KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

oder schlechten Weltprinzips." Diese Anschau­ung entstand bei ihnen — wie auch ihre To­tendarstellungen — unter dem Einfluss der orien­talischen Mythologie. Den drei allgemein menschlichen Gedan­ken von der Vergänglichkeit entsprechend las­sen sich auch jene Texte in drei Gruppen ein­II. Die „Gisant-Typ Der „Gisant-Typ" ist die Darstellung eines Totenleichnams in verschiedenen Zuständen der Verwesung oder die Gegenüberstellung eines Lebenden einem Toten. Im Mittelalter vereinigte man die Darstel­lung mit der Szene des Sündenfalls 2 und zur Ver­breitung hat auch der religiöse Gebrauch des Aschermittwochs viel beigetragen, indem man eine bekannte Stelle des Alten Testaments zi­tierte (Gen. 3, 19.). Adam und Eva wird aus dem Paradiese gejagt und Gott bestraft Adam u. a. mit den Worten : „Im Schweisse deines Ange­sichtes sollst du dein Brod essen, bis du zur Erde wiederkehrst, von der du genommen bist ; denn du bist Staub und sollst zum Staube zu­rückkehren." In der hl. Schrift sind ähnliche Gedanken vom Zustand des Körpers nach dem Tode sehr häufig. Der Tod ist für den Menschen ernied­rigend, indem er ihn den Tieren gleichstellt. (Eccles. Pred. 3, 19—20.) „Darum kommt der Mensch um wie das Tier und e i n Schicksal haben beide ; wie der Mensch stirbt, so stirbt auch jenes : alle haben gleichen Lebensodem, und der Mensch hat keinen Vorzug vor dem Vieh ; alles ist der Eitelkeit unterworfen und al­les geht dahin an einen Ort ; aus Erde ist al­les geworden, und zur Erde kehrt es wieder zurück" (Offb. 9, 6). In der Ausstellung des Mün­chener Antiquars Rosenthal (i. J. 1926) befand sich ein Stich nach D. Vinckenboons, 3 die Il­lustration eines Gedichtes von I. Semmius, auf welcher eine grosse Menge von Frauen, Solda­ten, Jünglingen jeglichen Standes durch ein Stadttor einen Ausfall gegen den Tod macht, der in der Begleitung des Todesengels unter einem Baume stehend seine Pfeile auf die Menge los­drückt und sie besiegt. Die meisten Menschen sind mit Piken, die Bauern mit Dreschflegeln, ein Lahmer mit Krücken bewaffnet. Im Hintergrunde stürmen die Tiere gegen das Skelett und ver­lierendieSchlachtebenso.wie die Menschen. Wie auf einer römischen Terrakotta-Lampe, wird auch in der Bibel der Eintritt ins Leben mit dem Zustan­de des Todes verglichen : 4 „Nackt bin ich aus meiner Mutter Schoss hervorgegangen und nackt 1 Tab. A. II. 1. 2, 3, 4; IV+II. 2+III. 3; y 2s. Taf. V. Fig. 1—2,5—6—7. Im Anhang des vorlie­genden Bandes. 3 Hugo Allardt excudit ; woanders 1610 datiert; Douce : S. 199 ; ein anderer Entwurf auch von Bolswerd. 4 s. Taf. II. Fig. 1. Hier im Anh. teilen, aus denen die Totentanztexte und die ihnen vorangegangenen Legendentexte abzulei­ten sind : a.) „Gisant-Typ"-Totendarstellung, b.) Anfänge der Everyman-Legende und der Standesliteratur, c.) Ikonographie der Todesgestalt. -Totendarstellung 1 werde ich dahin zurückkehren" (Job 1, 21.) Wie die seltenen Exemplare einzelner Samm­lungen beweisen, haben schon die Ägypter den Gebrauch gehabt, bei Gastmählern eine hölzer­ne Leichenfigur in einen obeliskförmigen Holz­sarkophag eingehüllt von einem Diener umher­tragen zu lassen 5 mit der Aufforderung an die Gäste, recht vergnügt zu trinken, bevor sie noch diesem Toten gleich werden. Dieser orientalische Gebrauch, über den Herodot berichtet, 6 wurde frühzeitig auch in Rom verbreitet. Man verfertigte Skelette aus Silber oder Bronze mit sehr schema­tisch modellierten, beweglichen Gliedern. 7 Die Darstellungen sind meistens nur verschrumpfte Leichen — wie jene in Ägypten — und die anatomischen Fehler beweisen, dass das mensch­liche Skelett auch nach Tierskeletten modelliert wurde. Auf einem feierlichen Gastmahl in Rom Hess nach Petronius 8 der typische „Neureich" der Kaiserzeit nach der Herabreichung des rein­sten Opimischen Falernerweines (aus dem Jahre 121. v. Chr.) eine silberne „Larva" hereinbrin­gen, deren bewegliche Glieder er in lächerliche Stellungen brachte. Die Lehre, die der reiche Trimalchio im Zusammenhange mit seinem merk­würdigen Spiel den anwesenden Gästen gibt, ist reinster Epikureismus. Gerade dies beweist, dass der Einfall Trimalchios nicht eine römische Erfindung, sondern orientalische Reminiszenz ist, die gerade durch den Epikureismus in Griechen­land und Rom verbreitet wurde. „Potantibus ergo, et accuratissimas nobis lau­titias mirantibus, larvam argenteam attulit servus sie aptatam, ut articuli ejus vertebraeque laxatae in om­nem partem verterentur. Hanc quum super mensam semel iterumque objecisset, et catenatio mobilis ali­quot figurás exprimeret Trimalchio adjecit : 5 Weber-Holländer : Des Todes Bild. Berlin, 1923. S. 30-34; vgl. Taf. I. Fig.16. im Anh. 6 ,,'Eg zovzov úoF.div 7Tlvé rs xal xÉQTtev, Hasai yao áno^avwv zoiovzog." Hist., lib. II. 78. 7 Im Britischen Museum in London, im Louvre in Paris, im Museo Kircheriano in Rom; A. de Longpérier: Notices des Bronzes Antiques du Louvre. Paris 1868, vol. I. S. 165. Nr. 691.; E. Holländer: Plastik und Medizin. Stuttgart, 1912, S. 421, Fig. 307, über ein Exemplar im Antiquarium von Dres­den; weitere Skelette in Neapel, Imola usw. Komtesse E. Cae­tani Lovatelli : „Di una piccola Larva Convivale in Bronzo", Monumenti Antichi pubblicati per cura della reale Accade­mia dei Lincei. Mailand, 1895, vol. V. Sp. 5—15, illustriert; ebenso in Speisezimmern von Pompeji : Pierre Gusman : Pompeji. Paris, 1906.; vgl. F. W. von Bissing über seine eigene Sammlung, s. im Anh. Taf. I. Fig. 15. 8 P. Arbiter, t 66 n. Chr. ; Styricon : Cena Trimal­chionis; edit. Mich. Hadr. S. 115,

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