KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

- 141 — ner Betrachtungen : Z. 13—14 „Du enmacht niet wiszen, of dir sij / zijt dijns steruens na of bij, . . .". Erst mit der Zeile 21 beginnt das Ge­dicht „Chartula nostra" in niederrheinischer Übersetzung : „Dit boechelijn hain ich dir ge­sant . . . etc." Der Übersetzer erlaubte sich eine freiere Darstellung des Gegenstandes, wenn er den Tod so einleitet : Z. 41 ff. „Wat is dir hude vreuden noit, / as dich lichte morne nympt der doit 1 / Gheyn gut mach dir zu Staden stain, / dat du dem dode moechs intgain". Als wenn der Übersetzer an das bekannte Gedicht von Kon­rad v. Würzburg gedacht hätte, so beschreibt er „die werilt": Z. 67—68 „Wat der werilde scho­nen schijn / Git, dat dunkitym vulnis..sijn". Be­sonders von Z. 100 an erweitert der Übersetzer den Rahmen seiner lateinischen Vorlage, es ist sehr interessant, wie er den Tod, die Fäulnis im Grabe, das menschliche Leben, welches wie der Schnee im Sonnenschein vergeht, die Nich­tigkeit der „vrouwen mynne", das Elend der Hölle und die Freuden der himmlischen Stadt schildert. Ich glaube, grössere Teile des Ge­dichtes nicht zitieren zu müssen, es ist ja sei­nem ganzen Umfange nach bei Schröder 1 zu lesen und im XIV. Jahrhundert konnte ja diese Übersetzung keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Motive haben. Überhaupt be­sitzt dieser altdeutsche Text keinen besonderen literarischen Wert. Die lateinische Vorlage aber, das Gedicht „Chartula nostra" ist ein wichtiges Glied in der Reihe der Entwicklungsstadien der Contemptus­mundi-Texte bis zum Vadomori. Diese hohe Bedeutung der pseudobernardinischert Gedichte erkannte schon Vigo, der in seinem Werke „Le Danze Macabre in Italia" 2 sogar an zwei Stellen die Gedichte erwähnt, welche dem hl. Bernhard von Clair­vaux zugeschrieben werden. Das eine Gedicht zitiert er nach Du Merit : Poésies populaires latines du moyen áge. Paris, Firmin Didot, 1847, S. 125—127 nur von der vierten Strophe an: „Ubi sunt qui ante nos in hoc mundo fuere, / Veni ad tumulos, si eos vis videre . .." etc. Da­selbst teilt Vigo auch ein zweites Gedicht wörtlich und im vollen Umfange mit : 0 caro Candida, post breve fetida plenaque faecis ! Flos modo, mox fimus et fimus et infimus, unde tumescis ? 0 caro carnea, jam modo glarea, poslremo vermis, Nunc homo, eras humus, (istud enim sumus) unde superbis ? 0 caro debilis ? 0 cito labilis! 0 male mollis! Quid petis ardua? Quid tibi cornua ferrea tollis ? Quid tibi capula. milleque fercula, milleque pastus ? Res leve, proflua, vivaque mortua cur tibi fastus ? Unde superbia ? Faex tua gloria morte remissa ; Faex, tua pranaia ; faex, tua gaudia ; faex es et ipsa. 1 A. a. O. S. 357-374. 2 Bergamo 1901. S. 55-57 und 80—81. Quid tibi balnea, vestis et aurea ? Quid tibi venter ? Culta licet caro. semper eris caro, nec caro semper. Post hominem cinis es ; caro desinis esse, putrescis etc. Es stimmt mit einer S. 127b —128a zitierten Stelle des Contemptus-Gedichtes von Bernard. Morlanen. überein. Über ein anderes Gedicht, welches dem Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird, stellt Vigo fest, 3 dass es ein Parallelstück zum Dies irae sei : „ludicabit om­nes gentes / Et salvabit innocentes,../ Arguet vero poten­tes / Et deliciis fruentes . . ." etc. 4 Über die grosse Beliebt­heit der Contemptus-Mundi-Gedichte des „Pseudobern­hard" 5 und die Wirkung des Gedichtes „Chartula nostra" habe ich schon im ersten Band meiner GTT S. 228a im Zusammenhange mit dem Dialógus Creaturarum (vgl. Mors resecat, mors omne necat . . .) und mit der Alterca­tio animae et corporis 6 öfters betont. B. Hauréau hat in seiner schon einigemal zitierten Arbeit über die pseudobernhardinischen Todesgedichte ausser dem Gedichte „Chartula nostra" 7 und den schon erwähnten Gedichten gleichsam unsicherer Herkunft noch eine Reihe anderer Gedichte registriert. So erwähnt Hauré­au 8 das Gedicht „Vitae praesentis si comparo gaudia ventis. Cum neutrum duret, nemo reprehendere curet. Omnis in hoc mundo fidens est sicut Arundo, Quam ventus agitat fluviusque simul labefactat..." Es befindet sich in den Handschriften Paris, Bibl. Nat. ms. lat. 2380 (fol. 123), 8023 (fol. 52). Bern 434, 702.710. a Der Text wird u. a auch Marbod, dem Bischof von Ren­nes, zugeschrieben (geb. ca. 1035 zu Angers, und gest. 1123), der in Angers unter Rainaldus, einem Schüler Ful­bert von Chartres, den ersten Unterricht genoss und da­selbst später auch selbst als Lehrer tätig war. Er wurde Erzdiakon und vom Papst Urban II. i. J. 1096 zum Bi­schof von Rennes ernannt. Während einer einer Rom­reise Rainalds von Martigné verwaltete er auch die Diö­zese von Angers. Die älteste Ausgabe seiner Werke er­schien zu Rennes 1524. Ausser diesem dem Marbod zugeschriebenen Texte (bei Hauréau unter Nr. III. besprochen) bespricht Hauréau unter Nr. IV. auch den schon erwähnten Text : „Vos qui diligitis bona quae retinere nequitis Et non diligitis quae perpetualia scitis . . ." Von Beaugendre wurde auch dieses Gedicht Marbod zu­geeignet. Die handschriftlichen Quellen sind : Paris. Bibl. Nat. ms. lat. 2380, f. 124; Wien, ms. lat. 901 ; Bern. ,02. 3 Vgl. a. a. O. S. 80 4 Vgl. Du Méril, a a. O. S. 100 ff. 5 Vgl. Rehm. a. a. O. S. 56. Anm. 2, bzw. 3. 6 Vgl. GTT Bd. I. S. 254b—255a, 262b und 263b (0 miranda vanitas 1) 7 Vgl. Kirchenbibl. von St. Marien in Danzig, Hschr, Nr. Q. 24. f. 182; Wien, Nat. Bibl. Nr 858, saec XIII. f. 1. 978. saec. XIV. f 1, vgl. daselbst das Gedicht „Dolus mundi" 3634,7; 3513, 34; 3670,2; 1387T 3; Karlsruhe, Reich. 36. saec. XIV —XV.. wo die Klage eines Verstorbenen mit einem Standesgedichte verbunden wird, vgl. fol. 4b, 7b, 9b, 10a ; vgl. Migne, Patr. lat. CLXXXIV. 1862. Sp. 1307-1314. 8 A. a. 0. S. 14. 9 Anonym ; vgl. Herrn. Hagen, Carmina medii aevi. S. 164; Hildeberti Opera et Marbodi opuscula, ed. Beau gendre, col. 1572. nach einer Hschr. aus Saint-Gatien.

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