KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

- 121 — Widerwillen gegen die kirchliche und weltliche Tyrannei seines Zeitalters zum Ausdruck. Nach Wright sind sie aber trotzdem erst in der zwei­ten Hälfte des XII. Jahrhunderts und vor der Mitte des XII. Jahrhunderts entstanden. Die meisten Goliardengedichte sind Ständegedichte und interessieren uns vor allem von diesem Standpunkte aus betrachtet, da sie durch diese ihre Eigenschaft die Vadomorigedichte vorbereiteten. Sie handeln entweder über einen einzigen Stand, wie das Gedicht „Goliae Versus de Sacerdotibus", 1 oder sie schenken ihre Aufmerksamkeit einer grösseren Gruppe verschiedener Stände, wie das Gedicht „Golias de suo infortunio" .'- Dieses Sländegedicht von 165 Verszeileft verdient unser besonderes Interesse, weil es schon die einzelnen Stände in erster Person, in der Form von Monologen über ihr Leben sprechen, ihr Schick­sal beklagen lässt. Dadurch kann dieses Gedicht schon als einer der wichtigsten Vorläufer der Vadomorigedichte betrachtet werden. Der Anfang des Gedichtes lautet : „Di­ves eram et dilectus /inter pares praeelectus ;/ modo curval me senectus . . ." (Vs. 1 —10). Es spricht hier also ein Greis, der das vergangene Leben und seinen verlorenen Reich­tum beweint. Es sprechen dann folgende Stände : Homo mendax (Vs. 11 ff.), der „Irregeleitete" (Vs. 17 ff ), ein „frater", der oberste Leiter eines Mönchsordens (Vs. 24 ff ). ein „emunclus argento", der dem späteren „Wucherer" der Vadomorigedichte und der Totentanztexte entsprechen dürfte (Vs. 28 ff.), eine Person, die über die Sünden der Jugend klagt: „vitae primes lurpiori" (Vs. 33 ff.), der „un­vorbereitet Sterbende" : „sponte ruens cado" (Vs. 41 ff.), ein „Reichgekleideter" • „Inconsulte nimis egi . . . vili volens vesle legi..." (Vs. 45 ff.), ein „flens" (Vs. 53 ff.), eine Person, welche das Schicksal der Machthaber dieser Welt beweint: „o quam dura sors primatis!" (Vs. 57 ff.), der Arme: „Paupertalis fero pondus" (Vs. 67 ff.), ein Bettler: „mcndicus" (Vs. 76 ff.), der von der alltäglichen Arbeit beschwerte Mann, „onerosus" (Vs. 85 ff ), der Gefangene, „captivus" (Vs. 93 ff.) und der „Bruder", „Frater membris dissolutus . . . mandata non secutus . . ." (Vs. 99 ff ). — Bisher waren es „Sünder", die hier sprachen. Von Vs. 106 an scheint dem „bösen Bruder" entsprechend ein „braver Bruder" zu sprechen, der seine Sache nur Gott anheim­stellt, nur auf Gottes Hilfe seine Hoffnung gründet, der die Sünden anderer Stände gerne beweint, der aber über die bösen Taten anderer ein strenges Urteil fällt (Vs. 141 „Accu­sabam turpem actum . . ."). — Jetzt, — angesichts des Todes, — muss er aber selbst abgeurteilt werden. Er stol­pert und muss fallen (Vs 104—105: et dum dico male factum, /judicatus dedi saltum ... I). Diese beiden Sprecher, der „böse" und der „brave" Bruder, sind schon Gestalten der späteren Vadomorigedichte und des Totentanzes. Und wenn der „gute Bruder" sagt : „judicatus dedi saltum . . .", — so ist diese Stelle schon fast wörtlich ein Prototyp für die ähnlichen Stellen in den späteren Totentanztexten ! Sodass man mit Recht feststellen darf, dass die Goliar­dendichtung eine der ältesten Quellen der Totentanzdich­1 Dieses Gedicht teilt W right, a. a 0 S. 48—51 nach der Hschr. Ms Cotton. Vespas. A. XIX. fol. 59v mit; Umfang: 125 Verszeilen; Diesen Text habe ich chon nach dem lateinischen Gespräch des Reichen mit dem Tode auf fol. 60a der Avignoner Handschrift Bibl. de la Ville. Ms. Nr. 302, aus dem XIV. Jahrhundert im ersten Band meiner GTT S. 227b veröffentlicht; Anf.: „Sacerdotes mementote, nihil majus sacerdote, qui dotatus (Avignon : ditatus) sacra dote, ruga caret omnis notae (Avignon : deo seruit et deuote...) Der Schluss dieses Gedichtes lautet bei Wright S. 51, Vs. 122-125: Sit sacerdos benedictus, per quern potus vel amictus est algore, fame victus I 2 Vgl, Wright, a. a. O. S. 64—69; veröffentlicht nach der Hschr. Ms. Harl. 978, fol. lOOv. tung ist. Am Schlüsse dieses Gedichtes beweint dann wieder der „Greis" sein Los, — ganz wie im Totentanztext I Vs. E4-165: „Modo, fratres, judicate, neque vestro pro primate aberrantes declinate a sincera verdate, an sit dignus dignitate vel privandus poteslate senex carens castitate, plenus omni foeditate, qui, exclusa charitate, nos in lanta vilitate, quorum fama patet late, sic tractavit? judicate." Wright teilt nach diesem vadomoriarligen Gedichte auch andere bekannte Goliardendichtungen mit. So z. B. „Go­liae dialógus inter aquam et vinum" 3 und „Disputatio inter cor et oculum. 4 Unter den Gedichten, welche Wal­ter Map zugeschrieben werden, bespricht Wright, — wie ich dies schon im ersten Band meiner GTT S. 256 ff. im Zusammenhange mit der Altercatio animae et corporis erwähnt habe, — auch den Streit zwischen Seele und Körper 6 und einen Text mit 60 Verszeilen unter dem Titel „De Nummo". 6 In demselben Bande über die dem Walter Map zuge­schriebenen lateinischen Gedichte teilt Wright auch den abschl essenden Teil des Avignoner Todesdialogs mit, welchen ich im ersten Bande meiner GTT S. 226—227 nach der Avignoner Handschrift schon veröffentlicht habe. Der Text, den ich aus der Hschr. Avignon. Biblio­théque de la Ville Ms. Nr 302 (siécle XIV. fol. 57b) mit dem Anfang „Qui postest sapere . . ." gekannt habe und bei Wright, a. a. O S. 167 — 170 unter dem Titel „De mundi cupiditate" mitgeteilt wird, ist ein Goliardenge­dicht von 124 Verszeilen und befindet sich auch in der Hschr. Ms. Harl. Nr. 978. fol. 109v. Nachdem ich den Text im ersten Bande meiner GTT aus einer nicht ganz reinen Photokopie gekannt habe, war mir die fehlerlose Lesung des Gedichtes dort nicht im vollen Grade möglich. Daher möchte ich bei dieser Gelegenheit nach der Ausgabe Wrights einiges korrigieren und ergänzen. Der Text besteht bei Wright aus vierzeiligen Strophen. Nun stelle ich die beiden Texlvarianten einander gegenüber. In der linken Spalte befinden sich die ent­sprechenden korrekturbedürfigen Stellen aus der Avignoner Handschrift, und in der rechten Spalte bringe ich die Kor­rektur nach Wright : s Vgl. Wright, a. a. 0. S. 87-92; vgl am Anfang der Hschr. London. Brit. Mus. Ms. Reg. 8 B. VI. fol. Ir ff. Anf.: Cum tenerent omnia medium tumultum . . . 166 Verse; Schluss: teiminans in gloria Dei patris. Amen, vgl. darüber noch im Kapitel über die Londoner Kompi­lationsformel der „Gesamtlegende". 4 Vgl. weiter unten in demselben Kapitel I 5 Wright, a. a. 0. S. 95—106; ebenfalls in der Londoner Kompilationsformel vorhanden, wie auch die Gedichte „Ecce mundus moritur" und _Cur mundus mi­litat"; vgl. die englisch-normannische Version der Alter­catio animae et corporis aus dem An}, des XIII. Jahr­hunderls, aus der Hschr. Ms. Cotton, Julius A. VII. fol. 70v. Inc.: Un samedi par nuit, endormi en mun lit, / E vi en mun dormant une vision grant; ...Expl. De la peine y del labor que en enfer sufrent pecheur ! Amen. Eine englische Übersetzung aus dem XIII. Jahrhundert, Hschr. Ms. Laud. 108. fol. 200v, in der Bibliotheca Bod­leiana, Oxford ; Inc. Als I lay in a winteris nyt, in a droukening bifor the day, ... Expl.: De Ii server de quer parfit, ä tous otreie ly seint espirit .. . vgl. W right, a. a. 0. S. 334—339 und 310-346-349 weitere englische Va­rianten. 6 Ebenfalls in der Londoner Kompilationsformel vorhan ien ; Wright, a. a. 0. S. 226—228; sowie auch der Text „De cruce denarii" aus derselben Londoner Kompilationsformel bei Wright, a. a. 0. S. 223—226.

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