KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

- V ­sem Bilde links oben das Leben in einer auf den Felsen erbauten Klause darstellen, sind die Fortsetzung der Ge­schehnisse — aber erst nach Jahren. Everyman hat seine Gesellen verlassen und ist mil dem Eremiten in die Klau­se gegangen. Er hat das Eremitenkleid angezogen. Unter der Führung des Eremiten wurde auch er seelisch alt und erfahren (wie auch der Bekehrte des „Spiegelbuches" von den zurückkehrenden Gesellen wegen seines inzwischen langgewachsenen Bartes verspottet wird). Derselbe alte Eremit liest ihm die Wahrheiten der Religion aus der Bi­bel, die er in den Hand hält, vor. Und diese Wahrheiten benützt der bekehrte Everyman als Krücken, als Unter­stützung seiner religiösen Erfahrenheit. Diese Szenen ha­ben symbolischen Charakter, wie auch jener Zug symbo­lisch gedeutet werden kann, dass der alte Eremit ganz links auf der Felsenhöhe eine Hirschkuh melkt, um seinen neuen Schüler mit „der Milch des idealen Menschen" zu nähren — Während der bekehrte Everyman sein ewiges Glück findet und sich auf den Tod vorbereitet, ziehen seine Gesellen weiter in den Wald auf die Jagd aus. Nach der Jagd setzen sie sich unter die Bäume eines Waldes (s. rechts am Bild). Sie plaudern und musizieren fröhlich, sorgenfrei, blind. Hier wiedersehen wir einen Teil jener Gesellschaft, die sich vorher vor den Gräbern ver­sammelt hat. Da treffen wir jenes Fräulein mit dem Schoss­hündchen, mit der sich der eine Geselle.. Everymans (dem ein Falke am Arm sitzt) unterhält. Über den beiden schweben zwei Genien des klassischen Altertums, deren jeder eine verkehrte Fackel in der Hand hält, die er aus­löschen will. Es .sind jene klassischen Geniengestalten, in denen Lessing den Tod der klassischen Kunst erkennen wollte. Links von dieser Szene naht fliegend der Furien­tod, die Teufelsfurie des Mittelalters, mit einer grossen Sense, durch die schon eine Gruppe der verschieden­sten Vertreter der Stände getötet wurde. Dass der Maler auch jene Genien am Bilde mit der Fackel auftreten Hess, beweist, dass weder die Todes-,.Donna" Petrarcas, noch dieses dämonische Todesweib etwas mit der klassischen Kunst gemein hat. Diese Dämonin mit Fledermausflügeln, Vogelkrallen (statt der Nägel), mit flatternden Haaren, mit blutdürstig offenem Munde und langen Zähnen ist (ebenso wie in Subiaco) die traditionelle Stellvertreterin der Erin­nys der Eleusinischen Mysterien, die Teufelsfurie des Mit­telalters. Prachtvoll ist die schwungvolle Bewegung dieser Todes-Göttin. man kann sich vorstellen, dass jene fröh­liche Gesellschaft in der nächsten Minute ebenfalls in Leichen verwandelt und den Teufeln und Engeln preis­gegeben wird, die in der Mitte die Seelen aus den Leich­namen in der Form eines Kindes holen (vgl. Ars-moriendi­Bücher, die apokryphe História Josephi fabri lignarii) und sie nach einem Kampfe entweder in das Paradies oder in die im Hintergrund geöffnete und flammende Hölle tragen. Deswegen ist der Kampf der Engel mit den Teu­feln, sowie der Dialog der Seele (in Kindesgestalt) mit dem Leichnam, ein wesentlicher Bestandteil der erweiter­ten Gesamtlegende geworden, und ist auch eine charak­teristische Fortsetzung des spanischen Todes-Tanzes, der doch aus dieser Todes-Visionen-Form der Gesamtlegende entstanden ist. Die Erscheinung der Teufel und Engel, die Entlockung der Seele dem Totenkörper, die Kindes­gestalt der Seele, die Erscheinung der Teufel im Gefolge des Furien- oder Teufelstodes, die Darstellung des Todes der Guten und Sünder sind lauter orientalische Motive der Apokryphliteratur, und machten durch die „História Jo­sephi fabri lignarii" und durch die „Ars-moriendi"-Bücher auch auf diese Form der Gesamtlegende einen grossen Einfluss. Dem Bilde in Sacro Speco entsprechend wird hier ebenfalls in einer Gruppe der Kranken und Krüppel, die sich umsonst nach dem Tode sehnen, die an Gott gerich­tete Frage des betenden Everyman dargestellt. Wie es auf dem Schriftband steht, sagen die Kranken : „Dache prosperitade ci ha lasciati, 0 morte, medicina d'ogni pena, Deh vieni a darci omai l'ultima cena 1" „Dieweil das Glück sich von uns abgewendet, 0 Tod, Arznei du gegen jede Qual I Ach komm' und reich' uns unser letztes Mahl I" Der Grundgedanke des Bildes steht aul jenem Blatt geschrieben, welches von zwei beflügelten Genien getragen wird, die über den vom triumphierenden Todes-Weib ge­töteten Leichen schweben : Schermo di savere e di richessa, Di nobiltate e ancor di prodessa Vale niente ai colpi di coslei ; Ed ancor non si truova contral lei 0 Iectore ! neuno argomento. Eh ! non avere lo'nteletto spenlo Di stare sempre si apparecchiato. Che non ti giuga immorlal peccato". „Nicht Weisheit und nicht irdisch Gut, Nicht Adel noch ein tapfrer Mut Kann schützen vor des Todes Wunden ; Noch irgend ward ein Kraut gefunden, 0 Leser, das davon dich heilt ! Drum halte wach dich unverweilt, Dass vorbereitet er dich finde Und dich nicht unterjoch' die Sünde !" Phot. Ed. Alinari. P<=. 2^. Nr. 8833-8834. - Vgl. Ta­belle A lis— 9 + Ills— 9. Über die mit einer Schriftrolle dar­gestellten Leichnamsgestalten (in den Randbildchen oben links und unten rechts) vgl. die Bemerkung GTT Bd. I. S. 165. Dort wird es gezeigt, dass dem berühmten Maler der „klassischen" Todesfurie auch die „primitive" Leich­namsgestalt des ma. Todes bekannt war. Fig. 2. — Die Basler Totenlegende zu Muttenz in der Schweiz. — Das Bild hätte eigentlich mit dem Legen­denbilde in St. Jakob a. d. Birs auf einer Tafel Platz fin­den sollen. Einer besseren Ausnülzung des noch zur Ver­fügung stehenden Raumes wegen musste aber leider in diesem Falle von dem motivgeschichtlichen Zusammenhang abgesehen und die Darstellung zu Muttenz auf diese Tafel verlegt werden. Sie spielt aber auch so, im Rahmen dieser Tafel, eine wichtige Rolle, da sie einen Vergleich der Basler Totenlegende mit der Todeslegende in Pisa ermöglicht. — Die Basler Totenlegendenform der Gesamtlegende ist nicht weit von St. Jakob in der ebenfalls mit starken Kirchofsmauern befestigten Kirche zu Muttenz, wahrscheinlich nach dem Vorbilde von St. Jakob, dargestellt worden. Das Bild be­findet sich auf der Westmauer des Beinhauses und ist ein Parallelstück zum Fresko auf der Südwand, zu einer grossen Darstellung des Jüngsten Gerichtes, welche mit der Jahres­zahl 1513 versehn scheinbar von demselben Maler ausge­führt wurde. Hier kniet der bekehrte Ritter in ritterlicher Rüstung nach links gewendet, woher seine feindlichen Gesellen nahen. Die Szene spielt sich im Kirchhof der Kirche Muttenz ab. Im Hintergrund steht die Kirche und nach rechts liegt das Dorf Muttenz. Auch das Beinhaus der Kirche steht im Hintergrud, hat aber ein anderes Aus­sehn, als heute. Auch jener Brunnen steht schon und der grosse Baum, die auch heute den Kirchenplatz schmücken. Rechts von der Kirche sitzen die drei Gesellen Everymans in der Kneipe und beraten sich, wie sie ihren bekehrten Gesellen, der sie untreu verliess, strafen oder vielmehr tö­ten könnten. Am Brunnen des Kirchenplatzes schöpft so­eben ein Dorfweib Trinkwasser. Im Kirchhof ringsum stehen offene Gräber, in denen die Totenleichname liegen, durch deren Betrachtung sich der Ritter bekehrt hat. Auf das Gebet Everymans steigen die durch göttliche Gnade er­weckten Toten aus ihren Gräbern, kommen aus dem Bein­haus und überfallen mit verschiedenen exotischen Waffen bewaffnet das Gefolge der drei Feindlich gesinnten Gesellen Everymans. Dieses Gefolge war soeben im Begriffe die Kirchhofmauer zu bestürmen. — Phot, nach Walther Merz : Die Burgen des Sisgaus, Arau, 1911, S. 56, Abb. 31. — Vgl. Tabelle A 1I 3. Tafel VI. — Der Furientod in Pisa. Wir geben hier nach der Ed. Alinari P<=. 2a. Nr. 8834 die vergrösserte Gestalt der mit Fledermausflügeln dahin­stürmenden Todesgöttin, des mittelalterlichen Furientodes wieder, der hier nicht als ein Skelett, sondern als ein Würgengel charakterisiert mit einer blutigen Sense die Menschheit vernichtet. *

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