KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte
XLV1II. Der Tod steht heute vor mir, wie ein Regenbach, wie wenn einer aus dem Kriegsschiff zu seinem Hause kommt. XLIX. Der Tod steht heute vor mir, wie eine Himmelsentwölkung, wie einer, den ich zu etwas (erläutere), was er nicht wusste. L. Der Tod steht heute vor mir, wie jemand sein Haus wiederzusehen wünscht, nachdem er viele Jahre in Gefangenschaft (im Exil) verbracht hat. Nach der Darstellung des irdischen Elends, der Weltentsagung, nach dem herrlichen Bilde des Todes, als eines Wohltäters aller Unglücklichen und Verlassenen, — folgt nun das erhabene Ziel, die Vergötterung des Ichs im Jenseits, die Glorie des durch Entsagung Gereinigten in der Welt des göttlichen Sonnenlichtes : LI. Wer dort ist, wird ja (verherrlicht) wie ein lebender Gott und straft die Sünde an dem, der sie tut. LII, Wer dort ist, wird ja im Sonnenschiff stehen und verleiht das Erlesenste an die Tempel. Merkwürdig ist dieser Zug, dass derjenige, der im Jenseits ankommt, in dem Jenseits, das unser ägyptischer Dichter nur mit einem „Dort" bezeichnet, Gnaden an die Tempel spendet I Uli. Wer dort ist. wird ja ein Gelehrter sein, dem man nicht gewehrt hat, und bittet den Re, wann er redet. Diese Worte überzeugen die Seele dann von der unerreichbaren Schönheit der Überwelt, sie lässt sich dazu überreden, alles Irdische zu verlassen, sie erklärt dann (L1V—LV), dass sie dem Verlassenen den Weg nach dem „Westen" nicht mehr versagen will : sein Körper soll zur Erde kommen und die Seele lässt sich nieder, nachdem der Körper schon ruht, sie will mit dem Körper zusammen eine Stätte haben, d. h. sie will — die fehlenden Hinterbliebenen vertretend, — den Körper in seiner letzten Ruhestätte mit ihrer Gegenwart weihen, indem sie sich aus der Sonnenwelt zu ihm herablässt. Diesen wertvollen Beitrag zur Urgeschichte der lehrhaften Vergänglichkeitsliteratur, welchen A. Erman in seiner erwähnten Studie 1 so eingehend bespricht, habe ich gerade im Interesse des tieferen Verständnisses der Vadomorigedichte hier wenigstens teilweise mitteilen müssen, da ich doch zeigen will, welch uralte Traditionen sich in unserem Vadomorigedichte im Rahmen der christlichen Weltanschauung vereinigten. Altägyptischer Seelenglaube äusserte sich in diesem hier besprochenen ältesten Zeugnisse einer Vadomoriform ! Aber urmenschlicher Seelenglaube ist auch die Quelle der Idee von 1 Vgl, a. a. 0. S. 8-13. einer gleichmässigen Reihenfolge der durch das „Tor des Todes" dahinwandelnden Seelen , bzw. Sterbenden ! Denn wenn wir aufmerksam in die Geheimnisse dieses altägyptischen „Seelenliedes" dringen, so müssen wir zugeben, dass es sich in ihm um die altägyptische Form des Begriffes vom „überirdischen Seelenweg" handelt. Der „Lebensmüde" singt ja sein Lied mit der Absicht, die Seele aus dem Körper zu locken, spricht also mit der Seele ganz so, wie der Körper mit der „Anima" in der mittelalterlichen „Altercatio animae et corporis" ; er ist aber im Begriffe, den „Weg nach dem Westen" ins Überweltsreich zu betreten. Er singt also sein Lied schon hier auf Erden in den letzten Minuten des Lebens, um diese „Seelenhymnen" auch während des „Weges nach dem Westen" fortzusetzen und kraft der Zauberwirkung dieser „Seelenlieder" nicht nur die Seele aus dem Körper zu locken, sondern auch jene „Torwächter-Dämonen" dienstbar zu machen, welche die einzelnen Tore des „überirdischen Seelenwegs" hüten. Im ersten Band meiner GTT S. 195 und 197 habe ich die Darstellung des orientalischen Bildes vom „überirdischen Seelenweg" nach Celsus und Origenes besprochen, und wer nun auch das altägyptische „Seelenlied" und weiter dann alles, was ich über die Vadomorigedichte zu sagen beabsichtige, verstehen will, der möge die bezeichneten Stellen des ersten Bandes nochmals durchlesen. In beiden Fällen führten dort in einem Kreissystem sieben Überweltstore zu einem achten, zur „Ogdoas" , — und ein jedes Tor hatte seinen eigenen Torhüter-Archon, welcher durch ein Tierbild charakterisiert wurde : beim untersten Tor fanden wir dort den „Esel" als Symbol für den Torhüter-Archon, beim zweiten Tor einen „Hund", beim dritten einen „Bären", beim vierten einen „Adler" (Gabriel), beim fünften einen „Drachen" (Raphael), beim sechsten einen „Stier", d. h. den „Sotis-Stern", dessen Untergang am Himmel den Tod andeutet (deswegen bedeutet auf dem symbolischen Kreuzsystem des Evangeliars der Uta das OS im „Mors"Monogramm : „Occasus Signorum"!) und der „Suriel" heisst. Er ist hier der Hüter des Todestores, welches als das sechste genannt wird, aber eigentlich schon dass siebente Tor ist, weil ja bei Celsus und Origenes „die Erde" und der „irdische Feuerwall" der Ausgang des „überirdischen Seelenweges" — und zugleich die „erste Stufe", — sein musste. Zuletzt wird dort als siebentes, bzw. achtes Tor der Saturnus genannt, dessen „Torhüter-Dämon" mit einem „Löwen" angedeutet wird. Daher bedeutet im Offertorium der Seelenmesse jenes „libera eos de ore leonis" einen Hinweis auf diese uralte Überweltsvorstellung. Auch durch Metalle und durch Planetennamen wurden die Eigenschaften der Tore angedeutet, aber jedesmal ist der „gehörnte Mond", d. h. der „Sotis-Stern" (Stier), mit seinen sichelartigen Hörnern, das Symbol