KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

-127­in einem Monologe von je zwei Verszeilen ver­raten, indem sie schon den „Weg des Todes" betreten. Diese Stelle bei Bernhard ist schon eine primitive Form der Vadomorigedichte ! Und dieser primitive Prototyp der Vadomori-Mono­logreihen wird hier ausdrücklich mit den Le­bensradvorstellungen vermengt ! Die Stände bei Bernhard sind : senior, juvenis, praesul, scep­triger, presbyter, clericus, miles, nobilis, censor, institor.-'rusticus, — und die Reihe schliesst mit dem „pontifex" . . . Es folge nun hier eine Reihe von Zitaten, welche uns die Richtigkeit meiner Feststellun­gen beweisen sollen : (Ich teile überall die Seitenzahl der Wright-Ausgabe mit und leite die einzelnen Zitate mit kleinen Erklärungen ein !) Das erste Buch des Bernard'schen Contemplus­Werkes (Liber Primus) beginnt (S. 7): „Hora novissima, tempóra pessima sunt, uigilemus, Ecce minaciter imminet arbiter ille supremus ; Imminet. imminet, ut mala terminet, aequa coronet ; Recta remuneret. anxia liberet, aethera donet ; Auferet aspera duraque pondéra mentis onustae ; Sobria muniat, improba puniat, utraque juste. Ille piissimus, ille gravissimus ecce venit rex ; Surgat homo reus, instar homo Deus, a Patre judex". Es beginnt nun die Darstellung des Jüngsten Ge­richtes. Das „Ite" und „Venite" steht hier ebenso am An­fang des Gedichtes, wie in der ersten Predigt des vierzei­ligen oberdeutschen Todtentanztextes : Hinc chorus impius, indeque sobrius audiet, „Ite, „Ite manus rea, grex meus in mea regna venite". Es wird dann weiter das alles verzehrende Höllen­feuer dargestellt, welches die Welt am Jüngsten Gerichte vernichtet und von den Sünden und Sündern reinigt. Der Sternenhimmel dreht sich da nicht mehr, das All stürzt ein. Aber das Leben der Seligen ist über alle Begriffe schön und herrlich I (S. 9). Doctaque pectora, pulcraque corpora prorsus habebunt ; Pulcra, citissima, fortia, libera, deliciosa, Sana, vigentia, jamque carentia morte perosa. Esset ibi decor Absalon indecor, et coma, necnon Pes piger Asael, et manus Israel, arida Sampson. Nullaque Caesaris inscia comparis illa facultas. Et Salomonia nulla potentia, nulla voluptas. Non Moyses ibi sana daret sibi lumina, dentes ; Mathusalem breve viveret ; haec bene quaerite mentes, Quaerite, quaerite, quaerere surgite gaudia para, Gaudia stantia, non pereuntia, nec peritura. Der Dichter verherrlicht hierauf den Frieden der Seligen und das übernatürliche Leben im Himmelreich ohne irdische Beschwerden, belebt durch die „Lux aeter­na". Der Himmel wird in seiner Schönheit mit der Stadt Sion verglichen. Dabei verwendet Bernhard die Formel „Cur?", wie später auch eine andere bekannte Formel, „Die, ubi sunt ?", zu einem traditionellen Ausdruck der Nichtigkeitsdarstellung wird. Wenn aber der Himmel so schön ist, wozu suchen die Menschen hienieden das Ver­derbliche ? (S. 20). Manna relinquitis atque recurritis ad Pharaona ? Cur ea quaeritis unde peribitis, unde ruetis ? Cur pereuntia fine, ruentia morte tenetis ? Turba theatrica, turba phrenetica, quo properatis? Man soll also Busse tun und die Wunden der Seele heilen, denn (S. 21): Hora novissima, lux venit ultima, crimina torrens ; Grata sed effera, blanda sed aspera, clara sed horrens. Imminet ultimo, mors, tribulatio, qualis ? amara ; Luxque jacentibus, evigilantibus horrida. clara. Dann beschreibt der Dichter den „infernalen Laby­rinth". Und dahin schickt der „Christus Judex" jene, die die Vergänglichkeit des Lebens nicht immer vor Augen hielten : (S. 22). Quisque scelus fleat, atque tremens eat, et tremebundus. Cras ruit ordine, qui stat in agmine, nunc quasi mundus. Omnia qui regit, hos premit, hos legit, omnipotens Rex ; Est hominis via, nunc mala, eras pia. nunc rosa, eras faex. Mox rosa fit rubus, ipseque eras lupus haeret ovili... etc. Auch dieses „nunc-cras" ist eine alte traditionelle Ausdrucksform der Nichtigkeitsdarstellung, wie ja auch der Hinweis auf die schnell verwelkte Rose ein alther­kömmliches Motiv derartiger Gedichte sein musste. Nun zählt der Mönchsdichter jene auf, die alle auf den Ort kommen, woher es schon keine Rückkehr gibt. Also vor allem die „gens Babylonia", die „gens tenebra­rum". Die Kinder der Finsternis werden dort wie Holz brennen müssen. Sie werden vom Feuer, von der Nacht für ewig vernichtet und verzehrt. Im Feuer werden sie von Würmern genagt 'S. 24). Der „Gorgonische Riese", die Vision über die Höllendämonen und die Verwesung wer­den ihr Höllenerbteil sein. Trauer und Weinen, auch Käl­te und Frost werden jene quälen, die von Gottes Gerech­tigkeit als „esca daemonis" verdammt werden. Merkwür­dig, wie der Mönchsdichter die Geschichte vom „Dives et Lazarus" in seine Betrachtungen flocht (S. 29), — ganz jener Auffassung entsprechend, welche später in der „Ge­samtlegende" zur Geltung kommt : „Est modo Lazarus hic, ibi tartarus, et gula pridem, Ebria potibus, ebria pastibus ardet ibidem. Dives obit sine spe, sine nomine, dives egenus ; Nomine Lazarus unde flet, inferus est modo plenus. Dives aquam petit, esuriens metit ubera plena ; Gloria fletibus, ebrietatibus est data poena. Post sua funera, dives ad infera, pauper ad astra ; Qui flet in ulcere, gaudet in aethere, flet gula pasta. Stillula quaeritur, et gula plangitur, oraque sicca ; Non data stillula, cur ? quia parvula non data mica. Nunc ubi pallia ? nunc ubi prandia ? nunc ubi coena ? Pallia, prandia sunt fugientia, stat sibi poena". Nach diesen leisen Beziehungen zur „Die, ubi sunt ?"-Li­teratur, folgt die Beschreibung der Leiden der Un­barmherzigkeit in der Unterwelt. Auf S. 31 befindet sich dann eine Gisant-Typ-Beschreibung des Körpers. Nicht nur die Seele der Bösen wird in der Hölle dem ewigen Tode geweiht, auch den Körper zersetzt die Verwesung ; dabei verwendet unser Mönchsdichter die Formeln der schon besprochenen Altercatio animae et corporis , der Körper wird hier ebenso angesprochen, wie in der Altercatio: „Cur caro proximus ignis, et intimus hostis amatur ? Carnis amor perit, et rosa, faex erit, ergo spuatur. 0 caro Candida, post breve foetida, plenaque faecis ; Flos modo, mox fimus, et fimus infimus, unde tumescis ? 0 coro carnea, jam modo glarea, postmodo vermis ; (Gisant-Typ-Darstellung 1) Nunc homo, cras humus; istud enim sumus ; unde superbis ? 0 caro debilis, 0 cito labilis, 0 male mollis, Quid petis ardua, quid tibi cornua ferrea tollis ? Quid tibi crapula, milleque fercula, milleque pastus ? Res lue proflua, vinaque mortua, cur tibi fastus ?" In den weiteren Ausführungen erscheint das Gisant­Typ-Rad, wie in dem bekannten und dem Anseimus zu­geschriebenen Contemptus-Gedichte : „Unde superbia ? faex tua gloria, morte remissa ; Faex tua prandia. faex tua gaudia, faex es et ipsa. Quid tibi balnea, vestis et aurea ? quid tibi venter ?

Next

/
Oldalképek
Tartalom