KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Anhang

- IV ­Fig. 2. —• Die zweite Szene der Subiacoer Todes­Legende. — Dem vorhergehenden Bilde gegenüber, auf der rechten Langseite der Scala Santa, wird als Schluss­szene der Todeslegendenform der Gesamtlegende der To­destriumph mit der weiteren Geschichte Everymans und seiner zwei bösen Freunde verflochten. Der bekehrte Eve­ryman wurde zu einem Eremiten, er kniet schon als ein bärtiger Eremit dargestellt im linken Eck des Bildes vor einem Kreuz, dort, wo die Mauer am meisten beschädigt ist und wo ihn die Photographie fast garnicht erkennbar macht, wo ich ihn aber, — als ich zu diesem Zwecke di­rekt nach Subiaco reiste, — noch im Jahre 1928 an Ort und Stelle am Fresko selbst in kaum entzifferbaren Um­rissen vor seinem Kirchhofskreuz hinter einer dunkel ge­malten Mauer im Schatten eines Baumes knieend entdek­ken konnte. Seine beiden Gesellen, die ihm feindlich ge­sinnt bis zur Mauer eines Kirchhofs nachstellten, als sie sich später, vielleicht erst einige Jahre nach der Bekehrung Everymans, wieder auf einer Jagd befanden, werden von der triumphierenden Todesfurie ereilt. Diese Todesfurie, ein Skelett mit langen, flatternden Haaren, reitet auf dem „fahlen Rosse" des apokalyptischen Todes, hält in der linken Hand eine Sense mit der Aufschrift : Memento mori (Filippo ?). In der linken Hand zückt diese furienhaft­skelettierte „Dea La Morte" ein Schwert gegen den rechts stehenden Jüngling (mit einem Falken auf der linken Hand). Sein Kamerad, der links steht, fragt ihn, warum er so blass geworden ist ; er kann sich nicht vorstellen, wer ihn so überfallen und verändert hat ? „Changiato Se (Nel Viso) Tanto Sco(lorito) Vorrei sapere Chi Ta Cosi Ferito". Der sterbende Jüngling, der seine Augen schliesst und dessen Schritte schwanken, erklärt, dass er mit grossem Schmerze und mit schweren Seufzern fühlen muss, wie der Tod in sein Herz sticht und wie er seinen Mut ver­liert : „Cho Gran Dolore E Con Forti Sospiri Sentia La Mo(rte Che) Feri AI Core Che Subito (Ne Tolse) Omne Valore". Die Todesfurie antwortet, dass sie jeden tötet, ob jung, ob alt, ja sogar gerade die Menschen höheren Standes müs­sen seine Gewalt fühlen : ,.Io So Colei Coccido Omne Persona Giovene E Vecchie (ne) Verun Ne (La)sso De Grande Altura Subito". Unter dem dahinfliegenden Pferde der Todesgöttin liegen die Leichen der getöteten Vertreter verschiedener Stände. Diese Szene gleicht inhaltlich den „Adamsgrab"-Kreuzbil­dern und den Petrarca-Triumphen, unter deren Einfluss sich die Gesamtlegende mit der Todes-, und später Toten­Triumph-Szene bereicherte. Diese Triump-Szene der To­deslegendenform der Gesamtlegende ist jene Stelle wel­che die Vereinigung der Gesamtlegende mit den Vado­mori-Gedichten vorbereitete. Die Armen, Kranken und die Guten, die auf dieser Welt viel gelitten haben, bitten aber, in der Ecke des Bil­des zusammengerottet und händeringend, umsonst die „Dea La Morte" der Petrarca-Trionfi, dass sie sich auch ihrer erbarme und auch ihnen das Glück des Sterbens und den Lohn des ewigen Lebens schenke : „Tu Lasce Noi Che Sempre (Te Chiameno) Disederando Che Ne Dea La M(orte) .... (die letzte Zeile unlesbar). Dieser Gedanke ist eigentlich die Ausbildung eines Bibelwortes : „Qui expectant mortem, et non venit . . . Gaudentque vehementer, cum invenerint sepulcrum . . ." Job. 321—22. In den Schriften der hl. Väter finden sich manche Betrachtungen über diese Stelle. Z. B bei Gregor d. Gr. Moralium libri, sive Expositio in librum B. Job. lib. V. cap. IV. VI (Sancti Gregorii Magni Papae I. Opera... Migne P. lat. 75, saec. VI—VII. anni 595-604. Sp. 682, 684). - Phot. Alinari Nr. 26252. - Vgl. Tabelle A Hg + III» + IIl9 + IIIlOc, Tafel. V. — Die erweiterte Todeslegendenform der Gesamtlegende in Pisa und die Basler Totenlegende zu Muttenz. Fig. 1. — Der Petrarca-Todes-Triumph in der To­deslegendenform der Gesamtlegende im Camposanlo zu Pisa. — Camposanto di Pisa, 2. Hälfte des XIV. Jahrhun­derts. Irrtümlich einem Maler Andrea oder Nardo Orcagna zugeschrieben. Hier ist die Gesamtlegende schon eine künstlerisch hochstehende Komposition. Mehrere, zeitlich nacheinander folgende Szenen werden hier auf dem Bilde ineinader geflochten. Aus der von der Mitte nach links ziehenden Felsenschlucht reitet eine fröhliche Jagdgesell­schaft hervor. Sie findet sich einem schrecklichen Schau­spiel gegenüber. Wie in Subiaco. sehen die Lebenden auch hier drei offene Gräber, in denen drei als königliche Gestalten charakterisierte Tote in den drei verschiedenen Verwesungsstadien des Gisant-Typs liegen. Im ersten Sarg liegt der entsetzlich aufgeblasene Leichnam einer gewese­nen „Schönheit", scheinbar einer Königin. Der halb ver­weste Leichnam des zweiten, dem Zuschauer näher lie­genden Sarges scheint der Leichnam eines gewesenen mächtigen Königs zu sein. Im dritten Sarg liegt ein Ske­lett. Neben den drei Särgen steht ein sehr alter Eremit, der, wie auch in Subiaco. aus seiner auf dem hohen Fel­sen dargestellten Klause herunterkam, um die Jagdgesell­schaft empfangen zu können. Seine Lehre steht auf der von ihm gehaltenen Schriftrolle : „Se nostra mente sia ben acorta Tenendo risa qui la vista aflitta La vana gloria ci sara sconfilta La superbia ci sara da morte". (s. Ed. Dobbert, Der Triumph des Todes im Campo Santo zu Pisa. Repert. f. Kunstwissensch. H. Janitschek, IV. Bd. Stuttg. 1881, S. 1-45. vgl. S. 5, 34, 39). „Wenn unser Geist genüngend scharf und fein, Um diesen Anblick lächelnd zu ertragen, Wird unsre Prahlerei auf's Haupt geschlagen Und unser Hochmut uns ein Gräuel sein 1". Die Nichtigkeit der Schönheit und der Macht wird von den einzelnen Rittern der Jagdgesellschaft verschieden­artig betrachtet. Der Redeisführer dieser Gesellschaft ist allerdings jener Ritter, der ganz nahe an die drei Gräber ritt und furchtlos seinen Kameraden die Lehre der Ver­gänglichkeit erklärt, indem er mit einer entschlossenen, kraftvollen Bewegung seiner Hand auf die drei Toten zeigt. Dieser Ritler hat die Lehre des Eremiten verstanden und will sich bekehren. Seine Erklärung, die er an seine Ka­meraden richtet, ist auch ein Aufruf, die Jagd abzubre­chen und seinem Beispiel zu folgen. Aber wie anders benehmen sich seine drei männlichen Gesellen 1 Alle drei sind durch Kronen als Könige charakterisiert. Der erste (vom Zuschauer aus* bleibt mit seinem Pferde einige Schritte von den Gräbern entfernt scheu stehen, beugt sich aber neugierig vor, und als er die Lehre vom Eremi­ten und von jenem Gesellen, der sich bekehren will, hört, verzieht sich sein Mund in ein spöttisches Lächeln. Der zweite Geselle ist zu den Särgen näher geritten und hält sich die Nase zu. um den ekelhaften Modergeruch nicht riechen zu müssen. Zwischen diesen zwei Königen ist der dritte, ein älterer, bärtiger König sichtbar, der unwillig und auch ein wenig zornig auf jenen ersten Ritter blickt, dem er es nicht verzeihen kann, dass er sich bekehren und die fröhliche Gesellschaft verlassen will. Links und rechts von diesem sich bekehrenden Ritter reiten zwei Damen, die Frauen jener Könige. Jenes Weib, welches vom bekehrten Ritter links reitet und ein Schosshündchen hätschelt, schaut lächelnd den Eremiten und seine Schrift­rolle an, als schiene ihr das alles nicht glaubwürdig zu sein, was der Eremit verkündet. Zwischen den drei Ka­meraden Everymans und zwischen dem bekehrten Ritter reitet das zweite Weib, welches sich furchtsam das Ge­sicht verdeckt und nichts von jener Lehre wissen will. Grossartig wird auch das Zurückschrecken der Pferde und der Jagdhunde charakterisiert. — Jener Ritter aber, der sich bekehren will, hat sich, wie in Subiaco und im Spie­gelbuch, in die Klause begeben, blieb beim Eremiten, wurde auch selber Eremit, Jene Szenen, welche auf die-

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