KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

erzählt. Auch hier werden die Vorgänge von jenem Osbertus beschrieben. Die Geschichte der Tänzer spielt sich in der Stadt Coleuze, in Sach­sen ab. Als Datum wird das Jahr 1021 ange­geben. (Über die „Tänzer zu Kölbigk" vgl. schon im II. Bd. GTT.) Auch der Teufel tritt manchmal in diesem Sagen als Dudelsackpfeifer auf und wird der Anführer des frevelhaften Kirchhofstanzes. 1 So wird aber auch der Tod in den Toten-Todes­Tänzen der Anführer der tanzenden Toten, mit denen er zusammenwirkend die Vertreter der Stände — wie einst der Teufel — in die Hölle zwingt. 2 Zwischen dem Toten-Tanz und der Oth­bertus-Legende besteht ein gewisser Unter­schied. Während im Toten-Tanz die Lebenden von jenen Toten abgeholt werden, die auf das Gebet Everymans aus den Gräbern steigen, sind die Tänzer der Othbertus-Legende nur lauter Lebende, unter denen nach der Auflösung des Zaubers einige sterben und die anderen am Leben bleiben. Dass der Toten-Tanz als Erweiterung der Gesamtlegende erst später mit dem Kirchhofs­tanz identifiziert wurde, das kann durch zwei bekannte Bilder bewiesen werden : Im Werke „Liber Chronicarum cum figu­ris et imaginibus ab initio mundi" (gedruckt im Jahre 1493 zu Nürnberg von Anton Koberger. Text von Hartman Schedel ; die Bilder v. Michael Wohlgemut und Wilhelm Pleydenwurff) wird auf fol. 264r zwischen den Kapiteln „De morte ac fine rerum" und „De extremo iudicio ac fine mundi" die Auferstehung der Toten beim Jüngsten Gericht ebenso dargestellt, wie in den Totenlegenden. Drei Tote tanzen ausgelassen und mit grotesken Bewegungen um ein offenes Grab, aus dem sich ein vierter Toter erhebt. Links steht ein fünfter Toter und spielt auf ei­ner Klarinette zum geisterhaften Tanz wild auf. 3 Hier haben diese Toten eine ebenso allgemein menschliche Bedeutung, wie die Totengestalten des Toten-Tanzes, die den Tod vertreten. Die enge Beziehung zwischen dem spä­teren Toten-Tanz und der Sage vom Kirchhofs­tanz ist auf dem Holzschnitt von Joh. Jac. Ri­dinger auffällig. Joh. El. Ridinger 4 (excudit Aug. Vindel) hat auf dem Einblatt (63+48 cm) eigent­lich die Legende vom Kirchhofstanz mit dem 1 Sébillot P. Contes populaires de la Haute Bretagne I. 305.; Hunt Popular Romances of the West oi England. 2 Eine weit entlegene Variation wird von A. Schal­ler —Donauer: Schweizer Volkskunde, 1923, 19 mitgeteilt; Im Flecken Schwyz tanzen zwei Masken, ein Blätz und ein Drapoling durch die Strasse, als ein Geistlicher mit dem Allerheiligsten zu einem Versehgang eilt. Der Blätz nimmt sofort seine Maske herunter und kniet nieder, wäh­rend der Drapoling weiter tanzt und in einer Mühle ver­schwindet. Niemals ist er von jemandem gesehen worden, aber lange Jahre hörte man in der Mühle das „Groll". Auch Caesarius de Heisterbach (t 1240—1250.) Dist. IV. II. erzahlt von spottenden Tänzern, die an einem Peter­Paul Tage den die Messelesenden Geistlichen störten. 3 Langlois : Essai sur les Danses des Morts pl. XXVII. vol. II. 76. Das Bild s. im II. Bd. GTT. 4 Geb. 1695 in Ulm und gest. 1767 zu Augsburg. Toten-Tanz erweitert. Elf Frauen tanzen in einem Kirchhof um ein Grab. Plötzlich steigen aber elf Tote aus ihren Gräbern und tanzen mit den elf Frauen so lange, bis sie alle tot sind. In den Randbiidern werden von denselben Toten auch alle Stände der Welt in den Tod getanzt. Das Blatt zerfällt in zwei Teile. Im inneren Bild wird in der Mitte der Tanz der 9 oder 11 Frauen mit e­bensoviel Skeletten dargestellt. Uber diesem Bild steht die Aufschrift : 6 „Der Todt Christi zu nicht hat gemacht / Den Todt und S (?) leben wider bracht." Unter dem Bilde des Kirchhofstanzes steht: „Den Todt und ewig höllisch pein/ Hat verursacht die Sünd alein." In den vier Ecken des Mittelbildes: 1. oben links: Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. 2. oben rechst : Das Jüngste Gericht. 3. un­ten links : Adam und Eva im Paradies. Der Sündenfall. Die Schlange am Paradies-Baum. 4. unten rechts : Die Hölle. Der Teufel mit einer Axt bewaffnet. Diese mittlere Dar­stellung wird von zwölf Totentanzbildern eingerahmt. Oben vier Totentanzszenen: 1. Papa: Nec infulae parcit quidem mors triplici. (München : Des Pabst gewalt / den todt nicht halt.). 2. Imperator: Mundo imperas, sed mors tibi. (Key­ser : Das Haupt der weit / dem Todt heimfeit.) 3. Rex : Mors sceptra ligonibus aequat. (Kenig : Das Haupt ge­krönt / der Todt nicht schont.). 4. Cardinales : Et purpura­tos saeva mors rapit patres. (Cardinal : Den Cardinal / ich auch hin hol.). Zur rechten Seite zwei Bilder : 5. Epi­scopus : Et episcopalis mitra juris est mei. (Bischoff : Bi­schoff Bader zumal , kompt in mein zahl.). 6. Dux Meu(s) est in ipsos principatus princeps. (Hertzog : Seyst Herr oder Fürst / dem Todt zletz wirst.). Unten vier Bilder von rechst nach links : 7. Comes : Comites et ipsos comito in­visus comes. (Graf : In Graaffen und Knecht / der dodt hat recht.). 8. Nobilis : Nobilis haud quisquam mortem effusit (effugit) etiam. (Edelmann : Kein Edel geblut / vom Todt behüt.). 9. Civis : In civitatem mortis omnes cogimur. (Bur­ger : Kein Mensch hie hat / ein bleibend stat.) 10. Rusti­cus : Contra vim mortis non est medicamen in hortis. (Baur : Der Baur auch mus / unders Todes fuss.). Links zwei Bilder von unten hinauf: 11. Mendicus, Miles: Non tua virtus, non debilitas tua terret. (Kriegsmann, Bettler : Kriegsmann und Bettler / müssen daher.). 12. Stultus, ln­fans : lnsipiens, sapiens ad mortem aequo pede pergunt. (Narr und Kind : Kindt Narrn Zugelich / gehören in mein reich.) Auch ein anderes Bild war im Rosenthal­Antiquar ausgestellt mit ebenfalls neun tanzen­den Frauen und mit deutsch-lateinischer Auf­schrift. 6 Es sollen hier weitere germanische To tensagen besprochen werden, in denen das Mo­tiv des Tanzes ebenfalls vorkommt und die da­her auch mit dem „Toten-Tanz" verwechselt wurden. Zunächst die Sage von der Totenmes­se und vom Totenpriester. In solchen Kirchen, um die ein Kirchhof liegt, wird nach der Sage nachts Psalmengesang gehört. Die Toten des Kirchhofs sammeln sich in der Kirche und der in demselben Kirchhof begrabene Priester liest die Messe. Zwei Bür­5 In der Fassung, die i. J. 1925/26 im Münchener Rosenthal-Antiquar ausgestellt war, stand der hier mitge­teilte Text. 0 II. pl. XXV. S. 63 in Langlois : Essai historique philosophique et pittoresque sur les danses des morts par E. H. Langlois, accompagné de cinquantequatre planches, I —II. Bd. Rouen. 1852; Ein ungarisches Ölgemälde im Museum des Komitats Gömör in Rimaszombat, das aus dem Franziskanerkloster in Rozsnyó erworben wurde und ebenfalls die 9 tanzende Frauen, die vier Mittelbilder und die zwölf Totentanzbilder darstellt, wurde von Dézsi La­jos (A magyar haláltáncról) in der Zeitschrift Magy. Bib­liofil Szemle 1924. Budapest I. Jahrg. Nr. 1 S. 21 bespro­chen. Mit deutsch-ungarisch-lateinischen Aufschriften.

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