KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

- 172 — Galopp getanzt". 1 Also, — wie wir es sehen werden — erinnert diese französische Form sehr an die Tanzweise der „Danse-Macabre"-Rundtänze ! Hermanns Feststellung, dass der „Siebensprung" in Deutschland entstanden sei und dass er nicht vor das XV. Jahrhundert zu datieren wäre, wird sich sicherlich mit der Zeit für unhaltbar erweisen. Denn dass in dem Texte das Wort „tanzen" vorkommt und dass dementsprechend der „Sieben­sprung" erst nach dem XII. Jahrhundert verbreitet werden durfte, — da das Wort „tanzen" in Europa erst seit dem XII. Jahrhundert bekannt ist. — und weiter, dass das Wort „Edelmann" im XII —XIII. und XIV. Jahrhundert noch nicht mit „kann" reimen konnte, — diese Gründe sind meiner Ansicht nach sehr schwach ! Selbst Hermann teilt uns 3 einen Text aus Rendsburg mit, wo das Wort „Edelmann" zu den übrigen Versen in keinem Reimverhältnisse steht : „Kannst du nich de Söwensprünge, Kannst du nich de söwen ?" Geantwortet wird : „Ja, min Herr, ich kan em wol, Kan danzen as en Edelmann." Es folgten dann die „Söwensprünge" mit dem Rufe : „Hoch upp ! Heideldidelbum ! Hoch 'up ! Heideldidelbum ! Dasselbe ist auch im westfälischen Texte bemerkbar, wo es (in Iserlohn ?) heisst : Kennstu nitt de siewen Sprünge, Kennstu nitt de sässe ? Ja, min Her, ik kenn se wual, 1k dansse es en Jädelmann. Iuchäi, iuchäi, iuchäi ! Diese Beispiele würden also eher beweisen, dass es nicht immer notwendig war, den Namen jenes Standesvertreters mit dem übrigen Texte des Liedes reimen zu lassen, den man verspotten wollte ! Somit diente der „Siebensprung" nicht nur zur Verspottung der „Lebensalter", sondern auch der „Stände". Man verhöhnte im Tanze den „Edelmann" und den „Bettelmann", den „Richman" und den „Arm­man", — und so wahrscheinlich auch den König, den Papst, den Bischof, den Herzog, den Kaufmann und den Ritter usw. usw. In Gramzow-Nordhausen 3 wird dann aber auch nicht einmal der „Edelmann" apostrophiert, sondern der „Bettelmann", — und dies nur deswegen, weil man auch andere „Standesvertreter" in den Text eigeflochten hatte : „Spielt mir mal die Siebensprünge, Spielt sie mir all' sieben auf ! Kam ein pol'scher Betlelmann, Frug mich, ob ich tanzen kann." Zu den sieben Sprüngen: „Ich auf!" Die Soester Variante des Textes gibt dann die Fassung mit dem „Edelmann" am Schlüsse einer Verszeile auf, — wieder freilich mit der Absicht, um leichter auch andere „Standesvertreter" apostrophieren zu können. Dieser Um­stand entging Hermann, obwohl er die Texte gekannt hat. In Soest singt man : „Tanz mir 'mal die Siebensprünge, Tanz mir 'mal die Sieben ! Wer die Sieben nicht tanzen kann. Der muss tanzen, was er kann ! Juchhe I" Ja, es sind sogar nicht einmal immer die „Sieben", welche getanzt werden sollen, sondern auch die „Sechse", 1 Hermann, a. a. 0. S. 290; dort auch die sehr interessante Melodie mitgeteilt I 2 Vgl. Hermann, a. a. 0. S. 297. 3 Hermann, a. a. 0. S. 296, wie vorher im wetphälischen Texte und auch die „Neune"; wie dies an der Ith in Braunschweig gesungen wird : Tanzt mir mal die Siebensprünge, Tanz mir mal die Neune ! Wer die Sprünge tanzen kann. Kann tanzen wie ein Edelmann ! Friggöu, Friggöu I Und dieses Friggöu scheint das letzte Getreidebündel bei der Roggenernte zu bedeuten, 4 sodass man daraus folgern darf, dass der Tanz gelegentlich der Ernte ebenfalls auf­geführt wurde . . . Sehr interessant ist die Beobachtung Hermanns, dass sich zwei Formen der Texte herangebildet hatten : in der einen Form beginnt das Liedchen mit einer Aufforderung und in der zweiten mit einer Frage. Und ich möchte nun daran erinnern, dass es auch in der mittelalterlichen lehr­haften Literatur und auch in der Vergänglichkeitsdichtung Textvarianten mit Fragen, wie „Die, ubi sunt?" und mit Aufforderungen, wie „Vide, quid eris, quomodo gaudia quaeris I" gibt. Unter den Aufforderungen steht dann z. B. das „Vive Deo" in Gegenpart zum „Vado mori" 1 In der Variante mit Aufforderung am Anfang kommt meist der „Edelmann" als eine typische Figur vor, wie z. B. in Owen (Rauhe Alb) : „Mach mir nur den Siebensprung, Mach mir's fein alle siebe I Mach mir's dass ich tanze kann, Tanze wie ein Edelmann 1" Bei den Sprüngen : „'s ist einer" usw. Auf die zweite Form mit der Frage haben wir schon einige Beispiele gesehen. Nun möchte ich noch darauf hinweisen, dass unter diesen Varianten auch eine Version mit einem „wackeren Mädchen" vorkommt, — was wieder nur die Tatsache betonen soll, dass man nicht nur den „Edelmann", sondern auf eine spitzfindige Art der Textumwendung auch die übrigen typischen „Standesvertreter" auftreten Hess; nur dass in den meisten Fällen nur die Version mit dem „Edelmann" überliefert wurde. Im Siebengebirge heisst es : „Könnt ihr nicht die Siebensprüng, Könnt ihr sie nicht tanzen ? Wackres Mädchen, wart auf mich, Bis ich komm und hole dich 1" Bei den Sprüngen : „Ich kann sie. ich kann sie .. ." Was für eine Konklusion erlaubt uns also ein Ver­gleich zwischen den Vadomorigedichten und den Text­varianten des zu Fastnacht, auf der Kirchweih oder bei einer Jagdgesellschaft gesungenen 6 „Standesliedchens" in Bezug auf die Geschichte der Vadomorigedichte ? Wir werden noch darüber den Eindruck gewinnen, dass auch das Vadomorigedicht der geeignete Text zu derartigen „Standesliedern" des Volkes sein musste, in denen mit Gebärden und Sprüngen nachgeahmt wurde, was der König, der Edelmann, der Pfaff, der Junker, das Mädchen und der Bettler machen. Aber der Vadomoritext wurde dann von kirchlicher Seite aus verbreitet, um den anderen, demokratisch verletzenden und frivolen Text dieses Volkstanzes zu verdrängen und zu veredeln I Dass dies sehr leicht möglich sein konnte und dass man für diese Vermutung auch gehörige Anhaltspunkte aus der mittel­alterlichen Literatur-, Kunst- und Kulturgeschichte finden kann, — darüber später! Vorerst möchte ich aber noch aui die Lü­gerx- und Rätselspiele des Volkes hinweisen, mit denen diese Volkstänze zusammenhängen. Auch Ehrismann erwähnt sie in dem schon zitierten Schlussband seiner Literaturgeschichte und be­schreibt u. a. auch dass „Quodlibet" , ein Bauern­4 Vgl. Hermann, a. a. 0. S. 295, und Anm, 1. 6 Vgl. in der Rheinpfalz, Rechtenbach und Schwei­gen : „Siebenter Sprung", Hermann, a. a. 0. S. 285.

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