KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

- 168 — Bildern des Malerbuches zu Athos die Vorstellung von einem „Schicksals! ad" mit den Begriffen vom „Zeitrad", — wie dies ja auch C. F. Meyer, der „Dichter des To­des" in seinem wurdervollen Gedichtlein „Das Heute" so unerreichbar schön zeigt. Diese Verbindung mit dem Zeit­rade ist die Ursache, warum dann das Lebensrad und das Glücksrad die Attribute und Merkmale der „Torwäch­ter-Tiersymbole" und der „Planeten-Symbole" bekommen. Sogar im deutschen Volksglauben hängen die Vorstellun­gen vom Leben des Einzelnen mit den Sternen zusam­men. 1 Und es ist in dieser Hinsicht sehr bezeichnend, was Hilscher in seinem schon öfters zitierten Werke über den Dresdener Totentanz 2 darüber sagt ; „Pythagoras hat nach den 4 Jahreszeiten auch viererlei Alter bestimmt und den Frühling den Knaben, den Sommer den Jünglin­gen, den Herbst den Männern, den Winter aber den Al­ten zugeeignet". Da begriff ein jedwedes Alter rund 20 Jahre. Varro teilt — nach Hilschers Bericht, — das Le­ben in 5 Alter: 1. Knaben bis zum 15. Jahre: 2. Jüng­linge bis ins 30. Lebensjahr ; 3. junge Männer bis ins 45. Lebensjahr ; 4. die Alten bis zum 60. Jahre. Das fünfte Lebensalter bilden die Jahre über 60. Bei Chrysostomus werden in seiner Predigt von Jephtha mit Isidorus über­einstimmend sechs Lebensalter genannt. Dagegen sprach schon Artemidorus in seinem Frauenbuche über „sieben Lebensalter". Der Arzt Hippocrates „setzt" — nach Hil­scher — „zum Grunde die siebende Zahl". Die Alter sind nach ihm: 1. Kind bis zum 7. Jahr. 2. Knabe bis zum 14. Jahr. 3. Jüngling bis auf 28. 4. Junger Mann bis auf 35. 5. Mann bis auf 42. Alternder Mann bis auf 56. End­lich Greis : über 56 . . . Proclus bleibt bei der Einteilung des Hippocrates, begründet sie aber schon mit einem Hin­weis auf die „sieben Planeten". Die Vereinigung der „Tier­symbole" für die „Torwächter-Archonten" mit den „Le­bensalterbildern" ist also ein Einfall des Proclus. Nach ihm „käme die erste Kindezeit dem feuchten Mond zu, das Zweite Alter dem unruhigen Mercurio, das dritte der verliebten Veneri, das vierte der kräftigen Sonne, das fünfte dem starken Marti, das sechste dem vernünftigen Jovi, das siebente dem langsamsten Planeten, dem Sa­turno", der dem Weltall-Ende am nächsten steht. Anto­nius de Grevarra 3 wirft in einem Briefe an den „Marqvi del Vasto" ebenfalls die Frage auf, wieviel menschliche Lebensalter es gäbe . . . , ob 7 oder 6? Endlich stellt er fest, dass es eigentlich nur „drei Lebensalter" gibt. Gel­lius behauptet, — nach Hilscher, — dass der römische König Servius Tullius das Volk so eigenteilt habe: 1. Knaben unter 17 Jahren. 2. Männer unter 46 Jahren. 3. Alle übrigen Leute über 46 Jahren. Piaton unterscheidet neun Alter, Solon zehn, andere unterscheiden wieder zwölf. Nach Hilscher lassen sich die Lebensalter entwe­der in zu- und abnehmende, oder in zunehmende, ste­hende und abnehmende einteilen. Wenn also Walther von der Vogelweide zur „Frau Welt", die „üzen schoene, wiz, grüen unde röt" ist, und „innän swarzer varwe, vinster sam der töt" ist, so spricht: „Got gebe dir frowe, guote naht : ich wil ze herberge varn" (101, 21 ; vgl Rehm, a. a. 0. S. 49), so denkt er an jenes „letzte Haus" auf dem „Lebensrade", also auf dem „irdischen Seelenwege" und zugleich auch auf dem „über­irdischen Seelenwege". So lebt die Vorstellung von den Lebensaltern auch bei Wickram weiter 4, wie ja dann bei den deutschen Mystikern die Auffassung vom Lebensbaum und Lebensrad mit der „Kreuzbaummystik" vermengt wird. Am Kreuze gibt es ja auch — gerade so wie auf dem Lebensrade, — eine rechte, d. h. Lebensseite, und dann eine linke, d. h. Todesseite. Der „Lebensbaum" ist ja auch der Sitz der Stände und der „Kreuzbaum" der Sitz der Lebensalter, d. h. ein Symbol des „menschlichen Lebenskreislaufes", 5 Und diese mystische Einstellung wird 1 Vgl. Grimm. Mythologie. Bd. III. S. 455, Nr. 614 2 Originalausgabe Leipzig 1705, S. 35 ff. 3 Vgl. Hilscher. a. a. 0. S. 37. 4 Vgl. Wicksrams Werke 5, XVCIX; vgl. F. Boll: Die Le­bensalter. Neue Jahrbücher fürdas klassische Altertum 31,89. 5 Vgl. Rehm, a. a. O. S. 101 ; vgl. das mystische Werk des hl. Bonaventura: „Iiactatus qui lignum vitae dicitur", vgl. J. Baum Gotische Bildverke Schwabens. Augsburg 1921, S. 61—72, besonders 66 ff. dann von den Contemptus-Mundi-Werken, besonders Von dem Traktat De Contemptu mundi (Kap. 24) des Innozenz III. verbreitet. 6 Einige von den monumentalen Darstellungen der menschlichen Lebensalter beschreibt vor allem Hilscher in seiner Studie über den Dresdener Totentanz (S. 31 — 40 im IV. Kap. und S. 41 — 43 im V. Kap.), u. zw. die Le­bensalter-Steinskulptur an beiden Chören über den Sakri­steien der Kirche in Annaberg und eine zweite Darstellung in Auerbachs Hof. 1 Besonders im ersten Falle ist die Art der Darstellung sehr interessant Einer jeden Gestalt wird ein Schild beigegeben, auf welchem je ein Sprüchlein zu lesen ist, und neben einer jeden Lebensaltergestall steht zugleich auch .ein „Tiersymbol"; neben dem zehnjährigen Kinde, das die Pfeife bläst, ein Kalb ; neben dem dreis­sigjährigen Manne, der einen Kelch in der Rechten hält, ein Widder; neben dem vierzigjährigen Manne, der in der Rechten eine Partisan hält, ein Löwe; neben dem fünf­zigjährigen Manne (mit einem Stab) erscheint am Schild ein Fuchs ; neben dem sechzigjährigen Manne (einen vol­len Geldbeutel in der Rechten haltend) sehen wir am Schilde einen Wolf ; neben dem siebzigjährigen Alten (mit Paternoster und einer l asche) befindet sich am Schilde ein Hund ; neben dem achtzigjährigen Alten, neben einem gebückt sitzenden Männlein mit Flasche und Stecken in der Rechten, sitzt auf dem Schilde (in der Linken) ein Ka­ter ; neben dem neunzigjährigen Greis sehen wir einen Esel und neben dem krumm sitzenden Hundertjährigen er­scheint eine Totenbahre und ein Gerippe mit der Sense auf der rechten Schulter. Ebenso erscheinen bei den weib­lichen Lebensaltergestalten folgende Tiere : Wachtel, Tur­teltaube, Elster, Pfau, Henne, Gans, Geierfalke, Eule, Fle­dermaus und das Totengerippe. 8 Da im Vadomori nicht nur die einzelnen Stände in einer logischen Folge aneinander ge­reiht werden, sondern auch die Lebensalter auf­treten, das Kind, der Jüngling, der Mann und der Greis, dürfte der Gedanke nahestehen, die Prototypen der Vadomoritexte auch in dem Kreise jener Verslein zu suchen, mit denen man die einzelnen Lebensalter durch je einen zweizeiligen Monolog und — wie dies schon gezeigt wurde, — durch ein symbolisches Tier zu charakterisieren bestrebt war. Anton Englert bespricht in seiner Abhandlung „Die mensch­lichen Altersstufen in Wort und Bild 9 leider nur die späteren Varianten der kleinen Vers­monologe über die „Lebensalter des Menschen", u. zw. nur jene, in denen die „Zehn Alter" auf­treten. Nur ganz am Schluss seiner erwähnten Abhandlung'" erwähnt Johannes Bolte in ei­6 Vgl. Rehm. a. a. 0. S. 63 und S. 105-106; vgl. Basel, Univ. Bibl. Hschr. A V. 23. fol. 37: De aetalibus hominum. 7 Vgl. auch eine eigehende Darstellung dieses Ma­terials bei Frey be. a. a. O. S 17—29. 8 Ähnliche Darstellung sah ich i. J. 1926 im Mün chener Rosen.hul-Antiquariat, u. zw. einen italianischen Holzschnitt von Gi us. Mitelli in Firenze 1690. Da wurden die verschiedenen Altersstufen von dem Tod, einem al­ten, beflügelten Mann mit Sanduhr und Sense in ein Grab getrieben. 1. Infanzia : Telta, pappa, pianli, e cacca. Wickelkind mit Klapper oder Rassel, Steckenpferd und Fahne; 2. Pverizia : Scherzi, e trastulli : Jünglig mit Trom­mel ; 3. Advlescenza : Giuochi, e salti; Jüngling mit Ten­nisball; 4. Gioventy : Allegrezza, c spaszi, Jüngling mit Hund und Jagdgewehr ; 5. Virilitá : Pensieri e fatiche, ein Mann, arbeitend ; 6. Vecchiezza ; Dolori, et affanni, ein Aller mit Stock; 7. Decrepita : Maianni e motte, Greis mit Stelzen vor einer Grube : II Fine. 0 Zeilschrift des Vereins für Volkskunde. XV. Jahr­gang 1905, Berlin; S. 399—412 und XVII. Jahrgang 1907, S. 16-42. 1 0 XVII. Jg. S. 41-42.

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