KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur
dichten" besprechen möchte. Sogar Hugo von Trimberg behauptet in seinem „Registrum multorum auctorum ", dass der Abt von Clairvaux der Verfasser des „grossen" (in Daktilen geschriebenen) und des „ kleinen " Contemptus mundi (an den Rainaldus) gewesen wäre. Als die wichtigsten Handschriften dieses „grossen" Contemptus-Werkes nennt Hauréau die Codices in der Pariser Bibl. Nat. Nr. 8460, 8491, 11344 (in allen drei Handschriften anonym !) Aber auch unter Nr. X. bespricht Hauréau unser Gedicht nach der Hschr. Paris, Bibl. Nat. 15690 (fol. 1); hier steht nach dem Titel des Gedichtes von Bernhard von Morias „De contemptu mundi" die Anmerkung : Domino et patri suo Petro, dignissimo abbati fratrum Cluniacensium, ejus filius, eorum frater" . Unser Gedicht befindet sich auch in einer Handschrift der Bibliothek der Zisterzienser-Abtei Rein oder Reun bei Graz (Steiermark), u. zw. in dem Manuskript Nr. 35. Pg. aus dem XII. Jahrhundert (263 Bll. kl. 4°). Hier steht unser Gedicht nach Homilien und Gedichten des Bernhardus von Clairvaux als das 14-te Stück der Handschrift fol. 194a —259a : Bernardi Morianensis monachi Cluniacensis (c. 1130) carmen de contemptu mundi. Nach dem Katalog (Xenia Bernardiana, Bd. 1. Wien 1891) der Bibliothek wurde das dem Cluniazenserabt Petrus dem Ehrwürdigen gewidmete und in leoninischen Hexametern geschriebene Gedicht zuletzt in Lüneburg i. J. 1640 veröffentlicht. Nach dem Contemptus-Weike folgt als Nr. 15 (fol. 259a—260b) ein Carmen de incarnatione verbi (Anf. „Salue Petre bone..." 73 Verse), welches scheinbar ebenfalls von Bernhard von Morias geschrieben wurde, da es gleichsam mit einem Gruss an den Abt Petrus beginnt. Ein darauf folgendes Distichon bezieht sich vielleicht auf Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, der mit dem Sehwerte am Altar den 29. Dezember 1170 ermordet wurde. Das Distichon erinnert sehr an die Form der Vadomorigedichte : „Quis moritur ? praesul. Cur? pro grege. Qualiter? ense. Quando? natali. Quis locus ? ara dei." Auf fol. 261b —263a dieser Handschrift in Reun befindet sich ein ..Carmen de morte"-,,comitis Friderici et aliorum" „Anf.: „Questio discurrit ueteres apud unde ruine" ... 57 Verse ... Ich kenne übrigens noch eine Handschrift des Gedichtes in der Bibliothek des Budapestet- Nationalmuseums. 11. Cod. medii aevi : Bernardi Morianensis poema de contemptu mundi. saec. XII. Nr. 11. 713. Qu L. Eine weitere Handschrift vgl. auch im Zisterzienserstift Zwettl : Nr. 36. Pg. XII. Jh. (200 Bll. Fol. 2 Coli.) fol. 170v-188. S. Bernardus de statu mundi (metrice). Anf. (des Prologs) : Domino et patri suo Petro dignissimo abbati cluniacensium fratrum .. . Schluss : Omnia nobisque impelralo eterna gaudia amen. Das Gedicht, dessen gereimte Hexameter in einem Umfange von ca. 3200 Verszeilen mit Prosaeinleitung und Widmung an den Abt Petrus in drei Büchern eine Reihe von sehr interessanten Vadomori- und Totentanzmotiven bearbeiten, wird auch von J. Huizinga in dem bekannten Werk „Herbst des Mittelalters" 1 erwähnt. Huizinga übersetzt gerade jene Stelle, wo Bernhardus ausdrücklich das „Lebensrad" erwähnt, dessen Vorhandensein und bedeutende Auswirkung auf die Entwicklung der mittelalterlichen Totentänze und auf die Entstehung der 1 Deutsch von T. Wolff-Mönckeberg ; Stutlgarl 1938, S. 194 und 502. Everyman-Todesgestalt mancherseits geleugnet wurde, — und ausgerechnet unter Berufung auf Huizinga 1 Für unsere Forschungen ist das Contemptus-Mundi-Werk von Bernhard von Morlay ein ungemein wichtiges Quellenwerk für die Entstehung und Entwicklung der Totentanzmotive in der Vortotentanzzeit und für die Entstehung der Vadomorigedichte. Bernhard geht vor allem aus einer Schilderung des Jüngsten Gerichtes aus, somit entwickelt sich schon der Begriff vom Jüngsten Gericht in einer Weise, dass er leicht auch auf das Iudicium Particulare übertragen werden kann. Wie wir sehen werden, ist ja dies der eigentliche Ausgang zu den Totentanzdarstellungen. Die zwei Worte des Richters am Jüngsten Gerichte: „Kommt!" und „Geht !" leiten schon hier die Todesbetrachtungen ein, — ganz wie im vierzeiligen oberdeutschen Todtentanztext und in seiner lateinischen Quelle (in der ersten Predigt). Die Formeln „Die, ubi sunt?" und „Cur?" charakterisieren auch hier schon die Vergänglichkeitsschilderung. Der Dichter vereinigt schon hier die Gisant-TypSzene mit den Everyman-Todesszenen und mit der Geschichte des Reichen und des armen Lazarus. Ja, er vereinigt mit der Gisant-Typ-Beschreibung der Verwesung auch die Szene aus der Altercatio animae et corporis und erwähnt, — wie dies später auf den Gesamtlegendenbildern in Subiaco und Pisa geschieht, — nicht nur diejenigen, die sich vor dem Tod flüchten, sondern auch jene, die den Tod schon mit Sehnsucht erwarten. Ganz ausdrücklich betont der Dichter seine Kenntnis in der Schilderung jener Art, wie man zu seiner Zeit das menschliche Leben und das Treiben der „Frau Welt" als ein „Lebensrad" dargestellt hatte. Eine im Grabe liegede königliche Gestalt wird, — ganz wie bei Heinrich von Melk, — zu einem symbolischen Bild der Vergänglichkeit der Schönheit und der Macht. Diese Beschreibung des königlichen Toten im Grabe erinnert so sehr an die entsprechende Stelle bei Heinrich von Melk, dass man einen näheren Zusammenhang zwischen den beiden Darstellungen mit Recht annehmen dürfte. Und knapp nach dem Bilde des Lebensrades schildert Bernhard zugleich auch den „Weg des Todes", als einen Weg sämtlicher Standesvertreter, indem er die Stelle Horat. Epist. 1.16. Vs. 79 zitiert (Mors ultima linea rerum), den Caesar als ein typisches Beispiel der Nichtigkeitsdarstellung hinstellt und den Tod ebenso anruft und zu allen Ständen der Welt schickt, wie später Helinandus und Th. de Marly. Ja, unser Bernhard erwähnt sogar das „kriegerische Heer" der nächtlich dahinziehenden „Eumeniden", d. h. den Zug der „Herlekinleute". Im zweiten Buche seiner Dichtung schildert uns dann Bernhard das „Bild des Todes" („mortis imago"), und bald darauf folgt der wichtigste Teil seines Werkes : Er lässt eine Reihe von Standesvertretern nacheinander auftreten und erzählt uns, was sie, mit Musikbegleitung singend, über ihr Leben