KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

III. Der Everyman-Todestanz

sehen von ihren Schmerzen befreit hat. Er ist auch ein Geistlicher, ein Ratgeber, ein Mörder usw. Das sind jene symbolischen Verhältnisse, in denen die Todesgestalt der Neuzeit auftritt, um hinter den Allegorien vollständig zu ver­schwinden. Im modernen Totentanz verdrängt das Symbol selbst die Gestalt des Todes. Da­bei kommen alte mittelalterliche Motive zur neuen Bedeutung. Auch bei Moeller ist der Tod in ein Weib, das er töten will, in die Königin verliebt. Der Mensch, in den sich der 1od ver­liebt, ist verloren. Seine Liebe ist unwidersteh­lich. Aus seiner Liebesumarmung kann sich der Mensch nicht mehr befreien. Der Tod reicht dem Menschen den letzten, den Todestrunk, er löscht die letzten Lichter aus, vielen nimmt er das irdische Licht und nur wenigen gibt er da­für das ewige Licht. Ein charakteristisches Sym­bol des Everymantodestanzes ist der Todeskuss. Der Tod tötet nicht nur durch Schwert, sondern auch durch den letzten Kuss. Er bringt aber auch die Maschine der Zeit zum Stehen. Das Rasseln der abgelaufenen Räder und gesprun­genen Federn ist nicht nur eine gute Gelegen­heit für eine Oper zur Tonmalerei, sondern ist auch ein richtiges Symbol des Todes. Auch der menschliche Körper ist ein maschinenartiges System, das durch den Tod — wie jene Uhr — zerstört wird. Wir können also feststellen, dass der Rah­men, in dem der Tod auftritt, in dieser Ent­wicklungsstufe des Everyman-Todestanzes aus Gegenständen allgemeinen Wertes und allego­rischer Bedeutung besteht, sowie aus Handlun­gen, die einen symbolischen Sinn haben. Der Dichter wählt ein indifferentes Geschehnis, das nur in Bezug auf die Todesgestalt symbolisch gedeutet werden kann. Der eigentliche Gegen­stand des Dramas von Moeller ist die Darstel­lung des Lebens in einer mittelalterlichen Burg zur Zeit der Pest. Diese Szenen aus dem Le­ben der Burgeinwohner sind an sich indifferent. Sie können aber auf den eigenartigen Charak­ter der Todesgestalt bezogen werden. Wäre der „schwarze Domino" nicht der Tod, sondern wirklich nur ein mittelalterlicher König, ein Rit­ter, der das Land und die Krone eines anderen Königs erwerben will, der sich in die Frau des anderen Königs verliebt, so würde das Drama von Moeller zu einen — für die Todesgestalt — bedeutungslosen mittelalterlichen Liebesdra­ma herabsinken, dessen Einzelmotive ihren sym­bolischen Wert verloren haben. Nur durch die Todesgestalt erhalten einzelne unbedeutende Geschehnisse ihren symbolischen Wert. Diese Dichtungsart ist durch die Nachah­mung der Holbeinbilder entstanden. Dichter und Maler haben unter dem Einfluss des imposan­ten Totentanzes von Holbein geschaffen. In der deutschen Literatur hat Hans Sachs die Ent­stehung des hveryman-Todestanzes durch ein Gedicht vorbereitet, in dem er wahrscheinlich das 50. („Die Braut") oder das 35. („Die Edel­frau") Bild des Holbein-Totentanzes mit einem Text versehen hat : „Die zway liebhabenden mit dem dot". 1 Das Gedicht ist ein Dialog der zwei Liebhabenden mit dem Tod". 2 Die Weise, wie H. Sachs dieses Thema bearbeitet, ist echt mittelalterlich, aber die Todesmotive haben hier schon das Reich der darstellenden Kunst ver­lassen und wurden in das Reich der Dichtkunst aufgenommen. In einem anderen Gedichte hat sich H. Sachs zwar noch immer an ein Hol­beinbild (8. „der König") angelehnt, aber der eigentliche Kern der Darstellung ist schon die Erfindung der frei waltenden Dichterphantasie. „Der wunderbare Traum. Vergänglichkeit des Irdischen" . 3 Das Gedicht ist die Darstellung eines Traumes. Im Traume erscheint der Dichter an einem sehr vornehmen Fest in einem „fürstli­chen sal". Tanz, Musik, vornehme Kleidung und Liebelei dienen zur vollständigen Charak­teristik dieses fürstlichen Festes : Z. 12-15: „ich sech darinnen Von adel ain fürstlichen dancz, Darin hört ich lawtrayssig gancz Hertrummel und trometten." Z. 25-26 : „Darunter sach ich manig par, Das mit liebe verstricket war," . . . Nach dem Tanz folgt ein grosses, fürstliches Mahl, währenddessen die Musik spielt und ge­sungen wird : Z. 43-45 : „Zw disch man fürstlichen hoffirt. Mit saitenspiel wol concordirt, Harpfen und claffe-zimel ..." Das Mahl endet mit Tanz („sumer-rayen"), Ge­sang („Die frawen . . . Ir rayen-lieder sangen".), Ritterspiel, Ballspiel, Zweikampf, Wettlaufen, Wettspringen, Maskentanz (ungarisch-slavischer „maruscadancz"), Lustspiel und Trauerspiel (Z. 67 : „auch kam ein rot, vermumet gancz . . ."). Ein Ritter hebt mit seiner Lanze soeben seinen Gegner aus dem Sattel, als der Tod in den Saal schleicht und mit seiner Sense alle Teil­nehmer des Festes tötet : Z. 79-84 : „In dem da schlich in sal der dot Nit ainer sensen scharffe, Met ab und auff ; Der dotten hauff Er auf ein hauffen warffe." Das Volk will sich retten, aber der Tod mäht alle nieder, die durch die Tür flüchten wol­1 Keller-Goetze. Hans Sachs. Bd. 22. S. 284. Lit. Ver. zu Tübingen 1870-1908. 3 Die zwai liebhabenden sprechen : „0 grirner dot, win kumbst so paid I / Wir sint der jar doch nit zw aid, . ." Der dot antwort : „Wolauf, wolauf, an meinen danz I / Helft eylient, das der ray weit ganz . . ." 3 1569. Jan. Ain Lied in eignem thon. Anfang: „Ein­mal lag ich in schlaffes-qual ..."

Next

/
Oldalképek
Tartalom