KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

- VI ­Tafel VII. — Die Everyman-Geschichte am Anfang der Augsburg-Münchener Legendenform : München Cod. Germ. 3974. Fig. 1. — Der Bekehrungsschwur Everymans und die Versuchung seines bösen Gesellen. — Dr. Georg Lei­dinger, der hochgelehrte Direktor der Handschriftensamm­lung der Münchener Bayerischen Staatsbibliothek hatte mich durch unzählige Beweise seines gütigsten Entgegenkommens in den Besitz der höchst wertvollen und bedeutenden wissenschaftlichen Angaben über die Handschrift Cod. Germ. 3974 (Anfang des XV. Jhs.) gesetzt, wofür ich ihm, sowie der hochlöblichen Direktion genannter Bibliothek, meinen verblindlichsten Dank ausspreche. Als Illustrationen des Textes mit dem Beginn : „Von erst so sprichet der ewig got..." bietet uns diese Handschrift sehr interessante Bilder der Augsburg-Münchener Legendenform, welche fast so früh, wie die ersten Todes- und Toten-Tänze, in der Form einer deutschen Bearbeitung lateinischer Vorlagen den Entstehungs- und Entwicklungsweg der Toten-, bzw. Todes-Tänze ganz klar und unwiderlegbar entfalten. Dem Legendentexte geht auf diesem Blatte ein Gedicht voran mit dem Anf. : „Dy werlt wirt vns wezeichnet hye .. ." Es ist die Erklärung des Triumphbildes der Welt, welches sich fol. 53v befindet. Die „Frau Welt" sitzt dort auf einem Triumphwagen und verteilt Geld. Auf diesem hier mitge­teilten Bilde fol. 54r ermahnt Gott den Menschen, Every­man, die Gebote zu halten. Everyman, ein schöner Jüng­ling. erhebt seine Hand zum Schwur, sich zu bessern, da er Gottes Gebote bisher „pillich hyelt" und all sein Sinn auf den Besitz der weltlichen Ehre und der irdischen Güter eingestellt war. Gott weist mit der rechten Hand auf die nächste Szene und will dem bekehrten Everyman zeigen, was aus dem sündhaften Menschen wird, wenn er den Einflüsterungen des Teufels ein Gehör schenkt. Es folgen Jünglingsgestalten, welche aber der Zeichner aus Unver­stand verschieden charakterisierte, obwohl jetzt immer ein und derselbe Sünder, vielleicht ein sündhafter Geselle Everymans. erst vom Teufel verführt, dann aber vom Engel ermahnt wird. — Originalaufnahme der Münchener Baye­rischen Staatsbibl. — Vgl. Tabelle A IV + II 2 F HL, III«. Fig. 2. — Der unvorbereitete Tod des sündhaften Gesellen. — Auf fol. 54v des Cod. Monac. Germ. 3974 ermahnen den sündhaften Gesellen Everymans die Sonne und der Mond (also beide zusammen das Bild der Ver­änderlichkeit der Zeit), immer an das nahe Ende zu den­ken. In diesem Zug ist eigentlich eine alte Reminiszenz der Everymanlegende in der Gesamtlegende aufgefrischt worden : der Begriff des Zeitrades, auf welchem der Wechsel von Tag und Nacht das Auf und Ab des Lebens-Kreis­laufes symbolisiert. Endlich ermahnt den Sünder auch ein Geistlicher, ein Mönch, der hier die Stelle des Eremiten der bisherigen Legendenvarianten vertritt. Dann erscheint aber der mit einem Bogen und Pfeil bewaffnete Leichnams­Tod ! Er zielt mit seiner Schiesswaffe gegen den Sünder, der nun in dem bekannten Monolog des „unvorbereitet sterbenden Menschen" seinen Gefühlen Ausdruck gibt : 0 mors, quam amara est memoria tua ...! (Ecclus 411—7; diese Aufschrift des Bildchens ist mit dem Münchener lat. Text Cod. lat. 7747 ; Clm. 23833 und mit dem Heidelberger deut Text Cod. Pal. Germ. 36 zu vergleichen !). Dieses Blatt brachte uns also insofern etwas Neues, dass es die in der Subiacoer Todeslegende so urplötzlich ablaufende Szene des sterbenden bösen Gesellen Everymans nach dem Muster der Everyman-Geschehnisse selbst in eine Reihe von kleineren Teil-Szenen zerlegt hat. Aber diese Todes­legende geht nun am nächsten Blatt in eine Gisant-Typ­Totenlegende über 1 — Originalphotographie der Bayer. Staatsbibl. - Vgl. Tabelle A III7-8. Fig. 3. — Der aus dem Grabe an Everyman ge­richtete Jammerruf des getöteten bösen Gesellen. — Wäh­rend auf den Legendenbildern in Metz, Subiaco und Pisa die Gisant-Typ-Legende der aufrechtstehenden oder im Grabe liegenden Toten der eigentlichen Bekehrungsgeschich­te Everymans und dem traurigen Schicksal seiner bösen Gesellen voranging, verwandelt sich hier auf fol. 55r der Handschrift Cod. Monac. Germ 3974 die nach der Art der Everyman-Todeslegenden entwickelte Geschichte des bösen Gesellen in eine Gisant-Typ-Totenlegende. Nun liegt der vom Tod getötete böse Geselle Everymans im Grabe. Indem er zum Symbol der Hinfälligkeit der jugendlichen Lebens­kraft wird und eine der „arabischen Nichtigkeiten" verkörper­licht, richtet er seine Gisant-Typ-Lehre an den „Lebendi­gen", d. h. an Everyman, an Jedermann, der ihn in einer Vision betrachtet. Die nächsten Blätter sind Erweiterungen dieser die eigentliche „Everyman-Geschichte" abschliessen­den Gisant-Typ-Szene. — Originalaufnahme der Bayer. Staatsbibl. - Vgl. Tabelle A IV > 11 2 > IIL > r > HL­Tafel VIII. — Die Triumph-Erweiterung der Augs­burg-Münchener Legendenform : München Cod. Germ. 3974. Fig. 7. Der Triumph des Gisant-Typ-Toten über Reichtum, Schlemmerei, Liebe und Jagd. Die nun folgen­den Blätter bilden schon ein Zwischenglied in der Ent­wicklungsreihe der mit der Everyman-Todeslegende verei­nigten Totenlegendenform der Gesamtlegende bis zum To­des- bzw. Toten-Tanz. Als Fortsetzung der die Everyman­geschichte des bösen Gesellen abschliessenden Totenszene folgt nun eine Reihe von Gisant-Typ-Szenen. welche ihren Grundgedanken schon dem Vadomori-Gedichte entnahmen. Einem Gisant-Typ-Totenleichnam werden je vier Szenen aus dem Leben menschlicher Stände gegenübergestellt. Je­des der folgenden drei Blätter ist fünfteilig. In der Mitte wird ein Totenleichnam dargestellt, der soeben aus seinem Grabe kroch und nach der Augsburg-Münche­ner Legendenform eigentlich mit dem Leichnam eines der vom Tode getöteten bösen Gesellen Everymans identisch ist. Das offene, finstere Grab wird von hohem Felsenge­birge umrungen. Der Tote ist hier ein Vertreter irgendeiner „Nichtigkeit" und hält in den Händen das Leichentuch, die einzige Gabe, welche die „untreue Freundin Every­mans". die „Frau Welt", ihm auf den Sterbens- und Ver­wesungs-Weg mitgab. Die Aufschrift bei dem Leichnam dieses Mittelbildes, „Ego finis illorum", weist auf die vier Eckbildchen, welche auf diesen drei Blättern mit dem Gi­sant-Typ-Toten in Beziehung gebracht werden. DerGisant­Typ-Tote ist das Ende von jenen in den Eckbildern ange­deuteten Szenen aus dem Leben einzelner Vadomori-Stände. Dieser Triumph des Totenleichnams, also der Verwesung, ist eigentlich die Erweiterung des Grundgedankes der Pe­trarca-Trionfi. Auf fol. 56r ist der Leichnam das Ende des irdischen Reichtums (oben links : Diuicie ; der reiche Wuche­rer zählt am Wechseltisch sein Geld), der Schlemmerei (oben rechts : Crapula ; die Schlemmer, zwei Weiber und zwei Männer sitzen an einem reich gedeckten Tische), der Liebe oder Sinnlichkeit (unten links : Sponsus, sponsa ; Braut und Bräutigam stehen in einer Gebirgslandschaft neben einem Baume und pflegen des Minnespiels) und der Jagd oder Unterhaltung (unten rechts : Venacio ; in dersel­ben Gebirgslandschaft sprengt ein junger Mann auf einem weissen Rosse in einen nahen Wald ; er zieht scheinbar auf Jagd aus). — Originalphotographie der Bayer. Staats­bibl. - Vgl. Tabelle Ar > IIL + VII. Fig. 8. — Der Triumph des Gisant-Typ-Toten über irdische Schönheit, Liebelei, Adel und Prachtbauten. — Als Fortsetzung der die Gesamtlegende erweiternden Gi­sant-Typ-Reihe triumphiert hier der Gisant-Typ-Leichnam des vom Tode getöteten bösen Gesellen Everymans über weitere Vadomori-Stände. Auf fol. 56v ist ebenfalls die Verwesung das Schicksal der irdischen Schönheit (oben links : Pulchritudo ; auf den Zinnen einer Burgmauer ste­hen zwischen zwei Bäumen Mann und Frau und beschauen sich in einem Spiegel), der Liebelei an der Burgmauer (oben rechts : Pomerium , zwischen denselben beiden Bäumen liebkosen sich ein Jüngling und ein junges Weib), des Adels (unten links : Nobilitas ; eine bärtige und mit Bar­rett gezeichnete, fürstliche Gestalt erteilt Befehle an drei ihrer Untertanen 1 und der Prachtbauten (unten rechts : Edificia ; hier steht nur eine mit starken Mauern befe­stigte mittelalterliche Kirche, — wie in St. Jakob und Mut­tenz). — Originalaufnahme der Bayer. Staatsbibl. Fig. 9. — Der Triumph des Gisant-Typ-Toten über­menschliche Würden, Wissenschaft, Kriegsmacht und Kaufmannsglück. — Der Totenleichnam ist auf fol. 57r der Endzustand der weltlichen Macht (oben links : Digni­tas ; Papst, Kaiser. König, Herzog und vornehme Dame ?). der Wissenschaft (oben rechts: Sciencia ; drei Gelehrte, «

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