KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes
Geschichte werden vertreten und so beleuchtet, dass Adam nur die Sünde, das Böse sehen und das mitspielende Gute nicht bemerken soll. Der Inhalt der geschichtlichen Szenen ist also nicht die Anschauung des Dichters, sondern des versuchenden Teufels. In diesem Stück kämpft der Skeptizismus, der Pessimismus des Dichters mit seinem besseren Ich. Luzifer ist die Welt der kalten Skepsis, der Verneinung, des systematischen Zweifels, des Kritizismus, der alles Hehre und Heilige mit Schadenfreude in den Staub zerrt. Die historischen Szenen sind alle tragisch. Adam, Eva und Luzifer sind die Hauptpersonen einer jeden Szene. Im historischen Gewand kämpfen sie immer um ein Ideal, aber ihr Kampf endet mit einem tragischen Fall, ihre Kraft versagt und die meisten Szenen enden mit Tod, dessen Ursache in vielen Fällen Luzifer ist. Das ist die Ursache, warum ich „Die Tragödie des Menschen" für den grössten Totentanz der Neuzeit halte. Luzifer sagt ja von sich selber, dass er der Tod sei. Vergleichen wir den Anfang des Dramas mit dem Holbein-Totentanz, so muss es uns unbedingt auffallen, dass die zweite und dritte Szene des Dramas mit dem zweiten, dritten und vierten Holbeinbild übereinstimmt. Die dritte Szene der „Tragödie des Menschen", in der Adam „die Arbeit" kennenlernt, könnte wahrlich den Titel des vierten Holbeinbildes bekommen : „Adam bawgt die erden". In der weiteren Untersuchung des Inhaltes will ich darauf hinweisen, welche Szenen ausdrücklich Totentanzszenen sind. Mit der vierten Szene des Dramas beginnt die historische Einzelbilderreihe. Im ersten Traum ist Adam der grosse Pharao, dem Tausende von Sklaven eine mächtige Pyramide bauen. Durch diesen Riesenbau will der Herrscher seinen Namen verewigen und seinen grossen Ruhm den Jahrtausenden verkünden. Luzifer, sein Minister, weckt aber in ihm die Unzufriedenheit. Er ist nicht glücklich, da ihm alles einem erzwungenen Zolle gleich in den Schoss fällt. Ein Arbeitersklave, den die Aufseher schrecklich geprügelt und bis in die Halle verfolgt haben, flüchtet sich zum Pharao und bricht vor seinem Throne zusammen. Auch seine Frau entringt sich dem Arbeiterhaufen und stürzt auf ihren Gatten. Adam fühlt sich durch die Worte des einfachen Weibes betroffen. Eine dunkle Ahnung sagt ihm, dass dieses Weib Eva sei. Und der sterbende Sklave spricht ein grosses Wort aus, das den suchenden und kämpfenden Adam von seinem Wahn befreit : „Millionen für einen 1" Adam hebt die einfache, verlassene Sklavin zu sich. Den stolzen Mann fesselt gerade der enge Horizont des Weibes. Durch das Herz dieses geliebten Weibes lernt er das Wehklagen der Sklaven hören und verstehen. Er gibt dem Sklavenvolk die Freiheit zurück. Die Pyramide soll unvollendet der Welt die Nichtigkeit des Ruhmes und der Macht verkünden. Endlich will Pharao mit einem Blick in die Zukunft sehen, was aus seinem Ruhme wird. Luzifer zeigt ihm, wie das laue Lüftchen in drei, vier Jahrtausenden die mächtigsten Pyramiden mit Staub verschüttet. Aber nur der Geist des Pharao geht verloren, sein Körper wird in der Gestalt einer Mumie mit verzerrtem Gesicht erhalten bleiben und das naseweise, unbärtige Schülervolk wird ihn begaffen, ohne seinen Namen zu wissen. Vor dem Throne Adams erscheint eine Mumie, sein eigener Leichnam 1 Luzifer stösst mit dem Fuss nach dem Totenkörper, der auf den Stufen des Thrones langsam hinabrollt. Adam versteht die Lehre. Den Millionen muss in einem freien Staate Gellung geschaffen werden und der einzelne mag fallen, wenn nur die Gemeinschaft lebt. — Was ist das, wenn keine Totentanzszene ? Dem mächtigen Herrscher, der nebenbei Adam, d. h. Everyman selber ist, erscheint seine eigene Mumie und durch diese Vision will sich der Mächtige bekehren. Was ist der Grundgedanke dieser Szene, wenn nicht „die Vergänglichkeit des Ruhmes ?" In der fünften Szene muss der einzelne im Kampfe für die Millionen zugrundegehen. Adam spielt die Rolle des Miltiades. Er kämpft selbstlos für das Wohl des Staates, aber das Volk verlangt nur Freiheit, um selber herrschen zu können. Durch die Hetze der Demagogen beeinflusst wird Miltiades für einen Verräter gehalten und zum Tode verurteilt. Während Eva und ihr Sohn, Kimon, im Tempel für Miltiades beten, bringt Luzifer als ein Soldat verkleidet die Schreckensnachricht, dass Miltiades die Treulosigkeit des Volkes erfahren habe und sich mit seinen Kriegern am Volke seiner Vaterstadt rächen will. Wie durch einen Zauber verändert sich die Gesinnung des feigen Volkes. Adam wird mit Jubel empfangen und die ihn vorher noch beschimpft haben, verbeugen sich jetzt vor ihm am tiefsten. Bald muss aber Miltiades die traurige Wahrheit erfahren. Als nämlich das Volk bemerkt, dass Miltiades seine Krieger entlassen hat, nichts von seiner Verleumdung weiss und sich auch nicht rächt, wendet es sich abermals gegen den Sieger bei Marathon und diesen schützt gegen die rohen Angriffe des Pöbels nur das Heiligtum des Tempels, in das er sich zurückgezogen hat. Adam versteht auch diese Lehre. Er war ein edlerer Gebieter der stumpfen Menge, als sie ihm. Er wünscht ein vollständig neues Leben. Nicht mehr die Millionen für den Einen, nicht mehr der Eine für Millionen, sondern jeder Mensch für sich 1 Weg mit der Tugend I Die Wollust soll die einzige Freude des Menschen werden 1 Adam verzeiht dem Volk, da es nicht seine eigene Schuld, sondern ein Naturgesetz ist, dass es in Sklaverei leben muss. Nur er war ganz allein ein Tor, zu glauben, solch ein Volk bedürfe der Freiheit. Und zur Strafe, weil ihn jemals eine erhabene Idee begeistern konnte, will er durch Henkershand sterben. Man bringt einen Block