KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte
- 173 — spiel, genannt „Klopf an !"} Die Wirkung des Tanzspieles liegt in der „Zusammenhäufung unverbundener, unvermittelter Einzelheiten". Aber in diesem Gemisch und Allerlei gehört das Quodlibet auch mit vielen „Reimreden" zusammen. Am Neujahrstage nämlich klopften nach altem Volksbrauch Leute verschiedenen Geschlechts, Alters und Standes an die Türe und brachten in Reimreden ihre Wünsche vor. Nach dem Anfang der Verse „Klopf an ! klopf an ! Ein säligs neus jar ge dich an !" hiessen diese Bauernscherze, welche auch mit Mimik und Tanz verbunden wurden, einfach „Klopfan" . . . Auch bei dieser Gelegenheit wurden dann freilich die einzelnen Stände verspottet, — was sie nämlich das ganze Jahr lang machen werden oder sollen. Und hier ist es dann auch am Platz, an jene Verslein hinzuweisen, in denen meist je ein Typus der verschiedenen Ständegruppen auftritt und sich in einem monologischen Satze über sein irdisches Amt halb scherzhaft, halb ernst äussert. Es schrieb darüber schon Hilscher in seiner erwähnten Studie. 2 Besonders interessant ist aber die Abhandlung Reinhold Köhlers „Bild und Spruch von den verschiedenen Ständen im menschlichen Leben." 3 Köhler berichtet vor allem von einem Stahlstich von Ed. Gust. May in Frankfurt a. M. verlegt und gedruckt : „Die verschiedenen Stände im menschlichen Leben". Es sind insgesamt sieben Stufen : drei steigen links, drei rechts empor, u. zw. der Kaiser, Edelmann, Pfarrer, Jude, Soldat, Bettler und der Bauer. Nach den Inschriften sagen die einzelnen Standesvertreter : Der Kaiser : Ich fordere den Tribut. Der Edelmann : Ich habe ein freies Gut. Der Pfarrer : Mir gehören die Stolgebüren. Der Jude : Ich muss von dem Profite leben. Der Soldat sagt : Ich bezahle nichts. Der Bettler sagt : Ich habe nichts. Der Bauer sagt : Ich lasse den lieben Herr[gott walten, Ich muss doch euch alle sechs erhalten. 4 1 Vgl Ehrismann a. a. 0. S. 356. 2 S. 108—114, über die Stände im Totentanz, Kap. XIII. 3 Erschienen in Wagners Archiv für die Geschichte deutscher Sprache und Dichtung 1, 458—462. 1873; vgl. in den „Kleineren Schriften", hg. von J Bolte, Bd. II. Berl. 1900, S. 61 ff. 4 Vgl. Karl. Goedehe in der Ausgabe des Pamphilus Gengenbach, Hannover 1856, S. 593 ; ein ähnliches Blatt sah ich i. J. 1926 im Münchener Rosenthal-Antiquariat ; In der Reihe von rechts nach links standen : der Tod mit Sense, die Edelfrau, der Edelmann, der Richter (bzw. Advokat), der Ritter, der (prot.) Geistliche, und der Text lautete : 1. Ich todt euch alle. 2. Ich erfrew euch alle. 3. Ich ernehr euch alle. 4. Ich red für euch alle. 5. Ich fecht für euch alle. 6. Ich belt für euch alle. Unten stand der Text : Arma, preces, linguae facundae falera coloni Semina, virgineoque oculos, rapit omnia lethum. Angel, P. Gerade dieser gereimte und an die Priameln gemahnende Abschluss der Verslein lässt es vermuten, dass auch diese Monologreihe der Hauptvertreter mittelalterlicher Ständegruppen letzten Endes der Text zu einem Liede war, welches die Bauernjugend gelegentlich der Märkte und der Kirchweih zu einem Gesellschafts- oder Kinderspiel sang und mit Tanz begleitete. Die einzelnen Ständemonologe wurden von den Tänzern gesungen, indem sie der Reihe nach aus der Tanzrunde sprangen. Die abschliessenden zwei Verse sang dann die ganze Kommunität der Teilnehmer und Zuschauer ; in ihnen wird ja der Bauer und sein Stand verherrlicht und über alle übrigen Stände gestellt. Philippus Andreas Burgoldensis, d. h. Philipp Andreas Oldenburger, erwähnt auch in einem Werke diese Ständeverslein : b „Caeterum hodie rustici tanquam bestiae tractantur ? — beginnt der Verfasser in seinen „Notitiae rerum etc." — „Pertinent hue rythmi, quamvis non adeo venusti, rei veritatem tarnen exprimentes, quos de rusticorum querela Weinheimi in Palatinatu legi : „Der Kaiser will haben sein Trew vnd Pflicht ; Der Pastor will haben sein frei Quit ; Der Edelman spricht, ich bin frey : Der Jud treibt seine wucherey ; Der Soldat spricht, ich gebe nichts ; Der Bedelman spricht, ich hab nichts ; Da spricht der Baur, das muss Gott walten, Muss ich diese alle erhalten, So geb ich mich gedultig darein, Vnd wollens also zufrieden sein." 6 5 Vgl. Notitiae rerum illustrium Imperii Romano-Germanici, sive Discursum iuridico-polilico-hisloricorum ad Instrumentum Pacis Osnabrugo-Monasteriensis pars prima. Freistadii, apud Aemilium Verum, Anno 1668. 8°. S. 624 ; 5. Abschnitt des XXIII. Discursus. 6 Vgl. Auch im Büchlein : Io. V. V. Relfendso Heromontanus d. h. Johann Wolfgang Rosenfeld von Heldburg in Franken : De summa Principum Germanicorum potestate. 1669. 12°. S. 252.: Pauca nunc de rusticis .. . in Westphalia, Palatinatu, Mecklenburgio etc. durissima vivunt conditione. Unde orti verissimi illi, quamvis minus comti, Rhythmi ? . . . und er zitiert den soeben mitgeteilten Text. Dasselbe auf einem Hause in Dobraschütz E. Lobe, Hausinschriften aus dem Ostkreise des Herzogtums Altenburg. Allenberg 1867, S. 36: „Ihre kaiserliche Majestät will haben ihren Tribut. Der Edelmann spricht: Ich hab ein frei Gut I Der Pfarrer spricht: Bin frei I Der Jude spricht : Treib ich meine Schinderei I Der Soldat spricht : Ich gebe nichts 1 Der Arme spricht : Ich habe nichts 1 So spricht der Bauer : Ich muss geben, das diese alle haben des Leben I ;... vgl. auch J. Haltrich : Deutsche Inschriften aus Siebenbürgen. Schässburg. 1867. S. 29. Nr. 158, in „Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen". 1885. S 339. Nr. 267 ; Der Text aus Neustaat und Seligstadt in Siebenbürgen : Der Kaiser will seinen Tribut haben, Der Geistliche seine Freiheit, Der Arrtmann spricht: Ich bin auch frei, Der Edelmann giebt nichts. Der Bettelmann hat nichts, Der arme. Bauer muss geben. Dass diese alle können leben ; — Ähnlich auch ein Hausspruch von 1820 aus Wiltingen : Stehle, Geographie und Heimatkunde der Hohenzollernschen Lande. 1884, S. 132, in „Alemannia" 12, 6; weiter bei Kotzebue, Die jüngsten Kinder meiner Laune. 2, 252 f 1794; H. S. Edwards, The Germans in France. London 1874, S. 190 f.; Garnier, Histoiie de l'imagerie populaire ä Chartres. 1869, S. 112: auf einem französischen Holzschnitt Anf. des XIX. Jhs.: Les qualre Vérités. Priester : Je prie pour vous tous. Bauer: Je vous nourris tous. Soldat: Je vous défends tous Advokat : Je vous mange tous ; vgl. Champfleury, L'imagerie populaire. 1869. S. 232 ; Bächtold, G. Königs Wiener Reise. 1875. S. 76; über diese Angaben vgl. Köhler, a. a. 0. S. 62—65.