KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes
Vor die Stufen, daneben steht Luzifer mit einem Beile. Adam neigt sein Haupt. Aus dem Tempel tritt der Genius des T o d e s als ein sanftblickender Jüngling, mit gesenkter Fackel und einem Kranze zu Adam. — Auch am Ende dieser Szene: Tod I Der Jünglings-Tod des klassischen Altertums — nach dem Lessing'schen Begriff — erscheint, während Luzifer, der Teufel, die Rolle des Scharfrichters spielt. Wieder eine Totentanzszene 1 Vgl. Taf. LXXXV. Fig. 4. In Rom soll Adam das neue Leben kennenlernen, das er sich als Miltiades gewünscht hat, das Leben in Sünde, Genuss und Wollust (VI. Szene). Als Sergiolus verkleidet liegt er mit seinen Freunden, mit den beiden Lüstlingen, Milo (Luzifer) und Catulus, in einer offenen Halle auf den Ruhebänken um den reich gedeckten Tisch. In der Halle stehen Götterstatuen und Prunkgefässe mit brennendem Räuchewerk. Auf einer Tribüne kämpfen Gladiatoren. Milo (Luzifer) und Catulus umarmen zwei Lustdirnen. Die Geliebte des Sergiolus (Adam) ist Julia (Eva). Adam stellt den Besitzt der Julia auf die Wette gegen ein Ross des Catulus, dass sein Gladiator den Gladiator des Catulus besiegen werde und gewinnt auch das Ross. Als der Gladiator des Catulus vom andern besiegt wird, will Adam ein Begnadigungszeichen geben, aber Catulus streckt seinen Daumen gegen den Gladiator : Recipe . ferrum ! Catulus meint, er habe Sklaven in Überfluss und das Leben eines einzigen geht ihm nicht ab. Auch der Liebeskuss ist süsser und die Begierde glühender, wenn Blut geflossen ist. Die Lustdirne des Luzifer, Hyppia, singt über Wein und Liebe. Wie die Sonne die Gräber, so vergoldet der Wein- und Liebesrausch das Leben des Menschen. Dann singt Cluvia, das Liebchen des Catulus, ein leichtsinniges Lied, in dem der Geliebte Lucretias verspottet wird, weil er sich aus Liebeskummer erdolcht hat. Auch über Brutus lachen alle,, der für das Volk starb. Warum hielten die Helden das für heilig, was des Lachens wert ist ? Warum haben sie nicht dem Genuss und der Wollust gelebt? Adam und auch Eva verlangen endlich auch etwas Bitteres, da sie der Tanz, die Musik, die Liebkosung, dieses Meer endloser Süssigkeit anwidert. In Rom wütet die Pest und während die reichen Kreise frivol und leichtsinnig die Freuden der Welt geniessen, wird das arme Volk von der Seuche dezimiert. Soeben zieht ein Leichenzug an der Halle vorüber, mit Tibien, Fackeln und Klageweibern. Luzifer verspottet seine Freunde, die plötzlich verstummt Freude, Liebe, Tanz und Lieder vergessen haben und will einen neuen Gast einladen, den „Wanderer", der hier im Fackelglanz vorüberzieht und die Gesellschaft wieder aufheitern könnte. Luzifer ruft die Knechte, welche im Leichenzug den Sarg tragen und der Leichnam wird im offenen Sarg hereingebracht und auf die Tafel gesetzt. Luzifer trinkt ihm zu. „Trink Bruder ! heute dir und morgen mir 1" Man reicht dem Toten einen Becher. „Vielleicht ist dir ein Küsschen lieber ?" — meint Hyppia leichtsinnig. Von Luzifer ermuntert, dem Toten diese Freude zu gewähren und ihm den Obulus aus seinem Munde zu stehlen, gibt sie dem Leichnam einen Kuss. „Die Pest, Verwegne, atmest du da ein I" — ruft ihr der hl. Apostel Petrus zu, der aus dem Gefolge hervortritt und dessen Warnung schon zu spät kommt. Während alle vom Sarg zurückweichen und sich flüchten wollen, hält der hl. Apostel Petrus eine wirkungsvolle Strafpredigt, die mit wuchtigen Worten den Umschwung der Zeiten verkündet. Das Volk, welches in Freude erstickt Gott und Tugend mit Füssen tritt und wenn die Gefahr an die Türe pocht, sich feig verkriecht, wird von einem fremden Volk verdrängt. „Mit hocherhobnem Haupte schreiten Durch stille Friedenstätten Raub und Mord, Entsetzen, bleiche Sorge hinterher.' Die Götterstatuen zerfallen in Staub und Hyppia kämpft mit dem Tod. Sie fleht um Hilfe und will alle verfluchen, die sie hilflos sterben lassen. Aber vom hl. Apostel Petrus getröstet und getauft, stirbt sie erleichtert. Catulus entfernt sich. Und Adam fragt in Gedanken verloren seine Geliebte, Julia : „Was suchst du da, / Wo Todeshand die Freude ausgerottet?" Die Antwort der Julia (Eva) führt einen neuen Entschluss Adams (Sergiolus) herbei : „Welcher Reichtum edler Gefühle war in dieser Brust zu finden, Wo du vergängliches Gelüst nur suchtest!" — sagt Julia. Adam kniet nieder, hebt die Hände zum Himmel und bittet Gott, neue Völker und neue Ideen erstehen zu lassen, das träge Blut aufzufrischen und dem Edlen neuen Spielraum zu gewinnen. Am Himmel erscheint in Glorie das Kreuz. Hinter den Bergen sieht man den Feuerschein brennender Städte. Von den Höhen steigen halbwilde Horden herab. Bei diesem Anblick läuft es Luzifer kalt über seinen Rücken. Adam hört den Hymnus der Christen, die im Zirkus von den Tigern zerfleischt werden und wünscht für die neue Lehre zu streiten, welche eine neue Welt begründet, „Die ihre Blüte in der Rittertugend / Entfalten soll, und deren Poesie / Am Hochaltar dem hehrsten Ideale / Verklärter Weiblichkeit in Andacht huldigt!" Luzifer warnt umsonst, dass dies seiner Ansicht nach ein ebenso unmögliches Ideal sei, wie die bisherigen : „Gott ist's gefällig, weil's dem Himmel kürt, / Dem Teufel lieb, weil's zur Verzweiflung führt." Es ísí unmöglich, diese Szene nicht sofort als einen Everyman-Todestanz zu erkennen. Tanz, Musik, Liebe im Hause des Reichen und die Pest in der Stadt. Luzifer spielt die Rolle des Todes in den Todes-Tänzen. Zum fröhlichen Trinkgelage ladet er einen Toten ein, nennt ihn den „Wanderer" und gibt ihm den Todestrunk. Als wäre er der Tod, verlockt Luzifer das leichtfertige Mädchen, Hyppia, dem Toten einen Kuss zu geben. Er weiss, dass sie durch diesen Kuss des Toten an der Pest sterben wird. Hyppia wird von Luzifer in den Tod gelockt. Und Adam sagt ausdrücklich, dass ,.durch Todeshand"