KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

schrocken und schrieb weiter, indem er den Jünglingen zurief : Nun macht einmal dem Spass ein Ende I Er glaubte fest, dass die Seelen der Toten im Nichts aufgegangen waren. 1 Die Jüng­linge stellten sich also die Erscheinung der To­ten in der Form des Tanzes vor. Im XVI. Jahrhundert war die Volksan­schauung vom Tanz im Kirchhof in Zürich noch allgemein bekannt. 2 Auch das Motiv des „Zu-Tode-Tanzens" hängt mit dem nächtlichen Tanz der Toten zu­sammen. Ist die Auffassung vom nächtlichen Tanz der Toten allgemein indogermanisch, so muss auch jenes „Kirchhofsspiel" der Araber bei allen indogermanischen Völkern bekannt gewe­sen sein. Schon jene Jünglinge, die dem Demokrit von Abdera durch ihre Masken eine Furcht vor den Toten einjagen wollten, spielten ein solches „Kirchhofsspiel". Im Mittelalter war das Kirch­hofsspiel merkwürdigerweise sehr verbreitet. Schon bei den ältesten Völkern im Osten und Westen war es üblich eine Leichenfeier mit Schmaus und Tanz im Kirchhof, am Grabe des Verstorbenen zu halten. 3 Am meisten scheint aber dieser Gebrauch in Deutschland und in gewissen Beziehungen auch in Frankreich ver­breitet gewesen zu sein. (Näheres darüber s. im II. Bd.) Da sich dieses Kirchhofsspiel in den mei­sten Fällen heidnisch entartet hat, nahm auch die Kirche bald gegen ähnliche Gebräuche Stel­lung. In dem Pseudo-augustinischen Sermon 265 von Cäsarius, Bischof von Arles 4 spricht der Verfasser verächtlich über derartige heid­nische Festlichkeiten im Kirchhof, durch welche sogar die nächste Umgebung der Kirchen — d. h. der Kirchhof, der zu dieser Zeit noch aus­nahmslos unmittelbar als Vorhof der Kirche diente — entheiligt wird. Diese Tänze werden von Laien aufgeführt und manchmal auch mit lautem Gesang .begleitet. Cäsarius sagt: „Isti enim infelices et miseri homines, qui balationes et saltationes ante, ipsas basilicas sanctorum exercere non metuunt nec erubescunt, etsi chri­stiani ad ecclesiam venerint, pagani de ecclesia revertuntur, quia ista consuetudo ballandi de paganorum observatione remansit." Ebenso ur­teilt Chlodwig II., 6 der Papst Zacharias 744, — 1 Jacobitz : Luciani Samosatensis opera III. Lipsiae 1896, 116, Wieland: L. v. Samosata sämtliche Werke übersetzt v. W. I. Leipz. 1788, 189; Künstle: S. 104-105. - Ludovicus Lavater : De spectris, lemuribus et ma­gnis atque insolitis fragoribus variisque praesagitionibus, quae plerumque obitum hominum, magnas clades muta­tionesque imperiorum praecedunt. Genevae apud Eusta­thium Vignon 1580, S. 21. 3 Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde 3. 1893; S. 192 -6. 1896, S. 411. - K. Weinhold: Abhandl. d. Akad. d. Wiss. Berlin 1896, S. 17; s. das schlesische Spiel des Totentanzes bei Schwebel : Tod und ewiges Leben im deut­schen Volksglauben. Minden i. W. 1887, S. 199; 0. Schrä­der : Reallex. der idg. Altertumskunde, 1. Lieferung, Leip­zig 1917, S. 35, 127, 134; 2. Lieferung Berlin, Leipzig 1920. S. 335 ; Lucius-Anrich, Die Anfänge des Heiligenkults und die christliche Kirche. Tübingen 1904, S. 323, A. 2. 4 Migne, Patr. lat. XXXIX, 2239 : Lejay, Dictionnaire de Théol. cath. II. Paris 1905, Caesarius Arletanensis. 5 Synode von Chalon-sur-Saöne 650. und Bischof Odo von Paris im XII. Jahrhundert. Die Tänze wurden zu Ehren des hl. Johannes, des hl. Vitus oder des hl. Willibrord (Willi-Tanz) gehalten 6. Durch den Übertritt dieses Verbotes und als Folge der Exkommunikation — womit die Kirche die Entehrung der geweihten Stätten bestraft — wurde jene mittelalterliche Seuche, die „Tanzwut" erklärt, über welche im XI. Jahrhun­dert aus der Diözese Magdeburg zum erstenmal berichtet wird. Der Papst Eugen II. bestimmt : „ut sacerdotes admoneant viros ac mulieres, qui festis diebus ad ecclesiam (d. h. in den Hof der Kirche, der als Begräbnisstätte diente) oc­currunt, ne ballando et turpia verba decantando choros teneant ac ducant similitudinem paga­norum peragendo". 7 Auch Hinkmar von Rheims (t 882) verbietet die Entehrung des Kirchhofes und der Totenfeier durch Tänze : „ut nullus presbyterorum ad anniversariam diem . . . ali­cuius defuncti se inebriare praesumat, . . . nec plausus et risus inconditos et fabulas inanes ibi ferre aut cantare praesumat, nec turpia ioca cum urso vel tornatricibus ante se facere per­mittat". 8 An diesen sozusagen heidnisch-christlichen Volksgebrauch knüpft eine von uns schon be­sprochene Sage an, die schon im Frühmittel­alter entstand und über ein Kirchhofsspiel han­delt, das mit jenem arabischen Spiel „danse macabre" identisch zu sein scheint. Die Urform dieser Sage wird von William Malmesbury in seinem Werk „De rebus gestis Anglorum" (ca. 1 140) im 174. Kapitel des II. Bandes unter dem Titel: „De viris et foeminis choreas ducentibus" in einem fiktiven Brief eines gewissen Othber­tus zusammengefasst, der selber in jenem Kirch­hofstanz teilgenommen hat und mit den ande­ren gleich bestraft wurde, (s. darüber schon im II. Bd.) Noch eingehender wird die Legende in der Pariser Handschrift Paris Bibl. Nat. 18I08 9 6 Langlois : Essai historique, phil. et pittoresque sur les danses des morts. 1. 564 ff. auch Peignot, Douce. 7 S. die Bestimmungen der Synode in Laodicea und Zitate aus dem 193. Brief des hl. Gregorius Nas. bei Fr. Xav. Kraus: Realencycl. d. christl. Altertümer a. v. „Tanz". Über ähnliche Gebräuche in Deutschland : I. Ilg : Gesänge und mimische Darstellungen nach d. deutschen Konzilien d. Mittelalters. Urfahr 1906; in England: Liebermann. Arch. f. d. Stud. d. neu. Spr. 126., 180; in Frankreich : Jourdanne, Contribution au folk-lore de l'Aude L. Paris 1899, p. 3. 8 Weitere wichtige Stellen, die sich auf den Kirch­hofstanz beziehen : Augustinus : Migne Patr. lat. 38, Sp. 1415; Burchard von Worms: Migne 140, Sp. 964: Was­serschieben : Reginonis abbatis Prumensis libri duo de synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis. Leipzig. 1840. S. 180; Benedictus Levita: Monumenta Germaniae historica, Scriptores IV, S. 2 ; Caspari : Kirchenhistorische Anecdota. Kristiania 1883, S. 176, 188; Altdeutsche Blätter 1 1836, S. 62; s. auch die Abhandlungen über die unga­rische Ballade „Az ünneprontók" von Arany János 21. Juli 1877. Remekírók. 42 Bd. II. S. 186—88. von Binder Jenő, Zlinszky Aladár. Katona Lajos : Egyetemes Philoló­giai Közlöny XXIV. S. 20 ; írod. tört. Közlemények X. S. 283; Ethnographia XI. S. 297; Egyetemes Philológiai Köz­löny : XXIII. S. 954 ; Binder Jenő : Budapesti Szemle, im Oktober. 1924. 9 Hauréau : Notices et extraits de quelques manu­scrits lat. de la Bibl. Nat. Paris. 1892. VI. 39.

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