KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

III. Der Everyman-Todestanz

-122­gen hat, wie für die Entstehung des mittelalter­lichen Todes (vgl. im Malerbuch von Athos). Mit einer sehr alten Sage wurde die Ge­stalt des Todes erst im vorigen Jahrhundert von Bechstein (1831) vereinigt. Im Totentanz von Bechstein wandert nicht nur der Tod durch alle Weltteile und Epochen der Geschichte, son­dern auch der „ewige Jude", Achasverus, sucht viele Jahrhunderle hindurch den Tod, der ihm auf Gottes Befehl aus dem Wege geht. Bechtsteins Wanderer, der mit dem „wilden Jäger" iden­tisch ist, wurde hindurch einen Fluch auf die Erde verbannt. Auch Achasverus kann die Erde nicht verlassen, er kann nicht sterben, er muss die ganze Geschichte der Menschheit miterleben. Achasverus ist hier im eigentlichen Sinne der „ewige Mensch", der die Erde nicht verlassen kann, gegen sich und gegen alles, gegen die Vergänglichkeit kämpfen muss, er ist „Every­man" oder „Adam". Im 7. Gedicht von Bech­stein begegnet Achasverus das erstemal dem Tod ; der Tod steht in Rom auf einer Mauer des Kolosseums und ergötzt sich an der Zerstö­rung der römischen Kultur, die er vernichtet hat. Da naht Achasverus und fleht um die Gnade des Todes. Aber seine Bitte wird nicht erhört, der Tod wendet sich ab und eilt davon, er kennt diesen Menschen nicht, da er noch keinen Befehl bekam, ihn zu töten. Wenn Bech­stein seinen Totentanz wirklich meisterhaft auf­gebaut hätte, so sollte Achasverus in jedem Ge­dicht, in jeder Einzelszene mit dem Tod auf­treten und alle Epochen der Geschichte per­sönlich erleben, wie im grossen, ungarischen Drama von Madách die Personifikation Every­mans, Adam, die Geschichte der Menschheit, Vergangenheit und Zukunft, persönlich miterlebt. Madách hat einzelne Gedanken des Bechstein­Totentanzes wahrscheinlich gekannt und bear­beitet, aber sein Werk ist gerade durch die Kraft der wahren Intuition und Invention eines grossen Dichters weit höher zu schätzen, als der Toten­tanz von Bechstein, dem die Einheit der Kom­position fehlt. Während der Teufel (mit dem Tod identisch) und Adam im wunderbaren To­tentanz-Drama von Madách, in der „Geschichte der Menschheit", in dieser herrlichen „Tragödie der Menschheit", alles persönlich erlebt, ver­schwindet „der ewige Jude" im Bechstein-To­tentanz und tritt erst im 47. Gedicht wieder auf. Er ist ein kranker, verlassener Greis, der den Tod umsonst ersehnt. Eine unschuldige Jung­frau aber betet für ihn und der Himmel erhört das Gebet der Unschuld und befreit Achasve­rus vom Fluch. Der Tod eilt herbei und tötet ihn. Sehr grosse Bedeutung hat für die Entste­hung der modernen Totentanz-Auffassung das Sa­genmotiv des „Zu Tode-Tanzens". Im moder­nen Totentanz von Maria Berde (1924) wird aus dem Todes-Tanz unter dem Einfluss des „Zu-Tode-Tanzens" ein „Lebens-Tanz". Das ganze Leben wird zu einem Tanz mit dem Tod. Im Leben tanzen die Menschen so lange auf die Musik des teuflischen Todes, bis er sie zuletzt tötet. Selbstverständlich war ja der To­des-Tanz im Mittelalter ebenfalls ein „Lebens­tanz", da doch der Tod mit den Vertretern der Stände auch im mittelalterlichen Totentanz erst getanzt hat und sie dann nach dem Tanze tötete. Der Tod tanzte also schon dort mit den noch lebenden Standesvertretern. Aber nach der mo­dernen Auffassung ist der Tanz nicht mehr das Symbol des Todes, sondern das Symbol des Lebens. Das Motiv des „Zu-Tode-Tanzens" ist uralt. Ausser den Angaben, die wir im Abschnitt über die Todes- und Toten-Sagen anführen, soll nur erwähnt werden, dass in einer ungarischen Ballade 1 das „Tanzen in den Tod" „Todes­Tanz", „haláltánc" genannt wird. In dieser Bal­lade treten weder der Tod, noch ein Teufel auf. Darvas Kis Kelemen ist in die schöne, aber stolze Sallai Kata verliebt. Gelegentlich eines Dorffestes will er das Mädchen zum Tanz füh­ren, aber das rein angezogene Mädchen will von dem einfachen Bauernburschen nichts wissen. Er ist schmutzig von der Arbeit, seine Kleider sind nicht so fein und sauber, wie die ihrigen. Kelemen kehrt gekränkt und beleidigt nach Hause zurück. Er wäscht den Staub vom Gesicht und zieht seine schönsten Kleider an. So kommt er in das Gast­haus und reicht dem stolzen Mädchen seinen Arm. Kata geht jetzt gern mit ihm. Sie tanzen anfangs ruhig, aber später wird ihr Tanz immer schneller, Kelemen lässt das müde Mädchen nicht los. Sie fleht und weint, aber sie muss weiter tanzen. Ihre zierlichen Füsse schwellen in die Stiefel und von Müdigkeit und Leiden fällt sie in Ohnmacht. Am nächsten Tag ist sie gestorben. Der „Tanz in den Tod" ist schon hier ein Lebenstanz. Der Teufel erscheint nicht, wie in der Ballade von Arany János „Az ün­neprontók", wo eine Gruppe von Bauern, vom Teufel in den Teufelstanz gezwungen und in die Hölle getrieben wird. Die Bauern haben das Kirchweihfest in einem Gasthaus, das in der Nähe der Kirche steht, mit ihrem Tanz entehrt. Um die Gestalt des Todes als eines Arztes hat sich ein interessanter Märchenkreis gebildet. Der Spruch „contra vim mortis non est medi­camen in hortis" wurde in Volkssagen verwen­det und der Tod wurde zum besten Arzte der Menschheit, der von den irdischen Trübsalen allein befreien kann. Auch von jeder Krankheit kann nur der Tod mit aller Sicherheit erlösen Den Greis und den Kranken tötet also der Tod nicht aus Hass, sondern aus Liebe und Mitleid. Gegen Alter und Krankheit ist der Tod die beste Arznei. Eine besonders merkwürdige lübische Sage wurde von Julius von der Traun in einer No­velle mit dem Titel „Verachte nicht den Tod" bearbeitet. 2 1 Endrődi Sándor : Magyar népballadák. Remekírók 55. Bd. S. 189. Budapest, 1906. 2 Hg. im Novellen-Buch : Wien. 1894. S. 267-284.

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