KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

nem Nachtrag, dass in einer älteren Form der Verse auf die menschlichen Lebensalter nur „sieben Alter" vorkommen. An erster Stelle be­spricht Englert Fischarts Bilderreime zu Tobias Stimmers „Altersstufenund gibt es zu, dass diese, sowie auch die italienischen Ottaven von Johann Christoph Artopeus, genannt Wolcken­stern, 2 sowie auch die Reime des Augsburger Meistersingers Martin Schrot, 3 schon eine sehr späte Abart der vermutlichen ursprünglichen Form der Lebensaltermonologe vertreten. Dies zeigen auch die Reimpaare unter den einzelnen Lebensalter-Holzschnitten, welche aus den ein­zelnen Tiersymbolen der „Torhüterdämonen" des einstigen Lebensrades oder der „Himmels­leiter" ebenfalls Charaktertiere der einzelnen Lebensalterpersonifikationen machen. Unter den Bildern der männlichen Lebensalter steht : 10. Jar ain Knlbl hüpsch vnd fein. Springt wie ain Gaisbocklin herein. 20 Jar aufferwachssen halb, Ist gleich aim vnuerjürten Kalb. 30. Jar in der schonen lustzier, Vergleicht sich aim stossenden Stier. 40. Jar ain Mann also gSt Bekumbt ains rechten Lowens mSt. 50. Jar ain geschwinder Lux, Wirt listig wie ain arger Fux. 60. Jar schwecht das leben seer, Drumb wirt er ain grauneter Beer. 70. Jar macht jn vngsund, Wirt zu aim faulen alten Hund. 80. Jar wirt jm als widertratz. Schnurrt ain alt schobige Katz. 90. Jar ist niemandts gesell, Ain alter vnwerder Esel. 100. Jar ist des menschen zal, Ain alter Ganser in aim stal. Unter den Holzschnittbildern der weiblichen Lebensalter steht : Das 10. JJrig Madien klein Grillet gleich wie ain jungs Zeyszlein. 20. Jar ain Junckfraw wol gefall, Singt wie ain helle Nachtigall. 30. Jar ain hochfertige fraw, Gleich wie sein schwantz auszbrait der Pfaw. Ain 40. Jarige fraw mit ehr, Erhebt jr gmSt wie ain Adler. Ain 50. Jirigs weib z° erkennen, Scharret im hausz wie ain Leghennen. Das 60. JÜrig weib mit schwetzen. Vergleicht sich ainr schnatter Hetzen. Das 70. Jarig weib on siik Wirt ain wollustige Tlubin. Das 80. Jarig weig allweyl, Metzt sich wie ain vngstalte eyl. Das 90. Jlrig weib glust ains Mannsz, Dattert gleich wie ain alte Gannsz. Das 100. Jarig weib mit grausz, 1st vnwerd wie ain Fledermausz. Aber wenn auch die einzelnen Fassungen 1 Zeilschr. d. Ver. f. Volksk. XV. Jg. S. 399-403. 2 Vgl. daselbst. S 401 ff. 3 Die X. Alter der weit, mit jrem lauf vnd ayge­schafften erklliet, nach dem Gesatz gaistlicher weisz. vnd in Reymen verfaszt durch Marlin Schrot, im 1574; vgl. ein Exemplar in der Münchener Universitätsbibl. der Lebensalterdarstellungen 4 die ursprüngliche Rolle dieser Tierbilder nicht mehr zur Geltung bringen, so zeugt ihre Auffassung und die Be­arbeitung des Motivs von einem hohen Alter der Tradition. Besonders interessant sind die Dar­stellungen der männlichen und weiblichen Alters­stufen von Christofano Berteiii, 5 auf denen unter dem mittleren Torbogen des stufenweise auf­gebauten Gehäuses die mit einer Sense bewaff­nete, beflügelte Todesgestalt erscheint, Teufel und Engel um den Besitz der Séele miteinander kämpfen, oben links sich der Himmel und rechts die Hölle auftut, um die Seligen oder Verdamm­ten aufzunehmen. Diese Kombination der Alters­stufen mit der Weltgerichtsszene, sowie auch mit Schöpfungs- und Sündenfallbildern kehrt auch auf den Kupferstichen von G. Alzenbach in Köln wieder, 6 sodass sich fast überall die gleiche Einrichtung, derselbe Textaufbau nach­weisen lässt. Wenn ich nun diese von Englert bespro­chenen Varianten der Lebensalter-Darstellungen mit jenen Lebensalterbildern vergleiche, welche ich schon im ersten Band meiner GTT S. 75 ff. und 209 ff. besprach, so fühle ich mich immer mehr gezwungen, sämtliche Lebensrad- und Lebensalter-Darstellungen für Illustrationen ir­gendeines Volksspiels zu betrachten, das viel­leicht schon den antiken Völkern bekannt war (vgl. später, was ich über die Tanzbräuche im Zusammenhange mit der Danse-Macabre später im Danse-Macabre-Abschnitt zu erklären ge­denke 1) und im Mittelalter ein Gemeingut aller Völker und Volksschichten Europas werden sollte. Und in diesem Gesellschafts- und Volks­spiel, an welches ich hier denke, wurden in der Form eines Tanzes, vielleicht sogar eines Rund­tanzes, die einzelnen Lebensalter mit Gebärden und auch in Wort und Gesang nachgeahmt, ja verspottet. Der einfache Text, den auch auf ei­nem Kupferstich von Gerhard Alzenbach in Köln (1616) verwendet hatte, — „X Jahr ein kindt, XX Jahr ein Jüngling, XXX Jahr ein mann, XL Jahr wolgetahn, L Jahr Stillstahn, LX Jahr gehts alter an, LXX Jahr ein greisz, LXXX Jahr ni­mer weiss, XC Jahr der kinder spott, C Jahr begnad dir Gott", — war dann vielleicht auch schon in den ersten Anfängen der obligate Text zu dem Liede, welches man gelegentlich dieser spöttischen Bauerntänze appliziert hat.' Ich stelle mir jenes volkstümliche Tanzspiel so vor : ein Tanzpaar oder irgendein Vorsänger oder Vor­tänzer stellt sich in die Mitte des Tanzkreises ; die einzelnen Tänzer, deren Zahl sich, als man die Siebenzahl der Lebensalter auf zehn ergänzt hatte, ebenfalls auf zehn erhob, wurden zu Ver­tretern je eines Lebensalters ; es begann nun der Vorsänger oder Vortänzer die einzelnen 4 Englert stellt die Tiersymbole der einzelnen Vari­anten S. 41 im XVII. Jg. der Zeitschr. d. Ver. für Volks­kunde auf einer Tabelle nebeneinander. 5 Ca. 1570; vgl. Englert. a. a. 0. S. 22 ff. 6 Vgl. Englert, a. a 0. S. 31, 37, Abb. 3-4. 7 Englert, a. a. 0. S. 28-29.

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