KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

III. Der Everyman-Todestanz

len. Der Dichter rettet sich mit einem Sprung durch das Fenster und wacht auf. 1 Die Erschei­nung des Todes auf einem Maskenball bei Moeller hat also Vorbilder. Auch bei H. Sachs tritt der Tod in einem Rahmen auf, in dem ein­zelne Geschehnisse zur Todesgestalt in allego­rischem Verhältnisse stehen. Der Gegensatz zwi­schen der lustigen Gesellschaft der Festgäste und der Erscheinung der tötenden Todesgestalt wird zu einem Symbol des „Menschenlebens". Aber auch ein anderes Motiv des Moeller­Dramas hat uralte Vorbilder. Der Tod ist in den Menschen verliebt, ja er verführt sogar die hüb­schen Mädchen. Schon im Epos „Erec" (Z. 5874), wo Enite glaubt, dass ihr Mann schon gestor­ben sei, bietet Enite ihre Liebe dem Tod an. Die Liebe des Todes zu den schönen Mädchen ist eine teuflische Eigenschaft. Manche Sagen erzählen, dass der Teufel mit schönen, aber sündhaften Mädchen auch geschlechtlich ver­kehren soll. Dieses Motiv wird auf einem Bilde von Nikolaus Manuel Deutsch (Basel) auf einer Skizze („Der Tod und die Dirne") auf den Tod übertragen. 2 Statt eines der vielen „Gäste" der Dirne, erscheint der Tod. Durch die Todesge­stalt erhält das Bild einen symbolischen Wert. „Eine Trossdirne wird von hinten vom Tod umfasst ; seine Hände suchen die Stelle, die beim Weibe der Austritt des Lebens, namentlich in jenen Tagen aber auch die Pforte des To­des ist" — so beschreibt Weber-Holländer das Bild. „Der schwarze Ritter" 3 von Ludwig Uhland ist auch in die „Jugend" verliebt und tritt in denselben allegorischen Verhältnissen auf, wie der „schwarze Domino" im Drama von Moeller. Dass der Tod „schwarz" ist, das kann ebenfalls als eine teuflische Eigenschaft betrachtet wer­den. Auch im vierzeiligen oberdeutschen Todten­tanz-Text sagt das Kind vom Tod : „Ein schwarzer man zeucht mich dahin". Im erwähn­ten Gedicht von Uhland tritt der Tod erst als ein unbekannter Ritter auf. Im Ritterspiel besiegt dieser Unbekannte alle seine Gegner. Vor dem Festmahl führt er die junge Tochter des greisen Königs zum Tanz. Sein Tanz ist teuflisch und schnell. Durch die Berührung des Todes ver­welkt der Blumenkranz am Haupte des jungen Mädchens, wie im Drama von Moeller der Kranz der Königin. Während des Festmahls trinkt der unbekannte Ritter, der Tod, auf das Wohl des jungen Sohnes und der schönen Tochter des Königs. Er reicht ihnen in einem Kelch den erquickenden Todestrunk. Den zwei Kindern graust es vor diesem unheimlichen Gast und beide sterben im Schosse ihres Va­ters. Für den klagenden Vater hat der Tod nur eine Antwort : „Greis 1 im Frühling brech'ich Rosen". Uhland vereinigt hier die verschieden­sten Todesauffassungen : Der Tod ist ein unüber­1 Dr. Julius Sehr : Deutsche Literaturdenkmäler des 15—16. Jahrhunderts. II. Hans Sachs. S. Göschen. Nr. 24. Bibl des Lit. Ver. zu Stuttg. Bd. XXVI. Nr. 6131. 2 Weber-Holländer: S. 100-101. Taf. IV. Fig. 7. 3 Gedichte. Balladen. 1851 1 ; S. 241. 1833'. Stuttg. wind barer, siegreicher Ritter; das Sterben ist ein Kampf, ein Tanz mit dem Tod; die Menschen sind vergänglich und verwelken so schnell, wie die Blumen, deswegen ist auch der Tod ein Schnitter, wie es auch in einem deutschen Volks­liede heisst. 4 Das Verwelken des Blumenkranzes am Haupt des Mädchens bei Uhland und der Kö­nigin bei Moeller ist das Symbol für das Verwel­ken der Menschen, die ja auch den Blumen ähn­lich sind. Auch der Todestrunk bei Moeller (der nebenbei noch ein „Lebenselixier" ist) erinnert auffallend an den Todestrunk, den der „schwarze Ritter" Uhlands den zwei Kindern reicht. In einem dialogischen Gedicht von Hein­rich Heine „Die Heimführung" 5 ist der Tod ebenfalls der Bräutigam eines sterbenden Mäd­chens. Er ruft sie, sie möge ihn in sein altes Kloster begleiten, in jenes kühle und traurige Ritterhaus, vor dessen Tor seine Mutter sitzt und ihren geliebten Sohn — den Tod — er­wartet. Die Braut weist aber die Liebe des To­des zurück, da sein Atem feurig (teuflisch), seine Hand eiskalt, sein Gesicht fahl und sein Blick unheimlich sei. Sie will noch weiter glücklich leben. Sie liebt Sonnenschein und Blumen­duft. Der Tod fordert seine Braut auf, den Son­nenschein und die Blumen zu verlassen und lieber ein trauriges, träumerisches Lied zu sin­gen, zu dem der Wind die Begleitung pfeifen werde. Das soll ihr Brautlied sein. Mit teufli­scher Begierde ist der Tod in dem modernen Drama von Claus Reinbolt : „Sabina Un D'r Tod" (1920) in ein Mädchen verliebt, das er in seiner wahnsinnigen Liebe tötet. Die unüberwindliche Kraft des Todes ist nicht immer teuflisch. Die Todesmusik ist im Drama „Der Tor und der Tod" von Hugo von Hoffmannsthal 6 nicht hässlich, ihre himmlische Schönheit, ihr lieblicher Reiz, ihr tröstender Klang lockt den Menschen ins Grab. Claudio, der träumerische Jüngling, wird von seiner to­ten Mutter, von der toten Braut und von einem toten Freund besucht. Der Tod spielt Geige. Seine Musik spricht nicht von den Schrecken der Vergänglichkeit, sie tröstet und heilt. Das dramatische Gedicht hat eine rein symbolische Handlung, die dem Dichter zur Darstellung der tiefsten Menschengefühle und der mächtigsten philosophischen Probleme Gelegenheit gab. Im Drama von Moeller verändert der Tod seine Eigenschaften auffällig. Er ist nicht nur der Bräutigam der Königin, er ist selber ein König, Arzt, Geistlicher, Mörder, Zauberer usw. Das sind symbolische Verhältnisse, welche sich auf das Amt des Todes beziehen. Der Augu­4 Kluge-Oertel : Auswahl deutscher Gedichte. Alten­burg. 1919. S. 476. „Es ist ein Schnitter, heisst der Tod, der hat Gewalt vom höchsten Gott ; / heut wetzt er das Messer ; / es schneid't schon viel besser ; / bald wird er diein schneiden, wir müssen's nur leiden. / Hüte dich, schön's Blümelein 1". 5 Buch der Lieder : Junge Leiden 1816—1821 c. Ro­manzen VIII. 6 Insel-Verl. Leipzig. 1910 1 1. vgl. darüber noch weh ter unten.

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