KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes

mit einem anderen, der keine schriftliche Er­laubnis hat, auf dem Markt betteln zu dürfen. Auch das Betteln ist Geschäft und unterliegt dem Konkurrenzgesetz. Nachdem jener Bettler, der auf diesem Stand schon seit längerer Zeit bettelt, den andern Bettler, der seit zwei Wo­chen keine Arbeit hat und sich vor Hunger nicht anders zu helfen weiss — also kein rich­tiger Bettler ist — ohne Erbarmen vertrieben hat, sagt er : „Um Christi Wunden willen dem .Dulder' ein Almoseft, liebe Herren 1" Schon wieder ein Zerrbild ! Ein Soldat reisst einem Handwerkergesellen seine Tänzerin vom Arme, er darf es tun, denn „sein ist die Macht und Herrlichkeit". Nicht genug, dass der Stand der Soldaten wie ein Blutegel an den unteren Stän­den saugt, — meint der „Bauernlümmel", dem der Soldat die Tänzerin nahm, — sie erlauben sich auch, die ehrlichen Handwerksleute zu schmähen. Luzifer betrachtet die Tänzer mit grosser Freude und segnet sie mit dem Teu­felssegen : Schuld und Elend sei mit euch ! Auch die Philosophie der Lustdirne, die sich soeben an einen Jüngling schmiegt, gefällt ihm. „Äpfel wachsen wohl noch immer, / . . . Blöd ist, wer sie wo erschaut, / Und sich nicht zu pflücken traut". Auf die Frage Adams, die er an einen Musiker richtet, warum er die Kunst mit seinem Spiel so erniedrige, anwortet dieser, dass ihm sein Spiel eine helle Pein sei. Er muss tagtäglich dieselbe Melodie geigen und hören, wie man stampft und jauchzt dabei. Der wilde Ton verfolgt ihn selbst im Traume. „Was tun ? muss leben, und sonst kann ich nichts". Und hier hat Madách die Geschichte Gretchens verkürzt und verändert in sein Stück aufge­nommen. Aus der Kirche kommt Eva als Bür­germädchen von ihrer Mutter begleitet. Sie hält ein Gebetbuch und einen Blumenstrauss in der Hand. Sie war in der Kirche, um sich sehen zu lassen oder gar sich umzuschauen — meint Luzifer. Aber Adam vergisst, wie auf einen Schlag, die Zerrbilder, welche ihm Luzifer ge­zeigt hat. Er will das Mädchen besitzen, dem ein Jüngling ein Pfefferkuchenherz überreicht. Eva scheint Artur — so heisst der Jüngling — in ihr Herz geschlossen zu haben. Adam nähert sich ihr von Eifersucht gepeinigt und bietet den beiden Damen sein Geleite an, damit ihnen im Gedränge nichts geschieht. Eva, wie auch ihre Mutter, weist die „Keckheit" und „Unver­schämtheit" des Arbeiters zurück. Eine Zigeu­nerin erscheint und prophezeit dem Mädchen einen schönen Bräutigam — recht nah sogar, — dann Gesundheit, Reichtum usw., und bekommt für die schönen Worte Geld. Als sie Adams Hand betrachtet, weiss sie nicht, ob Hunger oder Gal­gen ihm bevorsteht. Eva, die sich nur einen reichen Bräutigam wünscht, eilt mit ihrer Mut­ter weiter und verschwindet im Gedränge. Ei­nige Studenten ziehen an Adam vorbei. Sie eilen hinaus ins Freie, nachdem sie heute den Schulmoder los haben. Die Jugend hat also den Rat Keplers befolgt. Die Jünglinge wollen den Söldnern ihre Mädchen entreissen und Raufen ist ihnen männliches Vergnügen. Adam freut sich, dass seine Ideen das Volk im Leben doch verwirklicht hat. Aber Luzifer zeigt ihm zwei Fabrikanten, die miteinander über die unhalt­bare Konkurrenz sprechen. Sie müssen die Güte ihrer Waren fälschen und der Arbeitslohn muss vermindert werden, damit ihr Geschäft auf der Höhe bleibt. Leider lehnen sich die Arbeiter sofort auf, „weil sie nicht leben können, diese Hunde 1" „Was brauchen sie ein halbes Dut­zend Kinder?" Der eine Fabrikant meint, man muss die Arbeiter auch die halbe Nacht be­schäftigen, „sich auszuruhn, genügt die andre Hälfte". Also solche herzlosen, trockenen Schrek­kengestalten werden aus den lustigen Studen­ten ! — Luzifer bemerkt, dass er und Adam von der Zigeunerin belauscht werden. Plötzlich spricht er Adam per Mylord an und erwähnt laut jene Schiffe, die heute aus Indien ankommen wer­den. Er wünscht nicht länger derartig vermummt vom Volk jeden Augenblick beleidigt zu wer­den. Die Zigeunerin freut sich über diese Ent­deckung und teilt Adam mit, dass sie das Herz des Mädchens für den „Mylord" sofort gewinnen kann, sie ist ja schon seit lange mit dem Satan im Bunde. Während die Zigeunerin davoneilt, erscheint ein Marktschreier auf einem Karren und verkündet unter Trompetenschall die gros­sen Erfolge seiner wissenschaftlichen Forschun­gen. Es ist die Wissenschaft, die sich einst Adam als Kepler gewünscht hat. Sie wird vom Volk verstanden, gewürdigt, ist aber nichts wei­ter, als Dilettantismus, der sich zur niedrigsten Marktschreierei bequemt. Übrigens macht die­ser Marktschreier dasselbe, was einst Kepler tun musste. Er muss leben, begeht auch einen Verrat an der Wahrheit, nur dass man heute mehr Lärmens noch bedarf, als zur Zeit Kep­lers. Der Marktschreier verkauft ein Fläschchen Lebenselixir, Tankreds Zaubertrank, ein Schön­heitsmittel der Helena und — Keplers astro­logische Schriften. Während also Adam, der all dies miterlebt hat. das Licht in der Zukunft sucht und die kecke Unwahrheit der modernen marktschreierischen Wissenschaft erkennt, fin­det dieser Wissenschaftler sein Glück im längst Vergangenen. Und das Volk, das an nichts mehr glaubt, hascht dennoch nach allem Wunder­baren. — Endlich naht die Zigeunerin mit Eva und mit ihrer Mutter. Die Liebe Evas ist aber keineswegs idealistisch, sie will reiche Frau werden. Die Mutter freut sich, dass ihre Toch­ter nicht mehr die Frau eines Schusters sein muss und lässt die beiden Liebenden allein, denn sie meint, dass sich während ihrer Ab­wesenheit die Liebenden schneller kennenler­nen. Eva befragt Adam, ob er willig wäre, vom Marktschreier eines jener Schönheitsmittel für sie zu kaufen. Aber Adam will zum Juwelen­händler eilen und für Eva schöne Juwelen aus­suchen. Und hier folgt wieder ein Faust-Motiv: Luzifer zaubert im Nu die wunderbarsten Schmucksachen aus der Tasche hervor und

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