KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

8. Schulmässige Nachahmung und Ständeliteratur Die im vorangehenden Kapitel besproche­nen und teilweise wörtlich mitgeteilten Todes­gedichte und Contemptus-Mundi-Texte wurden in den Klöstern vorgelesen, wie dies Vinzenz von Beauvais in seinem Speculum históriaié XXIX. bezeugt. Auch die Gedichte von Heli­nandus und von Thibaut de Marly erfreuten sich einer solchen Popularität. 1 So wurden aber jene Gedanken, welche die Contemptus-Mundi­Werke über das gleiche Los aller Menschen 2 verbreiteten, ein Gemeingut klösterlicher Kreise. Die grösste Wirkung auf die Weltanschau­ung dieser Kreise hatte dann noch ein Werk : der Contemptus-Mundi-Traktat des Papstes In­nozent III. „De miseria humanae condicionis". 3 Die Art und Weise, wie Innozenz III. in seinem Traktat das Treiben der einzelnen Stän­de charakterisiert, 4 hatte im Laufe des Mittel­alters ebenso treue Nachahmer, wie z. B. . das „Secretum " von Petrarca in Otto von Höchberg (im ersten Viertel des XV. Jahrhunderts in sei­nem Tractatus de contemptu mundi) einen ge­wissenhaften Bearbeiter gefunden hat (vgl. Pe­trarca „De remediis ..." etc.). Schon vom An­fang des XIII. Jahrhunderts schenken die ver­schiedenen Contemptu-Mundi-Schriftsteller dem mittelalterlichen Ständemotiv eine immer grös­ser werdende Aufmerksamkeit. An erster Stelle möchte ich vor allem das Werk „Besant de dieu" von Guillaume le Clerc 6 erwähnen. 6 Veröffentlicht wurde das Werk von Ernst Martin,' der sämtliche auffindbare Hand­schriften des Gedichtes aufzählt und auch et­was über die Entstehungsgeschichte desselben mitteilt. Guillaume schrieb sein Gedicht, nach der eigenen Aussage des Dichters in Vs. 159 ff., kurz nach dem Tode des Königs Ludwig VIII. des Löwen von Frankreich (1223—1226). 1 Vgl. Emile Male : L'art frangais de la fin du moyen äge. L'idée de la trior! el la danse macabre. Revue des deux mondes. LXXVl. Jg. V. Folge. Bd. 32. 1906 S. 650-651. 2 Vgl. Horaz. Carm. 1, 28. 19 ff.; 2. 3. 21-29; 3, 1. 14—16; Hartmann v. Aue, A. Heinr. 717—721 ; Fieidank 176, 16-18. 3 Hg. von. J. H. Achterfeldt. Bonn 1855 ; vgl. Frank­furt, Stadtbibl. cod. 98 der einstigen Dombibl. fol. XV. Jh. anno 1431, fol. 10a ff.: Contemptus mundi i. e. Lo­tharii diaconi cardinalis de ulilitate (I) (uilitale?) huma­nae conditionis . . . ; daselbsl Ms. Praed. 77 : liber de mi­seria humanae conditionis a lolhario etc. saec. XV. fol. 242a—258a; Würzburg Univ. Bibl. Innoceniius III. pp. Lotharius cardinalis, olim Lotharii Diaconi : De contemptu mundi 'saec. XIV. M. ch. f. 193, fol. 228b—243b ; M. p. Ih. f. 127b. saec. XV. M. ch. f. 86; saec. XV. M. ch. f. 135; saec. XV. M. ch. f. 186; saec. XV. M. ch. f. 52; vgl. Stammler, a. a. 0. S. 12. 52, Anm. 15; vgl. daselbst in der Hschr. saec. XV. M. ch. f. 109 : Henricus de Has­sia, Langenstein : De quatuor novissimis. 4 Vgl. De contemptu mundi, Kap 14: De variis studiis hominum. Migne, Pair, lat CCXVI1. Sp. 707 11. ; vgl. K. Burdach, Ackermannkommenlar. Bd. I. S. 394. 5 Im ersten Drittel des XIII. Jahrhunderts. 6 Vgl. Stammler, a. a. 0. S 13, 52, Anm. 17. 7 Halle, Verl. des Waisenhauses, 1869. Dieser starb im Kriege gegen die Tolosaner, nachdem er Avignon erobert hatte. Die Albi­genser-Kriege, die 1208 nach der Ermordung Peters von Castelnau begonnen hatten, waren durch die Beteiligung der französischen Ritter und auch des französischen Königs zu Ende gebracht worden. Die vollständige Niederlage der Albigenser erfolgte am 8. November 1226 zu Montpensier in der Auvergne. Das Gedicht „Wilhelms des Klerikers" entstand also gegen Ende 1226 oder Anfang 1227. Wilhelm ist ein Zeitgenosse des Helinandus, dessen Todesge­dicht ich noch eingehend untersuchen möchte. Der Dichter Wilhelm erwähnt auch, dass Je­rusalem (Vs. 2592 ff.) beinahe volle vierzig Jahre in heidnischer Knechtschaft sei. Nachdem Saladin im Okt. 1187 Jerusalem eingenommen hatte, würde sich nach dieser Datierungsmög­lichkeit das Jahr 1227 als Entstehungsjahr für das Gedicht „Besant de Dieu" ergeben. Als seine wichtigste Quelle (Vs. 1251 und 3299) nennt Wilhelm die Schrift „De miseria condi­tionis humanae" des Papstes Innozenz III. E. Martin stellt in seiner Ausgabe S. XVI—XVII. jene Stellen zusammen, die in dem Gedichte an dieses Contemptus-Mundi-Werk erinnern. Besonders interessant ist die Stelle Vs. 1321 — 1400, welche man mit der Stelle I. 9 der Con­temptus-Mundi-Schrift des Innozenz III. verglei­chen möge. Hier heisst es : „Quem fruetum ho­mo producit . . . Herbas et arbores investiga. Illae de se produeunt flores et frondes et fruc­tus, et heu tu de te lendes et pediculos et lum­bricos. Illae de se fundunt oleum, vinum et balsamum, et tu sputum, urinam et stercus. Il­lae de se spirant suavitatem odoris, et tu de te reddis abominationem foetoris. Qualis est er­go arbor, talis est fruetus". Das ist aber dann auch der eigentliche Grundgedanke der Bilder vom „Menschenbaum !" — Und noch einen Gewährsmann führt Wilhelm Vers 3073 an : le bon evesque de Paris Maurice. Es ist Moritz von Sully, der Nachfolger des Petrsus Lombar­dus. Er war in den Jahren 1160—1196 als Nach­folger des Petrus bis zu seinem Tode Bischof von Paris und war berühmt als Erbauer der neuen Kathedrale Notre Dame und zugleich auch als bedeutender Schriftsteller. Das Gedicht „Le besant de Dieu" beginnt mit der Feststellung, dass es bis dorthin noch nicht aktuell war, Gottes Wiederkunft auf die Erde zu erwarten (Vs. 1—5), nun aber beginnen die apokalyptischen Zeiten, welche der Dichter, „ein Kleriker aus der Normandie, früher welt­licher Dichter" (Vs 15—78), an einem Samstag Abend in der Sorge um Weib und Kinder und für seine Seele auf­zuzeichnen und zu schildern beginnt. In seinem Gedichte befindet sich das Alexandermotiv, nur auf den franzö­sischen König übertragen (Vs. 79—158), der im Kriege gegen die Tolosaner starb. Von seinen gierig erworbenen Ländern blieb ihm nur die Grube als seine einzige Habe und seine letztes Gut zurück, und er ward ärmer, als ir­gendeiner seiner Söldner. Nach einer Schilderung der Hin­fälligkeit des menschlichen Lebens (Vs 159—404) beginnt der erste Teil des Gedichtes (Vs. 405 — 1166) über die Tor­heiten und Sünden der Menschen. Dann schildert das Ge­dicht die „drei Feinde" des Menschen (Vs. 405—572', die „Welt", das „Fleisch" und den „Teufel" ... es sind die

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