KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VI. Die historische Einzelbilderreihe

Pest, in der Form des Totentanzes. Der Tod ist „die Pest". Schon unter den Everyman-Todes­tänzen wurde erwähnt, wie der Tod auf den Strassen und Plätzen Wiens seines Amtes wal­tet. Dem Namen der Strasse passt er seine Ar­beit an : in der Herrengasse herrscht er usw. Jedes Kapitel ist fünfteilig: 1. Aufzählung der Fehler und Sünden eines Standes. 2. Lob eines jeglichen Standes. 3. Eine Frage an den Tod, was seine Meinung über die irdische Ei­telkeit und über die unnützen Bestrebungen eines jeglichen Standes sei. 4. Der Tod bekräf­tigt in seiner Antwort seine unüberwindliche Macht mit einem Hinweis auf die Wiener Pest­zeit. 5. Eine Darstellung des Todes einzelner Stände während der Pest in Wien. Für den modernen Totentanz ist die Ant­wort des Todes in jedem Kapitel von grosser Bedeutung. Umsonst wird dem Tod, diesem un­höflichen Kerl, auferlegt, er möge die Herren Geistlichen als „Euer Ehrwürden" titulieren, er versteht doch immer nur „Euer E r d würden" und fällt in keine Exkommunikation, wenn er durch die privilegierten Klausuren schleicht und die Geistlichen mit gewalttätiger Hand ins Grab hinabführt. Diesem „recht verbeinten Gesellen" gilt schön oder unförmlich, arm oder reich das­selbe. Holdselig oder goldselig ist für ihn ein Ding. Der Tod, ein guter Fischer, Mader, Gärt­ner und Kegel oder Schachspieler, bei dem Respekt und Despekt in einem Schubladen liegt, kann die Lateinergelehrten nicht von einem Tier unterscheiden. Sein Vater, der Teufel, war ein sehr ehrlicher Kerl, seine Mutter, die Sünde, war eine gar feine Frau. Doch haben seine El­tern ihn zur Ersparung der Unkosten nicht stu­dieren lassen. Einzig allein Gott konnte ihm ein wenig Grammatik in seinen hohlen Schädel zwingen Die wissenschaftliche Bildung des To­des weist daher grosse Lücken auf. „Mors" ist ihm nicht generis feminini, sondern generis com­munis und das Verbum „vivo" hat keinen In­finitivus. Er hat also eine ganz ungewöhnliche Grammatik. Seine Dialektik hat allein den Syl­logismus Barbara. Seine Theologie erlaubt das Stehlen Seine Jurisprudenz wohlberechtigt in jedem Falle den Totschlag. Seine einzige Me­dizin ist, das Maul des Patienten mit Erde voll­zuschoppen. Da sein Namen Mors mit Mars verwandt ist, trägt er als der beste Soldat die erste Schildwache weg, usw. usw. Auch die Werke „Lösch Wienn" und „Tod­tenbruderschaft" sind wertvoll, da Abraham ä St. Clara in ihnen viele Volkslieder, mittelalterliche Monologe und Dialoge, besonders Everyman­Dialoge zitiert. Wie im Gedicht des arabischen Dichters Adi, spaziert in einem Gedicht in „Lösch Wienn" 1 ein König an einem Kirchhof vorüber und hört, wie drei Tote ihren Freunden ihr sündhaftes Leben vorwerfen. Interessant sind 1 Abr. a St. Clara weiland k. k. Hofprediger in Wien / Sämmtliche Werke / Passau. 1836. Bd. VIII. S. 272-73. die „Grabschriften". Die Alten" beklagen sich über ihr schwerfälliges Leben und der „bissige Tod" rafft sie dahin. In der „Grabschrift der Ge­lehrten" 3 wird die todüberwindende Macht der Wissenschaft bezweifelt. Im Gedicht „Hui und Pfui" 4 wird der eitlen Weltauffassung und dem Kult des stolzen und schönen Leibes das Ende, die Fäulnis gegenübergestellt. Die „Grabschrift der Reichen" ist eine Er­weiterung des Everyman-Dialoges. 0 Der Reiche hat sein Leben so eingerichtet, als wenn er ewig leben wollte. Kaum ist sein Palast auf­gebaut, da klopft schon der „dürre Mann", der „Dürrling" und „macht ein grosses Lärmen". Er wird wegen seines unartigen Benehmens vom Reichen zurechtgewiesen. „Da wird er toll, der grobe Knoll, / und zeigte ihm die Feigen". Um­sonst bietet der Reiche all sein Reichtum als Lösegeld an : „Nichts hilft Schmiral, noch Kapital, Noch mit Gold g'füllte Ranzen, Du musst nur fort, mit einem Wort Fein hübsch den Kehraus tanzen". — antwortet der Tod und der Reiche muss seine Schätze verlassen und in der Erde ein Quartier mieten. Ähnlichen Inhalt hat das Gedicht : „Glimpf­licher Diskurs der Geistlichen mit dem schnar­chenden Tod". 6 Auch die Volksdichtung wird reichlich ver­treten : z. B „Da kommt ein Schnitter, heisst der Tod"' und „Alte Weiber, junge Madel..." h Abraham á St. Clara hat auch einen To­tentanz geschrieben : „Besonders meublirt- und gezierte / Todten-Capelle / oder / Allgemeiner Todten-Spiegel. / Darinnen / Alle Menschen / wes Standes sie sind / sich beschauen / an denen mannig fältigen / Sinn-reichen Gernahl­den das / Memento Mori / zu studieren / und die Nichtigkeit und Eilelkeit dieses Lebens / De­mocriticé oder Heracliticé / Das ist : / Mit la­chendem Mund / oder thränenden Augen / wie es beliebt / können betrachten / und verachten lernen. / Nürnberg. / Bey Christoph Weigel etc. 1710. 19. Sept." Trotz des langen Titels ist das Werk nicht so bedeutsam, wie die andern To­tentanzwerke. Das Motiv des Tanzes wird weg­gelassen. Die Bilder sind Varianten der Hol­bein-Totentänze. Jede Szene wird durch einen lateinischen und einen deutschen Spruch er­öffnet. Einzelne Motive sind Vorgänger der mo­dernen Totentänze : Den Kaufmann macht der Tod bankrott, als „Contre Admiral" zer­bricht der Tod am Meer Ruder und Steuer und der Admiral, sowie der Matrose müssen gleich­zeitig im kalten Wasser baden. DerTodistein sonderbarer Maler, die Porträts aller Menschen 2 Grabschrifl der Allen. S. 310-11. 3 S. 323-325. 4 S. 305-306. 5 S. 317-318. 3 S. 330-333. 7 S. 326 ; s. in Kluges Auswahl. 8 S. 303.

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