KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VI. Die historische Einzelbilderreihe

-157­Todesgestalt dieses Stückchens ist gütig, wohl­wohlend, sie ist mit dem Leben verbrüdert und gibt es auch dem Alten gerne zu, dass er die Wiederkehr des Sohnes abwarten möchte. Ja sogar den Wünschen und Einflüsterungen des Lebens, welche der Alte, — „das Leben" selbst — ihm vermittelt, kann er nicht wider­sprechen. Es zieht an dem Freund Hein und dem Alten Mann eine Reihe von Standesver­vertretern vorüber und auf die Bitte des Alten Mannes Iässt sie der Tod alle weiterleben und ihr irdisches Treiben fortsetzen. Der Gärtner pflegt die Blumen des Herrgotts und fürchtet sich nicht vom Herbst, da doch im Frühjahr alles aus dem Winterschlaf zu einem neuen Leben erwacht. Und obwohl Herbst und Tod dasselbe Lied singen, gibt jetzt der Tod aus­nahmsweise nach, er lässt den Gärtner weiter­gehen und nimmt sich strenge vor, dass der nächstbeste Vorüberwandelnde unbedingt mitge­hen muss. Nun kommt ein Schmied. Auch dieser sagt auf den Ruf des Todes : Nein. Freund Hein lässt dann in seiner Güte auch das Schneider­lein, den Bettler mit der Drehorgel, den Pastor, den Bauern, Krüppel, die kranke Frau laufen. Sehr schön ist auch die Szene mit dem Liebes­paar. Die Liebenden bemerken den Tod gar­nicht. Auch die lieblichen Kinder, „Lütten Jung und lütte Deem", die für ihre Mutter Blumen pflücken und vor lauter Freude vom Tod nichts merken, dürfen zu ihrer Mutter zurück, die ja selbst bald sterben soll. Nun erscheint zum Schluss aber auch „der Sohn". Voll Tatkraft und Lebensbewusstsein übernimmt er vom ge­alterten Leben, vom Alten Mann, die Zukunft und währenddessen der Alte auf einen einzigen Wink des „Schnitters" zu Boden sinkt, richtet sich die Jugend hoch auf und sagt : „Leben well ik, leben Un mi ni geben. Un wat kummt, dat kann kamen. Amen". Eine leise, wehmütige Stimmung herrscht in den Werken der „allegorischen Einzelbil­derreihe" der Totentänze und die Grundlage dieser Totenlanzart bilden die symbolisch-alle­gorischen Szenen, in denen die holbeinartige Darstellungsweise des „Everyman-Todestanzes" weiterlebt. In die Gruppe der Totentänze der allego­rischen Einzelbilderreihe liesse sich auch der Duller-Totentanz aufnehmen, aber ich bringe ihn im Zusammenhange mit der Tragödie von Ma­dách, damit ich auch auf diese Weise den Toten­tanzcharakter dieses bedeutenden ungarischen Werks umso anschaulicher beweisen kann. VI. Die historische Einzelbilderreihe 1 Auf dem Realisierungswege der Totentanz- Jahre 1679 wütende Pest, ein Ereignis, das motive entfaltete sich schon im Barockzeitalter der Verfasser und seine Leser gleichzeitig mit­eine ganz eigenartige Form der Totentanzreihe, erlebt haben. Die Pestzeit ist noch nicht vor­weiche schon bei Abraham ä S. Clara zu dem über, als das Werk „Merk's Wienn" erscheint, reichen, alltäglichen Leben in einer engeren Der Rahmen dieses realen Totentanzes ist eine Beziehung stand. Standesaufzählung. Die Lehren richtet der Ver­Abraham á S. Clara, der Augustinermönch fasser nicht an einen Standesvertreter, sondern Ulrich Megerlin, wurde bisher meistens nur als in Mehrzahl an Alle : Merk's Wienn 1 — ein erstklassiger Volksprediger gewürdigt, der Merk's Mensch 1 — Merk's geistlicher Herr I — durch die Unmittelbarkeit des Stils und durch Merk's gelehrter Herr 1 — Merk's Soldat 1 — seine possenhaften, humorvollen Bemerkungen Merk's Jungfer 1 — Merkt's Eheleut 1 — Merk's die höchste Popularität genoss. Dieser grosse reicher Mann I — Merk's Welt 1 — Es is selbst­Volksprediger war eine wahre Dichterseele. Die verständlich, dass diese Standesreihe mit dem alten Motive des Totentanzes mit der zur Reali- mittelalterlichen Totentanz wenig zu tun hat. tät näher stehenden Weltauffassung der Zeit- Am Ende folgen noch einige lehrhaften Kapitel : genossen in Gleichgewicht zu bringen, die To- „Die Anzahl der Verstorbenen zu Wien, mit desgestalt, welche manchmal nur zur seichten beigefügter Ermahnung an die Lebendigen". — Allegorie herabsank, mitten in das reale, ins „Was man in der Wienstadt über die Kranken wahrhaft selbsterlebte Leben zu zaubern, das und Pestirten für eine Obsicht getragen, und vermochte nur ein Dichter. Der Kern jener To- wie selbigen zu Seel und Leib möglichst sey tentänze, die vor Abraham ä S. Clara erschie- beigesprungen worden". — „Eine kurze Ermah­nen sind, war eine Fiktion, u. zw. auch in jenem nung an die Wiener, was Dank sie sollen der Falle, wenn diese Fiktion das Leben darstellen allerheiligsten Dreifaltigkeit abstalten, wie auch sollte. Die Grundlage der Werke „Merk's Wienn" der verstorbenen Freund nicht vergessen". Das (1679 ; „aufgeputzter Tod"), „Lösch Wienn" Kapitel „Merk's Mensch" hat zwei lehrhafte (1680) und „Die grosse Todtenbruderschaft" Zusätze : „Ob der Tod gewisse Vorboten nach (1681) von Abraham á St. Clara ist keine Fik- Wien geschickt, und sie seiner Ankunft erinnert", tion, keine Vision, sondern die in Wien im „Umständige Erzählung des Tods zu Wien, und der traurigen Zeiten". — Das Werk „Merk's 1 Tab. B. Ia. 3 + II. ab. 5. Wienn " also ist eine Geschichte der Wiener

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