KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

- 161 — Der Verfasser singt also sein Lied, am die Seele aus seinem Körper zu locken und so leichter sterben zu können. Darin finde ich wieder einen uralten Zug der all­gemein menschlichen Mythologie, welcher sich dann im Mittelalter in eine christianisierte Form verkleidet und in den Vadomorigedichten zum Ausdruck kommt. Nun kehren wir wieder zu unserem altägyptischen Lied zurück, das zunächst erst mit acht Strophen beginnt, welche durch einen Refrain kenntlich gemacht werden, den ich oben nicht erwähnt habe : XXI. Sieh, mein Name wird verwünscht, sieh, mehr als der Geruch von Vögeln an Sommertagen, wenn der Himmel heiss ist. XXII. Sieh, mein Name wird verwünscht, sieh, mehr als ein Fischempfänger, am Tage des Fanges, wenn der Himmel heiss ist. XXIII. Sieh, mein Name wird verwünscht, sieh, mehr als der Geruch von Vögeln, mehr als der Weidenhügel mit den Gänsen. Und so folgen noch weitere Strophen mit diesem Eingang. Sein Name wird verwünscht, mehr als der Ge­ruch der Fischer, mehr als der Geruch der Krokodile, mehr alsein Weib, welches vor dem Manne lügnerisch ver­klagt wird (XXVI), mehr als ein (schwaches) Kind, mehr als eine Stadt, in der die Empörung haust (XXV111). Die weiteren 16 Strophen klingen, wie später der „Jammermonolog des unvorbereitet Sterbenden". Im Re­frain fragt der Unglückliche : Zu wem spreche ich heute ? XXIX. Zu wem spreche ich heute? die Brüder sind schlecht, die Freunde von heute (können) nicht lieben. Wie also der Everyman der späteren Everyman­legende, steht hier der Sprechende von allen Freunden verlassen. XXX. Zu wem spreche ich heute ? die Herzen sind frech, ein jeder nimmt die Habe seines Nächsten. XXXI. Zu wem spreche ich heute ? der Sanfte geht zu Grunde, der Trotzige kommt zu allen Leuten hin. Merkwürdig, dass dieses uralte, allgemein mensch­liche Problem später auch in der Gesamtlegende bearbei­tet wird, wo der visionäre Mann von Gott die Offenba­rung der Ursache verlangt, warum auf der Erde die Gu­ten verlassen und unglücklich leben, währenddessen den Bösen hier alles glückt. XXXII. Zu wem spreche ich heute ? der mit ruhigem Gesicht ist elend, vernachlässigt wird das Gute an allen Orten. Weiter sagt der Dichter, dass die Bösen über die Guten lachen und spricht schon eigentlich dasselbe Pro­blem aus, das im Mittelalter von so vielen Dichtern und darstellenden Künstlern in der Form der Gesamtlegende und in ihrem Zubehör zum Ausdruck gebracht wird : XXXV. Zu wem spreche ich heute ? der Sieche ist treu. der Bruder, der mit ihm ist, wird zum Feinde, Auch die weiteren Stellen des Gedichtes sind sehr wertwoll, da sich in ihnen das allgemein und ewig Menschliche im Rahmen der Gedankenwelt der Vergäng­lichkeitsliteratur zu einer imposanten Höhe emporschwingt. Ich erlaube mir in Klammern die fehlenden Worte des lückenhaften Textes zu ergänzen. XXXVIII. Zu wem spreche ich heute ? die Gesichter vergehen, (doch) hat ein jeder ein Gesicht, ihm teurer, als das seiner Brüder. XXXIX. Zu wem spreche ich heute ? die Herzen sind frech, der Mann, auf den man sich stützt, hat kein Herz. XL. Zu wem spreche ich heute ? Es gibt keine Gerechten, die Erde ist ein Beispiel von Übeltätern. XLI. Zu wem spreche ich heute-? Es fehlt an (Weisheit) (dem Weisen), der unwissend ist zu dem, was er gelehrt hat. Der Satz klingt fast so, wie die „sapiens-stultus"­Verse der Vadomorigedichte. XL1I. Zu wem spreche ich heute ? Es gibt hier keinen Zufriedenen, gehe mit (einem), so ist er es auch nicht. XL1II. Zu wem spreche ich heute ? ich bin mit Elend beladen, ohne einen Treuen. XLIV. Zu wem spreche ich heute ? das Böse schlägt das Land, und es hat kein Ende. Bis daher die Klagen des Jammermonologs eines Unglücklichen, eines Lebensmüden in Ägypten, — 2000 Jahre vor Christus. Nun folgt jener Teil seines Gedichtes, in welchem er den Tod anruft, wie es dann im XII Jahr­hundert der französische Zisterzienser-Dichter, Hélinant, tut. „Ante fores sto, mox pervigil esto 1" — sagt es der Tod in den mittelalterlichen Contemptus-mundi-Gedichten. Die­sen Gedanken wiederholt auch unser ägyptischer Dichter refrainartig in seinem „Gespräche mit seiner eigenen Seele": XLV. Der Tod steht heute vor mir, wie wenn ein Kranker gesund wird, wie wenn man ausgeht nach der Krankheit. XLVI. Der Tod steht heule vor mir, wie der Geruch der Myrrhen, wie wenn man am windigen Tage unter dem Segel sitzt. Das uralt-menschliche Bild vom „Totenschiff" steckt hinter diesen Ausdrücken ! XLV1I. Der Tod steht heute vor mir, wie der Geruch der Lotusblumen, wie wenn man auf dem Ufer der Trunkenheit sitzt.

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