KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes

- 166­Und den Genuss stempelte man zur Sünde ; Ich pflanzte Rittertugend, und gerade Sie stiess den Dolch ins Herz mir. Fort [von hier In eine neue Welt 1 . . . Kann sonder Scham den rauhen Kampf­tplatz räumen. Nichts soll, gewiss, hinfür mich mehr be­tgeistern : Die Welt mag ihren Weg gehn wie sie will. Ich greife nimmer in ihr Räderwerk, Schau ihrem trägen, holperigen Gange Gleichgültig zu mit teilnahmslosem Blick ; Denn ich bin müde, sehne mich nach Ruhe." Diese Rede Adams beweist genügend, wie tra­gisch er in seinen Kämpfen für die christliche Idee durch die List Luzifers gefallen ist. Aber Luzifer gibt dem Menschen auch nach einer solch fürchterlichen Enttäuschung keine Ruhe : Luzifer : So ruhe also aus 1 Doch glaub' ich kaum, Dass dich dein reger ungestümer Geist Je ruhen lasse. Adam, folge mir 1" Aber der Menschengeist kann nicht ruhen und teilnahmslos die Welt betrachten. Auch für den Einsamen gibt es neue Ziele und neue Arbeiten. In der Kepler-Szene (VII. Szene) tritt Madách in den Vordergrund. Wie Adam, wünschte er sich ein ruhiges Heim, um sich restlos und ungestört der Wissenschaft und Dichtkunst weihen zu können. Er sehnte sich nach einem Weibe, das ihn versteht, seine Ta­lente schätzt. Als Kepler lebt Adam am Hofe Kaiser Rudolfs in Prag. Während er die Ster nenwelt bewundert, kokettiert seine Frau mit den Höflingen. Sie wirft ihm vor, dass er ihr nicht genug Geld gibt, um auf dem Hof vornehm er­scheinen zu können. Aber Kepler (Adam) hat bisher alles seiner lieben Barbara (Eva), seinem Weibe gegeben und muss an seinem besten Wissen einen schmählichen Verrat begehen, muss hirnverbrannte Horoskope, Wetterprophe­zeiungen verfertigen und indem er verheimlicht, was sein Geist klar erfasst, muss er verkünden, was er für falsch erkannt hat, um seiner Frau je­den Wunsch erfüllen zu können. Barbara (Eva) fühlt sich beleidigt, dass ihr Mann immer von jenen Opfern spricht, die er ihr bringt, aber dass sie, ein Kind vornehmer Leute, ihr Schicksal an seinen zweifelhaften Rang geknüpft hat, um ihn in bessere Kreise einzuführen, das will er nicht einsehen. Erst jetzt muss Adam bitter enttäuscht erfahren, das sein Weib den Namen, das ade­lige Geschlecht, das äusserliche Vornehmtun höher schätzt, als den göttlichen Lichtstrahl, der sich aus heiterem Himmel ihm auf die Stirne gesenkt. Ist also dieser von Gott geweihte Adel von zweifelhafter Abkunft? Wird denn diese Mode, unter den Menschen adelige und nicht adelige zu unterscheiden, nicht auch einmal aus der Mode gehen, während der wahre Adel der Seele ewig jung bleibt ? Nicht genug, dass man seine arme Mutter, die für eine Hexe ge­halten wird, eingekerkert hat und ihren Sohn der Ketzerei verdächtigt, da er seine Mutter aus dem Kerker befreien will, sogar in seinem ei­genen Weib muss er sich täuschen. Barbara (Eva) geht in den kaiserlichen Garten, wo auf sie ein Höfling wartet, währenddessen Kepler seinen Famulus, Luzifer, hereinruft. Er soll die von einem Höfling bestellte Nativität und Wet­terprophezeiung schreiben. Luzifer schreibt dies gern, da die Eltern eines Kindes auch den grössten Unsinn nicht für unwahrscheinlich hal­ten, denn jeder Bengel ist selbstverständlich ein Messias, ein Leuchtstern voll Verheissungen. Adam trinkt den von Luzifer auf den Tisch ge­stellten Wein und bedauert, dass er ein Zeit­alter gewünscht hat, wo das gewohnte, ebene Geleise der eingewurzelten Gesellschaftsordnung, die Vorurteile, durch alten Brauch geheiligt, nie­mand berührt, wo er still ruhen könnte. Und jetzt ist ihm die blödsinnige Gleichgültigkeit sei­ner Zeitgenossen auch nicht recht. „Ob wohl noch eine Zeit kommt, welche [diese Gleichgültigkeit hinwegschmelzt und mit [neuer Tatkraft dem altem Kram ins Auge blickt, Als Richter äuftritt, strafet und erhebt ? . . . Die nicht zurückschrickt vor gewalt'gen [Mitteln, Sich nimmer scheuet das geheime Wort Kühn auszusprechen . . . Und das geheime Wort hört Kepler, die Marseillaise, das Lied der Zukunft. Dass hier Luzifer der Famulus des Kepler ist, das liesse sich auf Faust zurückleiten. Der Grundgedanke dieser Szene ist die Tragik des Familienlebens. Die neunte Szene ist der Traum Kep­lers. Als Danton steht nun Adam auf dem Ge­rüst der Guillotine, die auf dem Gréve-Platz zu Paris aufgestellt wurde. Neben ihm steht Luzi­fer als Scharfrichter. Danton hetzt den Pöbel im Namen der Freiheit, Gleichheit, Brüderlich­keit gegen die adeligen Leute, die für ihren Kö­nig gerne sterben wollen. Ein Marquis und sei­ne Schwester (Eva) wird von einem Sanscu­lotten herbeigeführt. Danton will, von'der edlen Art der beiden überrascht, beide retten, aber der Marquis nimmt die dünkelhafte Gnade eines „Bürgers" nicht an. Danton lässt den Marquis trotzdem auf sein Quartier bringen und bekennt seine Liebe dem adeligen Mädchen. Aber auch diese weist seine Liebe zurück. Als die Volks­menge von den Kerkern zurückkehrt, wo sie alle Gefangenen getötet hat, wird Eva von ei­nem Sansculotten erdolcht. Mit Entsetzen wen­det sich Danton von dieser Schreckensszene ab. Da erscheint wieder Eva in der Gestalt ei­ner zerlumpten Lustdirne. Sie hält einen Dolch in der einen Hand und einen abgeschnittenen Kopf in der anderen. Für diese Heldentat ver­langt sie von Danton, eine Nacht mit ihr zu ver­bringen. Mit Ekel weist Danton diesen nieder-

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