KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

Die einfachste Form der Verslein teilt Bächtold mit : Priester : Ich bilt für all. Bauer: Ich arbeit für all. Soldat : Ich streit für all. Advokat : Ich stihl für all. 1 Auf einem englischen Bilde erscheinen dann schon auf dem Ende der Standesreihe der Teufel und der Tod : Prediger : Ich bete für alle. Advokat : Ich processiere für alle. Bauer : Ich unterhalte alle. König Georg III.: Ich streite für alle. Teufel : Ich schleppe sie alle mit.'' Am Schluss der Reihe steht der Tod mit Sichel ! J. A. Plener bespricht in seiner „Neue Acerra Philo­logica" 2 ein Bild mit der Darstellung dieser Stände : Prediger mit Buch : Ich bete für euch alle. Regent mit Zepter: Ich sorge für euch alle Hausvater mit der Zuchtrute : Ich erzieh euch alle. Handwerksmann mitHammer: Ich arbeite füreuchalle. Bauersman mil Pflug : Ich ernähre euch alle. Tod mit Sichel : Ich fresse euch alle. 3 Langlois teilt in seiner Totentanzstudie ein ähnliches französisches Bild mit französischen Versen mit : „Je combats pour vous tous quatre. Je labeure pour vous tous quatre. Je prie pour vous tous quatre. Je procure pour vous tous quatre. Je vous emporterai tous quatre" . . . sagen Soldat, Bauer, Geistlicher, Advokat und zum Schluss Tod oder Teufel. 4 L. von Hörmann zitiert in seinen „Haussprüchen aus den Alpe ." 5 folgenden Text: König : Ich regier euch alle. Bischof : Ich bet für euch alle. Soldat : Ich streit für euch alle. Bauer : Ich nähr euch alle. Tod : Ich hol euch alle. Ich betrachte alle diese Verslein als ebenso obligate Texte zu irgendeiner volkstümlichen Tanzweise, wie dies auch mit Beziehung auf die Texte des „Siebensprunges" der Fall war. Wenn Hans Naumann in seinem Werke über die „Primitive Gemeinschaftskultur" ü behauptet, dass die Volksdichtung der Kunstdichtung immer ein Jahrhundert nachschreitet und dass die Ge­meinschaftslieder „gesunkene Kunstlieder", das Gemeinschaftsgut daher ein „gesunkenes Kultur­gut" sei, so erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass es im Falle der Vadomorigedichte und Totentänze merkwürdigerweise gerade umge­kehrt richtig sei : hier gibt es erst einen Volks­brauch, einen Volkstanz, einen Volksreim, — von 1 Vgl. In Holland stehen alle diese Stände auf einem Wagen: Kodige en ernstige Opschriflen. Amsterda n, 1690, S. 129: Soldaat : 1k vecht voor u. Munnik : 1k bidvooru. Advocaat : Ik pleyt voor u. Boer : Of jy vecht. of jy b'd, of jy pleyt, Ik ben de Boer, die den Eyeren leyt. Vgl. J van Lennep en J. ter Gouw : De Uithangteekens. Amsterdam 1868. Bd. 2, S. 163. 2 Frankfurt und Leipzig 1743, S. 760 V., S. 100. 3 Vgl. Langlois. Essai historique sur les Danses des morts. Bd. 2, S. 146 if. Planche 39. 4 Über diese Darstellungen der verschiedenen Stände handelt eingehend H. Gaidoz, Un ancétre du quatriéme état dans l'imagerie populaire. Mélusine 6, 47, 93 ; 7, 145, 190. 222. mit Abbildung. 3 1892, S. 170. 6 Jena 1921, S. 7 ff. der Künstdichtung werden dann diese volkstüm­lichen Elemente in eine höhere Region gehoben. Nur dass diese Ständereime aus einer noch äl­teren Kunstdichtung in dem frühesten Mittel­alter in die Volksdichtung, in das volkstümliche Gemeinschaftsleben erst herabgesunken sind. Denn der Ursprung dieser Ständeverse, in denen bald der Advokat, bald der König, und am häufigsten der Bauer, bzw. der Teufel oder der Tod, „der stärkste von allen vieren" sei, ent­stand aus einer uralten altertümlichen Vorstel­lung, welche sich auch im Mittelalter verbreitete. Über diese gemeinsame Quelle der Verslein „über den Stärksten" besprach ebenfalls Reinhold Köhler in einer kleinen Studie über „Die stärk­sten Dinge".' Nach Köhler gab es schon wäh­rend des ganzen Mittelalters eine Vorstellung von Gegenständen, welche man so einander gegenüberstellt, dass der nächstfolgende Gegen­stand den vorangehenden in irgendeiner Eigen­schaft übertrifft und besiegt. Also eine Art Trionfi der Gegenstände. Eine ähnliche Idee will ja auch das bekannte Märchen darstellen, worin der Mann stärker ist, als der Wind, der ihm den Rock um­sonst vom Leibe nehmen möchte, währenddessen die Sonne wieder stärker sei, als der Mann. Und es gibt auch ein Kinderspiel, in welchem nicht nur Gegenstände, sondern auch Blumen, Tiere und schliesslich auch Menschen und Stan­desvertreter einander gegenübergestellt werden, um unter ihnen den Stärksten zu erproben. In den Rahmen dieser merkwürdigen Verse gehört auch jener Spruch „Mich wundert, dass ich fröhlich bin", denn auch hier werden „drei Sor­gen" nebeneinander aufgezählt, welche einander in der Stärke übertreffen, um zuletzt dem Tod die Palme im Wettstreit der Dinge zu reichen. Auch die soeben besprochenen „Standesstreit­gedichtlein" wollen ja diesen Gedanken zum Ausdruck bringen. Und auch das Vadomorige­dicht stellt die einzelnen Stände in der üblichen, dem mittelalterlichen Rechtsleben und den mittel­alterlichen gesellschaftlichen Regeln entspre­chend in einer Reihe auf, von den höchsten Ständen angefangen, hinunter bis zu den nied­rigsten Ständen, bis zum Bauer und zum Bettler. Aber „der Stärkste" unter allen ist zum Schluss doch der „arme Bruder", der „gute Mönch", der ohne Sünden lebt und sich mit Christus schon in diesem Leben vereinigt. Und auch diese Texte „über das stärkste Ding" waren eine Art Libretto zu einem Volk­stanz. Die Teilnehmer am Tanze vertraten der Reihe nach die einzelnen Dinge, Kräfte, Mächte und Stände. Man rief während des springenden Tanzes aus : Wer ist der Stärkste unter allen ? — Und nun mussten die Tänzer der Reihe nach springen, — der „das stärkste Ding", den „stärk­sten Stand" vertrat, musste am höchsten sprin­gen ... So stelle ich mir den Tanz, das Volks­spiel zu diesen Texten vor ! 1 Vgl. in den ..Kleineren Schriften", hg. von J. Bolle, a. a. 0. S. 47 ff. und Germania 2, 481—485. 1857.

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