KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
ZWEITER TEIL Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes Das Problem der Entwicklungsgeschichte, der Entstehung des Totentanzes ist ein wichtiges Problem der Kulturgeschichte, der Geistesentwicklung der Menschheit und steht auch in engsten Beziehungen zur Philologie. Im ersten Teil des vorliegenden ersten Bandes, in dem die letzten und wichtigsten Ergebnisse meiner Forschungen zusammengefasst wurden, konnte die Entstehung einzelner Motive und Legenden — als deren Resultat der Totentanz betrachtet werden muss — von den ältesten Zeiten bis Holbein nur skizziert werden. Die richtige Lösung so mancher Probleme kann man gewiss nur durch eine Sammlung jener Texte herbeiführen, welche als die wichtigsten Vertreter einzelner Entwicklungsstufen dem werten Leser die Möglichkeit geben, sich selber über den Stand, über die Sachlage einzelner Fragen zu orientieren und in den realen Zusammenhang der Werke und ihrer Motive persönlich Einblick zu gewinnen. Es ist selbstverständlich, dass eine in diesem Sinne angelegte Textsammlung die Vollständigkeit nicht beanspruchen kann und darf. Die einzelnen Texte bestimmen ihren Platz in der Reihenfolge selbst. Die Motive schreiten von ihren ältesten Keimen und Urformen stufenweise bis zur reichsten Ausbildung in den drei Gattungen des Totentanzes (Todes-Tanz ; Toten-Tanz ; „Toten-Todes"-Tanz d. h. Todtentanz) hinauf. Jene Texte, die sich auf den Ursprung des Gisant-Typs, der Everymanlegende und der Todesgestalt beziehen, mussten in der Form je einer wissenschaftlichen Abhandlung zusammengestellt werden. Die späteren Texte wurden nur durch eine Untersuchung eingeleitet. I. Anfänge der Die allgemein menschlichen Gedanken über die Vergänglichkeit alles Irdischen sind die Grundlagen der Entstehungsgeschichte des Totentanzes und werden auch hier als die wichtigsten Anhaltspunkte der Forschung aufgefasst. Das „Alles ist vergänglich" oder „Jedermann muss sterben" war und ist jedem Volk, zu jeder Zeit geläufig. Obwohl erst die Christenheit den Gedanken der Gleichheit jedes Menschen durch die Lehre von dem ewigen Wert jeder Seele ins praktische Leben gerufen hat, war die Überzeugung, dass jeder Mensch ohne Standesunterschied und ohne Rücksicht auf seinen Reichtum, auf seine Jugend oder Schönheit, unwiderruflich der Verwesung anheimfallen kann, schon bei den ältesten Völkern nicht unbekannt. Das Resultat der bisherigen Forschung ist, dass auch der Totenleichnam eines Menschen immer als ein Beispiel der Vergänglichkeit betrachtet wurde. Das Bild eines Toten diente immer als Lehre oder als Mahnung zur Besserung, zugleich aber auch als Aufruf zum fröhlichen 1 Tab. A. I. 1, 2, 3. otentanzniotive 1 Ausleben des ohnedies kurzen Lebens im Sinne Epikurs. Ebenso galt die Verwesung, der Tod, immer als eine über alles herrschende Macht. Das klassische Altertum, sowie auch die moderne Wissenschaft betrachtet das Sterben als ein selbständiges Naturgesetz und hat eine unüberwindliche Furcht vor dem Tod und kann seinen Pessimismus weder durch eine schlecht verstellte Ironie, noch durch die Lehre vom „Weiterleben" des Gestorbenen im Ruhm, in der Erinnerung der Menschheit, vollständig verbergen. Christus verstand es vor allem, das Sterben als eine dem ursprünglichen Wesen des Menschen nicht ziemende Strafe für unnatürlich zu erklären, welche Strafe zwar nicht zu vernichten ist, aber durch positiv religiöses Leben gutgemacht werden kann. Er, sowie auch das Alte Testament und die spätere jüdische Literatur schrieb die Herrschaft des Todes der Gottesmacht oder einem die strafende Gottesmacht vollziehenden und Gott gehorchenden Engel zu. Die Christenheit schenkte der Menschheit den mit Gott versöhnten guten Tod. Die Griechen und Römer personifizierten den Tod in der Macht des „guten