KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
III. Der Everyman-Todestanz
- 122 Betlrand und isst lm Hintergrund steht seine alte Frau. 1 Ausser dem Grimm-Märchen stehen auch andere Erzählungen der Weltliteratur zur Todesgestalt in Beziehung. Im ..Moisasurs Zauberfluch" von Ferdinand Raimund tritt der Tod, ein böser Geist, Moisasur, im Rahmen eines ganz originellen und von den bisherigen unabhängigen Märchens auf, Motive der Gevatter-TodSage hat der Neffe Heines, Dr. Hermann Schiff in die Geschichte der Familie von „Todtenstein" aufgenommen. 2 In einem Totentanz-Sagengedicht von Ferdinand Freiligrath 3 wird das Märchen von Rotkäppchen und vom Wolf erzählt, aber Rotkäppchen ist das „Leben" und der Wolf ist der „Tod". Das Gedicht wurde duch eine Silhouette von Paul Konewka angeregt: Rotkäppchen mit dem Wolf auf einer aus Ästen gebildeten Verzierung stehend und Blumen pflückend. 4 Für die wahre Weltanschauung des modernen Totentanzes ist das Märchen von Jean de La Fontaine 5 besonders charakteristisch : „Der Tod und der Holzhacker" . 6 Der Holzhacker legt im Wald das Bündel Holz, das er geschnitten hat und ermüdend nicht weitertragen kann, auf die Erde. Er denkt über sein jammervolles Leben nach und seufzend wünscht er zu sterben. Da aber erscheint unerwartet der Tod : „Warum hast du mich gerufen ?" — fragt er mit finsterem Gesicht Aber der Holzhacker will es aus Furcht nicht eingestehen, dass er den Tod wirklich deswegen gerufen hätte, damit er seinem jammervollen Leben ein Ende mache und sagt : „Ich habe dich nur deswegen gerufen, damit du mir hilfst, dieses Bündel Holz auf meinen Rücken zu heben." Die Lehre des Märchens ist : „Le trépas vient tout guérir; Mais ne bougeons d'oü nous sommes : Plutöt souffrir que mourir, C'est la devise des hommes " In einem achtzeiligen Gedicht von Karl Friedrich Drollinger : „DerBettelmann und der Tod" 7 wirft der Bettler seine Krücke in den Rhein und ruft den Tod herbei, damit dieser ihn tötet. Der Tod erhört mitleidswoll seine Bitte ' E. Fuchs : Die Karrikatur der europäischen Völker. Berlin. 1903. 1. 1901. S. 56-57. Vgl. hier Taf. XXIV. Fig. 2. 2 Märchennovelle aus dem J. 1838. 3 „Neue Gedichte" 1877. 4 Der Urdruck des Gedichtes : „Zerstreute Blätter" von Paul Konewka 1873. 5 8. Juli 1621. - 13. April 1695. 6 Fables. 12. Buch. 1668 — 95; ung. Ubersetzung Jakab Ödön : I.a Fontaine mesék. Budapest. 1921. S. 52. La Fontaine. Fables fr. Ausgabe in Ungarn Fr. kvt. 20. S. 20. La Morl et le Bücheron. Budapest. 1903. 7 P. Legband: Deut. Literaturdenkmäler des 17. und 18. Jahrhunderls bis Klopstock. I. Lyrik. Leipz. 1908. Samml. Göschen Nr. 364. S. 106—107. Gedichte, Basel, 1743. Fabeln. S. 138 von Drollinger. und erscheint. Aber der Bettler erschrickt und ersucht den Tod, seine Krücke aus dem Wasser zu holen, denn es ist ihm ein mit Krücken unterstütztes Leben lieber, als ein ruhiger Tod. Das Lafontaine-Märchen wurde von J. W. L. Gleim frei ins Deutsche übersetzt : „Der Greis und der Tod." 8 Eine ungarische Bearbeitung des Lafontaine-Märchens aus dem XVIII. Jahrhundert befindet sich auf S. 494—97 der Handschrift Miscellanea hung. N. 10200 A. B. der fürstlichen Bibliothek in Kismarton (Eisenstadt, Burgenland) unter dem Titel „Elet-Szerelés" („Die Liebe zum Leben"). Auch in einer ungarischen Ballade wird von einem Holzhacker erzählt. 9 Bács Jancsi geht in den Wald, ohne zu ahnen, dass hinter ihm der Tod steht, als er einen mächtigen Baum fällt. Der Baum fällt um und wirft den Holzhacker auf den Boden. Dieser möchte sich vom schrecklichen Druck des mächtigen Holzstammes befreien, aber der Tod drückt ihn nieder und lässt ihn nicht mehr entkommen. in der Novelle von Abraham Ernő: „Jancsi és a rém" w wird Jancsi, der mit seinen zwei Kameraden in der „Mondschein"-Gastwirtschaft zecht, vom Tod abgeholt, da er in seinem Liebeskummer zu sterben gewünscht hat. Ein schwarzer Wagen mit vier schwarzen Pferden bleibt vor dem Gasthaus stehen und der Kutscher klopft. Der Wirt will öffnen, schaut durch die Spalte der halb geöffneten Tür hinaus, haut aber die Tür sofort zu und versteckt sich unter dem Tisch, da er ein furchtbares Gespenst in der Gestalt eines Skeletts gesehen hat. Das Gespenst stösst die Tür auf und tritt in das Gastzimmer. Die Kameraden [allen mit ihren Stöcken über ihn her, aber der Tod lacht über ihren Eifer. Ein Gespenst kann man nicht erschlagen. Nach längerem Wortwechsel schliessen die drei Jünglinge mit dem Tod innige Freundschaft. Das Gespenst ist gekommen, um Jancsi zu holen. Bevor aber der Tod weiterzieht, muss er mit den drei Kameraden anstossen. Der Tod ruft den Wirt und nachdem dieser wieder hervorgekrochen ist, versichert er ihm „aus lauter Dankbarkeit", — denn die Wirte sind ja die besten Diener des Todes, — dass er ihn diesmal nicht töten will. Alle trinken fröhlich, nur dem armen Jancsi tut das Herz weh. Der Tod fordert ihn auf, sich in seinen Wagen zu setzen, dann wird ihm sein Herz nicht mehr weh tun. Jancsi will den Tod nur unter jener Bedingung begleiten, wenn der Tod ihn unterwegs zu seiner Geliebten führt, zur Prinzessin Angéla. Der schwarze Wagen fährt ab. Das Herz des Geliebten tut noch immer weh. Vor dem Blumengeschäft des Fräuleins Jázmin lässt Jancsi den Wagen anhalten. Es ist Mitternacht, aber das Mädchen ist auf und öffnet das Geschäft, weil sie ja ihren Geliebten erwartet, dessen Besuch Jancsi angemeldet hat. Jancsi hat kein Geld. Jázmin aber gibt ihm aus Dankbarkeit für die gute Nachricht alle roten Rosen. Jancsi tritt soeben aus dem Geschäft, als der Geliebte, Vitéz László ankommt. Dieser verdächtigt Jázmin, dass sie im geheimen den Jancsi liebt. Die beiden Jünglinge duellieren und Jancsi ersticht seinen Gegner. Nicht einmal der Tod kann den Vitéz László vom Tod retten. Sein Leben kann ihm sogar auf die Bitten der Jázmin nicht zurückgegeben werden. Auch Vitéz László muss dem Tod folgen. Auf dem Wagen ist kein Platz mehr für ihn. Der Tod berührt mit seiner Sense das Pferd und dieses sinkt tot nieder. László wird auf das tote Ross gesetzt und der Tod will ihm sein Leben nur dann schenken, wenn 8 Fab. Aesop. 20. l a Fontaine. Fab. 16.; Gleim's sämmtliche Werke hg. Wilhelm Koerte Halberstadt. 1811. Bd. 111. S. 313-314. 9 „Bács Jancsi". Remekírók. Bd. 55. S. 28—29. 1 0 „Jancsi und das Gespenst" ; Nemzeti Újság, in den Nummern vom 17. 19. 20. 21. 22. April 1921.