KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

sten Leichnam, im „skeleton" verkörperlichten, entsprechen dem Kä. Die Larven, die schon in der Unterwelt hausen, sind mit dem Bä-Geist identisch. In der Sorge für den Kä-Geist gingen die Ägypter so weit, dass sie sogar Geräte der liebsten Beschäftigungen des Toten neben die Mumie legten, um dem Kä eine Zerstreuung und Unterhaltung zu ermöglichen. Ausser wirk­lichen Nahrungsmitteln gaben sie dem To­ten auch Speisen aus Alabaster und Holz nachgebildet mit, in dem Glauben, dass die aus seltsamen Steinen geformten Nahrungs­mittel durch die ihnen innewohnende ma­gische Kraft den Hunger und Durst des Kä löschen können. Dieselbe Bedeutung haben die in den Gräbern häufig auffindbaren, Korn mah­lenden oder Teig knetenden Holzfigürchen der Sklaven. Ja eine vollständig ausstaffierte Modell­Jacht wurde in das Grab gelegt, damit der To­te mit der Hilfe der auf magischem Wege le­bendig gemachten Miniatur-Schiffsleute auch Ausflüge unternehmen kann. Aber diese Holz­figürchen hatten auch eine andere Bestimmung. Nach der Lehre der altägyptischen Mythologie müssen die Toten die Äcker des Osiris bestel­len. Man gibt ihnen also eine Reihe von in Holz oder Stein geschnitzten Dienern ins Grab mit, die — wenn der Tote zur Arbeit in die Unterwelt gerufen wird — anstatt des Toten ant­worten und die Arbeit verrichten sollen. Das waren die „Uschebte", die „Antwortenden". Aus gleichem Grunde war aber der Totenglaube der Ägypter auch mit dem Totenzauber eng ver­bunden. Man wusste eine Zauberformel, welche alle Vorkehrungen zum Wohle des Toten zu­sammenfasste und man war fest überzeugt, dass der Kä infolge des Hersagens der Zauberfor­mel aller Genüsse teilhaftig wird, welche die Formel erwähnt. Kein Besucher der Gräber durfte die Formel versäumen, welche zu diesem Zwecke an der Mauer des Grabes und auf Papyrusrollen angebracht dem Toten ebenfalls beigelegt wurden. 1 Diese Zauberformel tritt meistens in der Be­gleitung eines „Totenbuches" auf, in welchem der mit Osiris identifizierte Tote in das Reich der Ewigkeit, zum Sonnengott Atum, im Rahmen eines grossen Triumphzuges einzieht. 2 Eine kurze 1 vgl. Adolf Ermen ; Ägypten. Bd. II. Tübingen 1885. Verl. H. Laupp. S. 414-418, 428 ff.; E. Mahler: Ókori Egyiptom. Budapest, M. T. A. 1909. S. 185. ff.; über die Skelette in der hellenistischen Kleinkunst vgl. G. Treu : De ossium humanorum larvarumque apud antiquos ima­ginibus. Diss. Berl. 1874: über die Funde in Boscoreale: E. Pottier, Revue archéologique 1902. 12. ff. ; J. Geffcken: Neue Jahrbücher f. klass. Altertum und Gesch. 27, 1911. 401. ff. 2 vgl. Ermen, Bd. II. S. 459 ff. samt einem Kom­mentar dieser Schrift. Das Totenbuch entstand teilweise sicherlich schon zur Zeit der 1. Dynastie von Menes (ca. 3200 v. Chr.), wurde in der 11. und 12. Dynastie (ca. 2100 bis 1790 v. Chr.) reichlich kommentiert und beträchtlich erweitert. Während der 18. Dynastie (ca. 1555) und im VII. Jh. v. Chr. erhielt es die heutige, endgültige Form. Ausgaben : Lepsius, 1842. (thebaische Fassung); Naville, 1886; Lepsius: Älteste Texte des Totenbuchs. 1867; Mas­pero, Mém. de la mission archéol. franc, au Caire Vol. 1.; Übersicht der Osiris-Sage kann uns über jené Zusammenhänge Auskunft geben, welche zwi­schen dem Totenkult und Osiris-Kult bestehen. Die Osiris-Sage, welche auch den frühchristli­chen Apologeten, durch die Schriften der Kir­chenväter auch allen Auktorén des Mittelalters recht wohl bekannt war, 8 wird auch von Plu­tarch (46—120 n. Chr.) eingehend behandelt. 4 Die vier Kinder des Erdgottes Qeb und der Himmelsgöttin Nut sind die Götter Osiris, Set und die Göttinnen Isis und Nephthys. Osiris be­kam die Herrschaft der Erde, musste aber samt seiner Schwester und Gattin, Isis, von den Nach­stellungen des Bruders, Set (griech. Typhon), lei­den. Vor einem Gastmahl Hess dieser von Osi­ris' Körper Mass nehmen und eine schöne, reichgeschmückte Lade nach dieser Grösse ver­fertigen. Er brachte sie zum Gastmahl, wo sie bewundert wurde. Wie im Scherz erklärte Set, dass er die Lade dem zum Geschenk gebe, der in ihr liegend sie ganz ausfüllt. Alle Gäste machen einen Versuch und als auch Osiris sich in die Lade legt, wirft Set mit der Hilfe seiner Anhänger den Deckel drauf, lässt die Lade zu­nägeln und ins Meer werfen. Der Gebrauch, auf ägyptischen Gastmählern einen Kasten mit ei­nem darinliegenden hölzernen Totenleichnam zur Schau zu tragen, sowie die Mode, den Toten in einen hölzernen Kasten zu legen, der nicht die Form eines heutigen Sarges trug, sondern die genaue Nachbildung der Gestalt des Toten war, ist wahrscheinlich auf diesen Zug der Osiris-Sage zurückzuleiten. Isis flüch­tet sich in die Sümpfe des Delta von sieben Skorpionen begleitet. In ein Frauenhaus aufge­nommen gebiert Isis einen Sohn, den Horus, dessen Hüterin die Göttin des Nordens, Buto (Ud'ot) wird. Während der Kinderzeit des Ho­rus geht Isis auf die Suche nach dem Sarge ihres Mannes und Bruders, und findet ihn nach langer Wanderung im Besitze des Königs der phönizischen Küste zu Byblos, in dessen Dienst sie in der Eigenschaft einer Amme tritt. Aus einem Holzpfeiler des Palastes, aus dem Stamm eines mächtigen Baumes, der zu den Bauten der königlichen Wohnstätte verwendet wurde und der noch auf der Meeresküste stehend die Leiche des Osiris zum Schutze umschloss, be­freit Isis den Sarg des Osiris, bringt ihn nach Ägypten und verbirgt ihn. In der hl. Stadt Buto besucht sie ihren Sohn, währenddessen Set auf einer Jagd im Mondschein den versteckten Sarg findet, sich sogar an der Leiche des Osiris rächt, sie in Stücke reisst und die Teile des Körpers H. Brugsch : Schai n sinsin, das Buch vom Atmen oder von der Wiederbelebung, 1848; dass. de Horrack, Paris 1877; E. Revillont, Le rituel. fun. de Pamonth. Paris 1880 (demotische Fassung) : F. Lexa 1910. vgl. Theolog. Litera­turzeitung 36, 1911, S. 129. ff.; Kees, Totenglauben und Jenseitsvorstellung der alten Ägypter, 1926. 3 vgl. Firmicus Maternus. De errore profanarum re­ligionum. Bibl. d. Kirchenv. Bd. 14. Frühchristliche Apolo­geten Bd. 2. Übersetzung von A. Müller. München, 1913. S. 221. ff. 4 De lside 13. ff.

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