KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes

trächtigen Antrag zurück. Dieses schreckliche Weib sieht aber jener anderen, engelreinen Eva, die soeben erdolcht wurde, bis auf ein winzig Etwas gleich. Und doch ist der Unter­schied sehr gross: jene war unerreichbar, denn es schützte sie die Glorie, die sie umgab, vor dieser erfüllt das Herz Adams der Dunst der Hölle mit Abscheu. Endlich wird Danton von Saint-Just und Robespierre des Verrates ange­klagt und er neigt stolz und freiwillig sein Haupt unter die Guillotine, indem er Robespierre auffordert, ihm in drei Monden auf demselben Wege nachzufolgen. Der Henker ist Luzifer. Aber die Hinrichtung bleibt diesmal weg, denn Kepler erwacht wieder (X. Szene). Es ist Morgen. Luzifer weckt ihn. Er schlief das Haupt auf seinen Schreibtisch niedergesenkt. Während sein Famulus, Luzifer, ihm einen Schüler mel­det, tritt Barbara (Eva) im Garten weinend aus der Laube. Der Höfling hat sie zu einem li­stigen Gattenmord aufgefordert. Der Höfling will sie beruhigen, da er sich nur vor einem Skan­dal fürchtet. Die tiefsinnigen Worte Evas sind die kürzeste Zusammenfassung der Stellung des Weibes zum Mann in dieser gedankenlosen Welt: „Was kümmert im Versteck die Sünde dich, Du tadelloser Ritter du ? 0 weh, Ihr höhnt das Weib so lange, bis es nicht Der Tugend altehrwürd'ge Überlieferung Von sich wirft, wie ein dummes Vorurteil ; Dann seht ihr's mit geringschätzendem [Lächeln Als niedrig Werkzeug eures Lasters an!" Das Gespräch Keplers mit seinem Schüler ist die Darstellung der inneren Tragik des mensch­lichen Wissens und Schaffens, der Wissenschaft und Kunst. Der am meisten lernt, sieht am be­sten ein, dass der Mensch eigentlich nichts si­cher wissen kann, und die Kunst nur dann am besten dran ist, wenn sie sich so sehr hinter die Wirklichkeit versteckt, dass man sie gar nicht merkt. Dann fordert Kepler seinen Schüler auf, alle seine Bücher und Folianten zu verbrennen, ins Freie zu gehen und in der Welt des Den­kens auf eigenen Beinen einherzuschreiten. Die letzten Zeilen dieser Szene enthalten die neue Idee, für die sich Adam begeistert : „Mich führe du, mein zweifelhafter Schutz­[geist, In jene neue Welt, die sich entwickelt, Wenn die Ideen eines grossen Mannes Der Menschheit einmal klar verständlich [sind. Und es dem scheu verborgenen Gedanken Vergönnt sein wird ein freies Wort zu [sprechen Auf den Ruinen fluchbeladner Wälle." Die elfte Szene ist die Darstellung der „Gegenwart". Der Markt in London ist der Markt des Lebens. Adam als betagter Mann steht mit Luzifer auf einer Zinne des Towers. Zwischen der Themse und dem Tower liegt der Markt. Die beiden oben auf dem Tower hören den Lärm und das Getöse des Marktlebens in einem schönen Wettgesang harmonisiert. Adam be­geistert sich für diese Form des Lebens, in der nur der freie Kampf, die freie Konkurrenz zur Geltung kommt. Aber Luzifer macht ihn auf­merksam, dass der Gesang nur aus der Höhe so schön ist, wie ein Kirchenlied, „Wo jeder heis're Mission, jeder Seufzer / Und Weheruf zur Arie verschmilzt / Bis er heraufgelangt . . . doch hörte sich's gewiss / Dort unten anders an, wo auch des Herzens / Pulsschläge in die Harmo­nie sich mischen " Adam will dieses neue Le­ben näher kennenlernen. Beide ziehen Arbei­terkleider an und gehen durch das Innere des Towers auf den Markt. Ein Marionettenmann lässt durch einen Affen die Geschichte des Sün­denfalls darstellen. Das Volk ergötzt sich daran, dass das Weib durch Schlangenlist verführt, der Neugierde Untertan, den Mann schon damals in die Patsche gebracht hat. Adam fühlt sich durch diesen abgeschmackten Scherz beleidigt, aber Luzifer entschuldigt das Volk, das an die­sem kunterbunten Zerrbild ein ebenso grosses Gefallen findet, wie der Gelehrte an einem Sha­kespeare. Luzifer hat das Zerrbild lieb, da er ja auch ein Sprosse oder auch der Vater der lieblichen Romantik ist Das Zerrbild ist ein Affen­zug auf dem stolzen Menschenantlitz, „Dem Hohen nachgeschmissner Strassenkot". . . Bald wird aber Adam und Luzifer vom Marionetten­mann Lumpenpack gescholten und aufgefordert, den besten Platz nicht zu verstellen. Ein klei­nes Mädchen verkauft laut schreiend Veilchen. Eine Mutter kauft sie für ihr totes Kind, ein Mädchen steckt sie in ihre dunklen Locken. Und der Juwelenhändler ist auf das Mädchen neidig, dass es mit den Blumen ein besseres Geschäft macht, als er mit seinen Juwelen. Das Unkraut macht ihm zu grosse Konkurrenz. Die Bürgermädchen sprechen darüber, warum ihnen die Männer keine Juwelen kaufen. Die Män­ner kaufen heute den Mädchen etwas nur zu verruchten Nebenzwecken, sie sind schon aller Feinheit bar. In einer Landhütte befindet sich eine Weinschenke, um den Tisch zechen Ar­beiter. Musik, Tanz. Soldaten, Bürger, Hand­werksleute, Mädchen tanzen im bunten Durch­einander. Der Wirt lockt die Gäste mit einer alten, aber doch immer neuen Philosophie in die Schenke. „Gestern ist vorbei / Und Morgen holst nie ein ..." Adam und Luzifer setzen sich an einen Tisch und hören, was die Ar­beiter reden. Die Maschinen sind des Teufels Werk, sie nehmen den Arbeitern das Brot vor dem Munde weg. Der Reiche — ist der Teufel selber, er saugt sich gemächlich voll an dem Blut der Arbeiter. Aber auch der Wirt erlaubt Adam und Luzifer nicht auf seiner Bank zu sitzen, ohne etwas zu trinken, sie nehmen ja den Platz der Gäste weg und wollen sich umsonst ausruhen. Luzifer führt Adam zu ei­ner Gruppe von Tanzenden. Ein Bettler streitet

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