KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
III. Der Everyman-Todestanz
gegen Gott vergebens kämpft : „Hier war es, hier, wo Du mich niederwarfst ..." Christus hat ihn durch den Kjeuztod besiegt und hat die Menschen wieder für das ewige Leben gewonnen. Aber der Tod will diesen verfluchten Kampf nicht aufgeben. Uberall, wo Christus der Seele das Leben spendet, dort will er dem Körper den Tod schenken. Hat sich der Herr, der Heiland, als ein armer, dürftiger Mensch verkleidet, so will er jetzt auch die Gestalt eines Menschen aufnehmen und die ahnungslosen Menschen in der üblichen Menschengestalt, in der bekannten Kleidung eines Standes erschleichen. Die Menschheit soll auf die Probe gestellt werden. Der Tod will es erfahren, ob die Menschen sich vor ihm mehr fürchten, als vor Christus. Erverkleidet sich als Kardinal und besucht den Papst. Dann setzt er sich auf einen Haufen Knochen der Könige und Fürsten, die im Leben gegen einander gekämpft und jetzt vom Tod besiegt den Krieg vergessen haben und in der Erde friedlich neben einander liegen (9. Gedicht von Bechstein). Nachdem der Kaiser seine Frau zum Henkertod verurteilen Hess (10. Gedicht von Bechstein), stellt sich der Tod unter den Galgen und hält eine Rede an das Volk. Jeder Mensch muss die Macht des Todes erkennen, gut oder schlecht, gekrönt oder bekränzt, Der Tod ist der Tyrann der Nacht und des Tages. Vor seiner Sense beugen sich die Menschen, wie das Unkraut. Nachdem er den Abt getötet hat (14. Gedicht), geht er in das Irrenhaus, legt sich Narrenkleider an und singt ein Narrenlied mit dem Refrain : „Und ich bin der König 1" Seine Krone ist aus Stroh. Er ist mit seiner Macht und mit seinem Thron zufrieden, da er die grössten Herrscher mit einem Schlag vernichten kann. Seine Wohnung ist die ganze Welt und jeder, der ihn sucht, kann ihn finden. Er fliegt im 20. Gedicht von Bechstein auf eine Felseninsel und spricht über die Zukunft und über die Leiden eines grossen Mannes (Napoleon), der einst hier enden wird, obwohl erein guter Diener des Todes war. Im 25. Gedicht setzt er sich auf der Landstrasse nieder und beklagt sein trauriges Amt und seine tragische Vergangenheit. Die Zeit verändert alles, nur er muss immer derselbe bleiben. Im 29. Gedicht sieht er die ägyptischen Mumien und spricht über die Vergänglichkeit der Macht und der Schönheit. Im 31. Gedicht durchwandert er auf dem Wrack eines vernichteten Schiffes schwimmend die Meere und denkt an jene Toten die er in das Wellengrab gestürzt hat. Im 41. Gedicht steht er beglückt am Ufer des Toten Meeres und erzählt mit Wollust den Untergang der berühmten zwei Städte (Sodoms und Gomorrhas) und den Tod so vieler Menschen. Die Literatur der Todesmonologe ist sehr gross. Zuletzt will ich nur noch den echten poetischen Wert des Gedichtes : „Der Schwarze Tod" von Hermann Lingg betonen. Die Gestalt des Todes ist hier mit der „Pest" identisch, die in einem Monolog über die Menschheit triumphiert. 2. Die Everyman-Todesgestalt des EverymanTodestanzes im Rahmen der Volkssagen und Märchen 1 Alle jene Märchen, die in Bezug auf die Entstehungsgeschichte des Everyman-Todestanzes eine bedeutsame Rolle gespielt haben, können hier nicht erwähnt werden. Im weiteren berücksichtige ich nur das Märchen vom Tod und Cupido, die Sage vom Tod und Achasverus, das Märchen vom „Gevatter"-Tod, sowie die märchenhafte Szene zwischen dem Tod und dem Holzhacker (La Fontaine). Sehr verbreitet ist das Motiv des „Zu-Tode-Tanzens". Weniger bekannt ist eine lübische Sage. Das Gedicht : „Der tot mit Cupidone" von Hans Sachs 2 bearbeitet das Märchen vom Tod und von Cupido (Amor). Der Tod verlangt in einem Gasthaus ein Zimmer. Der Gastwirt zeigt ihm das einzige Zimmer, das in dem überfüllten Gasthause noch frei ist. Der Tod ist zufrieden und hängt seinen Köcher auf einen Rechen und legt sich zu Bett. In demselben Zimmer steht aber noch ein zweites Bett. Kaum ist der Tod — von der schweren Tagesarbeit ermüdet — tief eingeschlafen, musste zufällig auch Cupido in dasselbe Gasthaus absteigen. Der Gastwirt hatte kein zweites Zimmer frei und führte Cupido in dasselbe Zimmer, wo der Tod sich schlafen gelegt hat und wo noch ein leeres Bett stand. Auch Cupido war zufrieden und hat seinen Schlafkameraden nicht einmal beachtet. Er hängte auch seinen Köcher mit den Liebespfeilen auf denselben Rechen und legte sich zu Bett. Früh morgens wachte der Tod zeitlich auf, sah nicht, dass er einen Schlafkameraden gehabt hat. Er zahlte und lief davon, da er eine sehr wichtige Arbeit fast vergessen hatte. In der Eile aber nahm er Cupidos Köcher mit sich. Seitdem lötet der Tod die Menschen mit den Liebespfeilen und Cupido mit den Todespfeilen : „Derhalb manch alter noch um liebe wirbet, dargegen mancher jüngling noch verdirbet, an der süszen wunden der Liebe sterbet." Eine Illustration dieses Märchens sah ich im Münchener Rosenthal-Antiquar (1925): Romantische Landschaft. Zwei mit grossen Bäumen geschmückte Felsenhöhen werden durch eine kleine Holzbrücke verbünden. Auf dem einen Felsen die Gastwirtschaft, ein kleines Haus. Vordem Felsen liegt Cupido und schläft, während der Tod mit seinem Köcher und mit seinen Pfeilen davoneilt, „inu Matthia Bril. Joa. Sadeler sculps". Mit einem lateinischen Text von A. Alciat: „Errabat socio Mors iuncta cupidine secum Mors pharetras, paruus tela gerebat Amor. Diuertere simul, simul una nocte cubarunl, Cecus Amor Mors hoc tempore ceca fuit. Alter enim alterius male prouida spicule sumpsit Mors aurata, tenet ossea tela puer." Durch derartige Sagenelemente hat die Gestalt des Todes im Rahmen des neuzeitigen Everyman-Todestanzes neue Eigenschaften erworben. Die Gegenüberstellung Amors und des Todes ist reiner Symbolismus. Aber dass der Tod mit den Pfeilen des Cupido seine Opfer tötet, das ist die Erneuerung eines sehr alten Motivs, welches für die Weiterentwicklung der modernen Todesgestalt ebenso bedeutende Fol 1 Tab. B. II. a. 3. 2 23. Febr. 1546; Deut. Dichter: Goedeke-Tittmann S. 194. Bibl. des Lit. Ver. zu Stultg. Bd. 150