertritt — was der ursprünglichen Todes­auffassung gänzlich widerstrebt — erinnert diese Szene doch an den Streit Luzifers mit Gott im Buche Hiob des Alten Testaments, im mittel­alterlichen Faust-Drama, in Goethes Faust und in der „Tragödie des Menschen" von Madách. Am Ende des XIX. Jahrhunderts ist das Inter­esse der Literaturhistoriker und auch der Dich­ter für orientalische Motive und für Dichter des Morgenlandes sehr gross. Der orientalische Ein­fluss ist in diesem Verse von Frey ebenfalls erkennbar. Der Unterschied zwischen dem mit­telalterlichen Teufel und dem orientalischen Ur­prinzip des Bösen, Ahriman (im Orient), ist eben­so gross, wie der Unterschied zwischen der mittelalterlichen und der hier auftretenden To­desgestalt, die bei Frey erscheint. Der mittel­alterliche Tod ist der Bote Gottes, der sich als treuer Diener des Schöpfers, vom Heiland besiegt, der Ewigkeit ergibt. Sein Amt ist die Erfüllung des göttlichen Willens. Der 4 S. 7-8.

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