KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

nannte also den verschrumpften Leichnam „ske­leton", wenn er ihn als einen „verwesten Kör­per" bezeichnen wollte und ,, Lemur", wenn er ihn als die Erscheinungsform der umherirren­den schlechten Geister charakterisieren sollte. „Die guten Geister" nannte er „Lares" und zeich­nete sie beiläufig so, wie am dritten Bild in Cumae. „Die bösen Geister" der Unterwelt wa­ren die „Larvae", deren Darstellungsform das Knochengerüst (heute „Skelett") ist. Eine gemein­same Benennung der Unsterblichen, „Manes", verwies auf die Bewohner der Unterwelt, welche nach römischem Volksglauben jährlich einigemal auf die Oberwelt zurückkehren. 1 Gleichzeitig darf nicht ausser acht gelassen werden, was Apuleius Plat. Mad. (geb. in Ma­daura, Numidien, 125 n. Chr.) in seinem phi­losophischen Werke De Deo Socratis' 2 über die Seelenlehre des klassischen Altertums und über den wahren Sinn der Genien berichtet : unde nonnulli arbitrantur, ut iam prius dictum est, siiöatgovas dici beatos, quorum daemon bonus id est animus virtute perfectus est, eum nostra lingua, ut ego interpretor, haud sciam an bono, certe quidem meo periculo poteris Genium vo­care, quod is deus, qui est animus sui cuique, quamquam sit inmortalis, tarnen quodam modo cum homine gignitur, ut eae preces, quibus Ge­nium et genua precantur, coniunctionem no­stram nexumque videantur mihi obtestari, corpus atque animum duobus nominibus conprehen­dentes, quorum communio et copulatio sumus. est et secundo significatu species daemonum animus humánus emeritis stipendiis vitae cor­pori suo abiurans. hunc vetere Latina lingua reperio Lemurem dictitatum. ex hisce ergo Le­muribus qui posterorum suorum curam sortitus placato et quieto numine domum possidet, Lar dicitur familiaris ; qui vero ob adversa vitae me­rita nullis (bonis) sedibus incerta vagatione ceu quodam exilio punitur, inane terriculamentum bonis hominibus, ceterum malis noxium, id ge­nus plerique Larvas perhibent, cum vero incer­tum est, quae cuique eorum sortitio evenerit, utrum Lar sit an Larva, nomine Manem deum nuncupant : scilicet ei honoris gratia dei voca­bulum additum est. Der Ursprung des Gisant-Typs könnte ne­ben der ähnlichen Darstellungsweise anderer orientalischer Völker auch in der ägyptischen Mythologie gesucht werden. Nach dem alt­ägyptischen Glauben besteht der Mensch ausser dem vergänglichen Körper noch aus zwei See­lenkräften, denen nach dem Tod verschiedene Funktionen zugeschrieben werden und die im wesentlichen den klassischen Lemuren und Larven entsprechen. Zwei Geister verlassen den Körper im Augenblick des Todes ; der eine Geist, die eigentliche Seele, deren Hieroglyphe die Ge­1 Plin. 33, 2; Serv. Aen. 3, 63. 2 vgl. Bibl. script, graec. et roman. Teubneriana. Apulei Opera quae supersunt vol. III. ed. P. Thomas. Leip­zig 1908. S. 23—24; De Deo Socr. XV. 49 ­stalt eines Vogels zeigt, hiess wahrscheinlich „Bä". Dieser Geist verliess nach altägyptischer Vorstellung sofort nach dem Eintritt des Todes in der Gestalt eines Vogels den Körper und flog in das Reich der Seligen. Der andere Geist hiess „Kä". Dieser Geist galt als der wichtigste Teil des Menschen, er wurde als ein geistiges Wesen gedacht, wel­ches Götter, wie Menschen belebt und das den Körper in der Sterbestunde ebenfalls verlässt. Der „Ka" kann aber nicht ganz ohne Materie existieren und schwebt in der Gestalt eines Vogels über der Leiche. In diesem Zustand erwartet er die nächste Inkarnationsgelegenheit, um den menschlichen Körper wieder aufzuneh­men. Dieses Inkarnationsbestreben wird in der Darstellungsform seiner Gestalt dadurch zum Ausdruck gebracht, dass man ihn mit einem Menschenkopf zeichnet, dessen Alter dem des Toten entspricht. Der Kä-Vogel eines Kindes hatte einen Kindeskopf, derjenige eines gestorbenen Alten ein Greisenhaupt. Was wir also später im dreifachen Gisant-Typ des Mit­telalters beobachten können, dass die Gestalt der Toten nach dem Vorbilde der drei Le­bensalter in drei Verwesungsstadien gegliedert wird, .das hat aller Wahrscheinlichkeit nach in der Überlieferung dieses altägyptischen drei­fachen Gisant-Typs seine ersten Ansätze ge­funden. Die Attribute des Kä waren ein Stab mit dem Kopfe des Verstorbenen, das Schriftzeichen des Kä (zwei skizzenhaft gezeichneten, empor­gehobenen Armen ähnlich) und der Name des Toten. Die Kä-Geister der Könige hatten ne­benbei auch einen weihevollen Horusnamen. Der Kä-Geist hatte leibliche Bedürfnisse. Die Vorhalie des Grabmals war seine Wohnung, wo man für ihn auch Lebensmittel aufbewahrt hat. Der Glaube an ein irdisches Weiterleben im Kä und der unauslöschliche Inkarnationswille dieses Geistes war die Ursache, warum die Ägypter die Leiche so gründlich präpariert und einbalsamiert haben, warum sie in der Grab­kammer auch eine Statue bereithielten, damit der Kä seine originalen Gesichtszüge nicht ver­liert. Der Körper muss unversehrt bleiben, vor jeder Fäulnis geschützt werden, damit sich der Kä wieder verkörpern kann. Als man die Er­fahrung gemacht hat, dass die Leiche trotz al­ler Vorsicht verfault und zerfällt, hat man jedem Toten sein hölzernes oder steinernes Ebenbild neben seine Mumie in den Sarg gelegt ; nach dem Verfallen der Leiche soll sich der Ka in diese Holz- oder Steinfigur verkleiden können. Wenn ein Toter unter den Lebenden erschien, so war das der Ka, der sich im Leichnam ver­körperte. Der Leichnam also oder sein hölzer­nes Ebenbild, der Kä und der Ba sind die drei Stufen des altägyptischen Gisant-Typs. Die klassischen Lemuren, jene Geister, die in den Grabdenkmälern wohnen, auf der Erde umher­irren, denen man am Grabe Nahrungsmitte­geopfert hat und die sich in dem halbverwel

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