KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

III. Der Everyman-Todestanz

an seiner Stelle Jázmin stirbt. Jázmin soll aber nur dann iür ihren Geliebten sterben, wenn er sie betrügt. — Der Wagen fährt weiter. Der heilige Dominikus hat auch ein himmlisches Blumengeschäft. Er aber verkauft keine irdi­schen Blumen, sondern Sternenblumen. Diese sind nicht für Geld, sondern für gute Taten käuflich. Die Blumen der Jázmin sind verwelkt, Jancsi will also vom hl. Dominikus himmlische Blumen kaufen. Aber seine guten Taten hat der an Vitéz László verübte Mord vernichtet. Nur für die guten Taten der Prinzessin Angéla kann er viele Sternen­blumen bekommen. — Der Tod fährt schnell weiter. Bald ist Jancsi mit der Prinzessin Angéla im grossen Tanzsaal. Die Prinzessin will aber nur mit Vitéz László tanzen. Die­ser bekennt ihr seine Liebe, die so gross ist, dass sie alle Sterne des Himmels auf die Erde schaffen kann. Angéla will dies schwerlich glauben. László führt sie zum Fenster und zeigt ihr die vielen Sternschuppen, die in diesem Au­genblick auf die Erde fallen. Jancsi möchte es der Prin­zessin gern sagen, dass er die Sterne bestellt hat. Aber niemand kümmert sich um ihn. Die Prinzessin lässt László ihre Hand küssen und verlangt Musik. Viele spielen auf dem Klavier, aber der Prinzessin gefällt es nicht. Endlich schneidet Jancsi sein Herz aus seiner Brust und legt es in das Klavier. Da setzt sich plötzlich Vitéz László zum Klavier und spielt. Seine Musik gefällt der Prinzessin, da ja nicht er, sondern das Herz gespielt hat. Angéla lässt ihre Hand nochmals von Vitéz László küssen. Jancsi kann es nicht mehr sagen, dass sein Herz im Klavier so wun­derschön musiziert hat. Der Tod ruft ihn und er muss zum Wagen eilen. Jázmin sitzt schon am Wagen. László ist ihr untreu geworden und sie ist gern für ihn gestorben. Jancsi setzt sich auf das tote Pferd des Vitéz László. Aber das Pferd kann nicht von der Stelle. Da bemerkt der Tod, dass Jancsi kein Herz hat. Jancsi fällt vom Pferd und der Tod erklärt ihm, dass er ihn ohne Herz nicht mit sich nehmen darf. — Der Wagen des Todes ist verschwunden. Jancsi eilt in das Gasthaus zu seinen zwei Kameraden zurück, die ihn mit grossem Jubel empfangen. Alle drei trinken fröhlich und still und aus der weiten Ferne hört man eine wunderbare Musik, — das Herz spielt im Klavier. Wie im La Fontaine-Märchen, wünscht der Mensch auch in der Novelle von Ábrahám Ernő zu sterben. Der schwarze Wagen mit den schwarzen Pferden ist das Motiv der Totensa­gen. Der wilde Jäger fährt nachts auf einem schwarzen Wagen. Die hier auftretende Todes­gestalt ist also eigentlich der moderne „Wan­derer". Symbolisch sind : das Zechen mit dem Tod in einem Wirtshaus, das Anstossen mit ihm, die Unsterblichkeit des Todes, den man nicht erschlagen kann, das irdische und himm­lische Blumengeschäft, das Gespräch mit Jáz­min und mit dem hl. Dominikus, der Sternen­regen, das im Klavier singende Herz usw. Die Erscheinung des Todes ist reale Wirklichkeit, aber ihre Wirkung ist diejenige einer Vision. Jancsi, der sich in seinem Liebeskummer nicht zu helfen weiss, wird durch den Tod von sei­ner Liebe geheilt. Er hat die Untreue seiner Ge­liebten erfahren. Der Realismus des Todes be­siegt die träumerische Liebe. Wer aber sein Herz für das Unerreichbare hingibt, den verlässt der wahre, Realismus. Ähnliche ungarische Every man-Todestän­ze erschienen in den letzten fünf Jahrzehnten in grösserer Anzahl. Zu den symbolischen To­destänzen ist ein Gedicht von Margitay Tiha­mér zu rechnen, der schon in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den all­gemein menschlichen Gedanken „Totentanz " nennt. In einem Gedicht von Pekry Károly zecht der Tod, wie bei Ábrahám. 1 Mehr holbeinartig ist das Totentanzlied von Vajda György } Ein charakteristisch symbolischer Todestanz ist das Gedicht von Ady : „Bolond halálos éj"d Der Dichter steht am Fenster und bewundert das Meer, die Berge. Im Rauschen der Wellen er­kennt er die Musik seiner eigenen Seele. In das weisse Zimmer dringt der sinnliche Geruch der Mimosen. Der feurige Glanz des Mondes ver­silbert die im Windsturm davonjagenden Wel­len. Der Dichter zieht sich schnell an und will in diese wunderbare Welt eilen. Er öffnet die Zimmertür — und vor der Tür steht der Tod — Das Gedicht ist symbolisch zu deuten. Der Mensch bewundert durch das „einzige, klirren­de Fenster" seines Körpers die Pracht der Welt, das Meer des Lebens, die hohen Berge und den feurigen Himmel der ewig menschlichen Sehnsucht, die ewig erhabene Ideenwelt Diese Welt zieht an, sie lockt, das „Zimmer" zu ver­lassen. Aber erreichbar ist sie nur durch den Tod. Im Gedicht „Am Abgrund" von Otto OerteP ergreift der Tod den Dichter und stellt ihn auf den Rand eines Abgrunds. Dieser Ort hat eine symbolische Bedeutung. Der Dichter muss Frau und Kinder verlassen und der Tod will ihn in den Abgrund stossen. Er muss sich auf den Tod vorbereiten. Er betet zu Gott und sein Fle­hen wird erhört. Gott gibt ihm sein junges Le­ben wieder und er kehrt zu den Seinen zurück. 3. Die Everyman-Todesgestalt und der Everyman-Dialog im Rahmen der historischen Wirklichkeit 5 Die Realisierung des Everyman-Todes-Tan­zes beginnt in den Trauerliedern, in den sog. Klageliedern, in denen eine historische, allge­mein oder örtlich bekannte Persönlichkeit mit dem Tod spricht, sich von seinem Land, von seiner Familie, seinen Verwandten, Freunden, Geliebten verabschiedet. Diese Lieder wurden gelegentlich der Beerdigung der im Liede spre­chenden Persönlichkeit gesungen. In ihnen wer­den die Eigenschaften, Wünsche, Verhältnisse des Menschen auf die Gestalt des Todes bezogen. Unter dem Titel : ..Der sterbende Korpo­ral" ist ein niederländisches Klagelied mit dem Anfang : „0 hemel, ik bespeur" bekannt, das sich in einem Amsterdamer Liederbuch aus dem J. 1793 befindet. 7 Dieses Begräbnislied, das 1 vgl. weiter auch Gedichte von Babits Mihály. Fo­dor Dezső, Miklós Jutka und Farkas Imre. 2 Zeichnungen von W. Gyenes Gitta. 3 1909, Monaco ; Válogatott versei. Budapest. 1921. S 122 ; „Eine törichte Todesnacht". 4 geb. 1872 ; Kluge : Auswahl. S. 453. 6 Tab. B. 1. a. 2 + II. 4. 7 Dieser Text wird von Joh. Bolte mit „A" bezeich­net : „Der sterbende Korporal". Zeitschr. des Ver. f. Volks­kunde. Jg. 26. 1916. S. 178. Bolte erwähnt auch eine öster­reichische. eine französische Version und drei deutsche Varianten : B, C, D, E. Endlich eine schwäbische Fas­sung F.

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