KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
III. Der Everyman-Todestanz
- 124 teilweise wörtlich in einem Liede über Andreas Hofer und über seinen Tod wörtlich wiederholt wurde, 1 fand grosse Verbreitung. Der Korporal, den der Tod holt, ist ein 22-jähriger Jüngling, der gebürtig aus Hessen, in Amerika, vielleicht in Surinam oder in Niederländisch-Guayana gedient hat, die Stelle eines Korporals bekleidete und als Dirigent von Ballmusiken, durch die Mitwirkung bei Konzerten und Opern (14. 15. Str.) grosse Beliebheit errang (20. Str.). Auch die schöne Melodie des Textes hat Bolte veröffentlicht. Inhalt: 1—2. Strophe: Der Korporal, vor dessen Tür der Tod steht, lieht um Aufschub seiner Sterbestunde. 3. Str. Der Tod erklärt ihrrtf dass er dringend einen guten Musiker benötigt und deswegen der Korporal so schnell in das Reich der Toten gerufen werden muss. 4. Str. Der Korporal meint, dass sein Alter noch nicht die Zeit des Todes sei. Als junger Soldat möchte er noch ein langes Leben wünschen. 5. Str. Der Tod fürchtet sich aber von einem Soldaten nicht, Gewehr und Schwert sind schwache Waffen gegen ihn. 6. Str. Der Korporal will noch nicht sterben, da er gerade jetzt auf ein Avancement wartet. 7. Str. Der Tod nimmt Auszeichnungen und Uniform weg. 8. Str. Der Korporal möchte wenigstens noch so lange leben, bis er Feldwebel wird. 9. Str. Aber der Tod gibt keinen Pardon, wenn sein Gegner auch ein Baron ist. 10. Str. Der Korporal fühlt, dass seine Krankheit tödlich ist und sendet einen Kurier zu seinem Vater nach Hessen. 11. Str. Der Tod beruhigt ihn, dass er auch hier in Amerika eine gute Gesellschaft haben wird. Im Kirchhof der Stadt liegen viele Soldaten. 12. Str. Der Korporal ruft den Arzt, der ihn vielleicht durch Aderlassen retten könnte. 13. Str. Der Tod lässt aber dem Arzt keine Zeit zum Aderlassen. „Es ist schon kommandiert / Ein ganz Plotton Soldaten ; / Die sollen" dem Korporal „vorab / Drey Salve thun ins Grab . . .". 14 — 15. Str. Der Korporal verabschiedet sich von Amerika (15. von seinen weiblichen Bekannten), und 16. Str. von seinen Freunden (18. von seinen Waffen). 17. Str. Der Korporal wandert mit Freude ins ewige Leben. 18. Str. Grabschrift. — Die Eigenschaften des Korporals werden auf den Charakter des Todes übertragen und so wird der Tod zur Personifikation des Lebens. Der Tod braucht einen guten Musiker, ist selber der beste Soldat, er ist der beste Arzt. Wer mit ihm in das Jenseits wandelt, der bedarf keines irdischen Avancements, er ist durch den Tod avanciert. Aus dem XVIII. Jahrhundert sind noch mehrere Leichenlieder bekannt : Fürsten, Könige sprechen mit dem Tod. Nach dem Tod Ludwigs XIV. entstand i J. 1715 ein Leichenlied, in dem Ludwig XIV. mit dem Tod spricht. 2 In einem Liede aus dem Jahre 1725 ist der Zar, Peter der Grosse, 3 in einem Gesang aus 1737 Fürst Eugen,* in einem Gedicht aus 1740 ist Karl VI. 5 und endlich in einem Gedicht aus 1780 Maria Theresia 6 das Opfer des plötzlich erscheinenden Todes. Diese Lieder sind meistens Variantendes schon besprochenen Leichengesanges vom sterbenden Korporal. Sie sind Everyman-Dialoge einer historischen Persönlichkeit mit dem Tod. In der späteren Totentanzliteratur ist diese Dichtungsart durch viele Gedichte belegbar. Bei Bechstein tritt der Tod im Rahmen einer geschichtlichen Szene auf : Gedicht 6. 7. 19. 20. 29. 30. 31. 32. 33. 40. Bechstein erwähnt (1831) sogar Napoleon und Goethe. In der „Tragödie des Menschen" von Madách spricht der Tod in der 7. Szene mit Tankred. Auf einer Karikatur von Pillotel aus dem Jahre 1870 treibt der deutsche Kaiser den Tod, der sich wegen seiner vielen Wunden kaum schleppen kann und mit einer zerbrochenen Sense, mit seinem zerquetschtem Arm umsonst um Gnade und Nachsicht fleht, wieder auf das mit Toten und Ruinen bedeckte Schlachtfeld.' Auf einem Bilde von I. Leech erscheint am Sterbebett des Zaren Nikolaus I. der Tod als ein deutscher Soldat verkleidet. 8 Die politischen Verhältnisse in Belgien werden von Brandt auch in der Gestalt des Todes charakterisiert. Der „Liberalismus" liegt auf seinem Sterbebett und die Jesuiten, die sich an dem Sterbebett versammelt haben, schreiben das Testament des Liberalismus. Vor der Tür des Krankenzimmers steht der Tod als ein Legionär verkleidet, klopft an und wartet nicht auf das „Herein". Seine Sense ist der „Sozialismus". 9 Auf einer Darstellung von Joh. Braackensiek erscheint zur Zeit des Burenkrieges der Tod als der Staatsmann Chamberlain verkleidet und meldet der Königin Viktoria die ersten Gerüchte von einem Fiasko der ersten Zusammenstösse. Die Königin wäscht in Unschuld ihre Hände. 1 0 Unter dem Titel : „Die zwei Könige der Schrecken hat Thomas Rowlandson die Niederlage Napoleons am Schluss der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) dargestellt. Während der Schlacht sitzt Napoleon auf einer Heertrommel. Ihm gegenüber sitzt der Tod auf einem Kanonenlauf. Vor ihnen liegt das zerbrochene Zeichen des römischen Adlers. 11 Auf einem Bilde von Knut Hansen macht der Tod einer modernen Dame den Hof. Der Tod hat sich als ein moderner Lebemann verkleidet. Mit Zilinder und die Zigarette rauchend führt er die Dame am Arm. 1 2 Hier tritt der Tod nicht mehr mit einer historischen Persönlichkeit auf, wohl aber in moderne Verhältnisse versetzt. Auch in einem Gedichte von Baudelaire spielt der Tod den reichen Lebemann. 1 3 Bei Liliencron hat der Tod eine moderne Waffe, die Bombe (Der Blitzzug). Auch im Weltkrieg wurde die Erscheinung der Todesgestalt modernisiert. In einem Gedicht von Radványi Kálmán („Haláltánz", Todestanz), welches er auf den Tod des deutschen Fliegers Bölcke schrieb, fliegt der Tod auf einem Flugzeug durch die Welt. Der Propeller besteht aus zwei Sensen. Im 6. Gedicht von Falke fährt der Tod auf einem FahrS. 264. 1 Kohl : Echte Tiroler-Lieder. 1899. Nr. 185. 2 Ditfurth: Hist. Volkslieder von 1648 bis 1756. 1871. 3 Ditfurth : S. 285. 4 Ditfurth : S. 289. 5 Schlosser : Volkslieder aus Steiermark. Nr. 255. 6 Schlosser : Nr. 259 7 Fuchs 8 Fuchs 0 Fuchs 1 0 Fuchs 1 1 Fuchs : Fig. 182. 1 2 Fuchs : Fig. 424. 1 3 Elek Oszkár Karikatur. S. 240-1. S. 269. vgl. hier Taf. LV. Fig. 4. Fig. 361. Fig. 490. vgl. hier Taf. LXXIV. Fig. 4. vgl. hier Taf. XXIV. Fig. 1. Athenaeum. 1909. S. 163,