KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse
Freunden an einem Zechgelage teilnimmt und das wilde Prasserleben fortsetzt, wird von den Engeln in den Himmel gebracht. Er vertritt hier die Stelle des bekehrten Everyman, den seine aus Freunden gewordenen Feinde verfolgen, der aber eines seligen Todes stirbt. Wie uns die Texte der Gesamtlegende belehren, ist der erste „böse Freund" des Bekehrten in dem TrierHomburg, bzw. St. Gallen-Donaueschingener „Spiegelbuch" ebenfalls ein Reicher, d. h. die „Nichtigkeit des Reichtums" und wird ebenfalls im Rahmen der Bibelparabel vom Tod getötet. Wie in der Gesamtlegende, wird auch im ungarischen Stück der erste Feind des in Lazurus verkörperlichten armen Volkes plötzlich vom Skelett-Tod überrascht. Der Reiche befragt den Tod voll Entsetzen, wer er sei, was er bei ihm suche, was er von ihm wolle, was er mit seiner Sense mache und was für ein Tier er sei ? Diese Fragen entsprechen jenen, welche Everyman im Todes-Dialog „Quis es tu quem video ? . . ." an den Tod richtet. Der Tod, der Haue und Spaten mit sich brachte, ist nicht nur mit einer Sense bewaffnet. Er legt auch seine Armbrust an („Nem ládd-é, felhúztam én erős karomat?" — sagt er zum Reichen ; man dürfte wohl fragen, ob der ungarische Verfasser hier nicht das deutsche Wort „Armbrust" missverstand, da man doch im Ungarischen „den Arm" nicht „aufzieht", d. h. spannt ; nur den Bogen kann man „aufziehen". Wenn also der ungarische Text als eine Übersetzung eines deutschen Originals zu betrachten wäre, so kann es möglich sein, dass der ung. Übersetzer das deutsche Wort „Armbrust" irrtümlich nur mit dem ungarischen Wort „kar" wiedergab, wodoch dieses Wort nur „Arm" bedeutet). Wie in der Augsburg-Münchener Gesamtlegendenform erscheint auch hier ein Engel, der den Versuch nicht unterlässt, die Seele des Reichen den Teufeln zu entreissen. Aber die Teufel sind in Übermacht, führen die Seele in die Hölle, wo diese von Pluto mit spöttischen Worten empfangen wird. Während die Seele des Reichen der Höllenpein übergeben wird, spricht der Reiche den schon aus den verschiedenen Legendenvarianten bekannten Monolog, den „Jammerruf des Toten", der nach den bildlichen Darstellungen der Legende im Grabe liegt, textlich aber schon auch in der Gesamtlegende „in der Hölle liegend" vorgestellt werden sollte. Manche Motive erinnern an die Everyman-Dramen. Die Frau des Reichen ruft den Arzt, der unerwartet Sterbende ruft nach dem Geistlichen, der aber nicht mehr kommen will. Der Kampf der Engel und Teufel am Sterbebette ist ja schon seit der „Altercatio corporis et animae" ein unausbleibliches Surrogat der Everyman-Szenen. Der Schluss dieser Darstellung der „Nichtigkeit des Reichtums" endet der Bibelparabel entsprechend mit dem Gespräch des Verdammten mit Abraham. Die Nichtigkeit der körperlichen Kraft, der Leidenschaften, tritt im dritten Akt des Stückes in der Gestalt des Schlemmers, des Soldaten auf, der mit seinen Kameraden in der Kneipe sitzt und sich mit einer symbolischen Gestalt, mit der „Trunkenheit" unterhält. Er fürchtet sich vor dem Tod nicht, da er doch in vielen Kämpfen unverletzt blieb. Dieser Prahlhans wird aber auch vom Tod eingeschüchtert, dem er seine bescheidene Habe — wie das der im Everyman-Dialog sprechende Lebende ebenfalls tut — umsonst als Lösegeld anbietet. Schliesslich wird auch der Verwalter, die personifizierte,, Crudelitas" vom Tod heimgesucht. Er hat die Bitten des Volkes nie erfüllt und den Schwachen liess er seine unbeschränkte Macht fühlen. Die Sense des Todes aber erreicht auch ihn. Wie in den Everyman-Dramen, sendet auch hier im vierten Akt des ungarischen Stückes der Tod die Krankheiten in den Körper des Verwalters, der in seiner Seite plötzlich ein Stechen vernimmt. Nach seinem Tode richtet der Tod an die ganze Menschheit eine Ansprache : „A Halálnak Mindenekhez Való Intése. Admonitio Mortis". Anf.: „Intelek azért földön valakik vagytok, / Urak szegények ennek helyt adjatok, / Intésemet, kérlek, megfogadjátok, ..." Diese Admonitio entspricht fast wörtlich jener Anrede, welche der Tod am Schluss der Trier-Homburger Gesamtlegendenform und auch am Ende des achtzeiligen oberdeutschen Totentanzes spricht, um der ganzen Menschheit eine Lehre zu geben. Vgl. auf fol. 14a der Homburger Legendenhandschrift den Monolog des Todes mit dem Anfang: „Merckent und gedenckent auch alle menschen gemein . . ." Die ungarische „Comico-Tragödie" wurde hier eingehender untersucht, weil sie auf Textanalogien gestützt, das Vorhandensein und Weiterleben der Todeslegendenform der Gesamtlegende beweist. Der Vorwurf, dass sein Stück nicht einheitlich ist und dass auf diese Weise der Schöpfer des Werkes noch eine lange Reihe von ähnlichen Todes-Szenen hätte aneinander heften können, ohne es begründen zu müssen, kann für den Verfasser der „Comico-Tragödie" nicht gelten, denn die Gesamtlegende kennt ja nur drei Feinde des bekehrten Everyman, welche die drei Eitelkeiten oder Nichtigkeiten der Urlegende verkörperlichen. Nur der Todes-Tanz, bzw. der Toten-Tanz hat die drei Todes-, oder Toten-Szenen der Gesamtlegende auf die übrigen Nichtigkeitsgestalten der Vadomorigedichte übertragen. Auch ein weiterer Umstand zeigt uns die Richtigkeit der Behauptung, dass die „Comico-Tragödie"eine Ausbildung der Gesamtlegende ist. Wie uns die Entstehung des TodesTanzes zeigt, hatte manchmal das handschriftliche Nebeneinader einzelner Texte oder Bilder die primitiven Schriftsteller und Künstler des Mittelalters und auch der angehenden Neuzeit dazu verleitet, einzelne Texte und Bilder miteinander zu verbinden. Das ungarische Stück bringt die Todes-Szenen als eine Folge des Kampfes der Virtus mit dem Vitium. Im Münchenei Manuskript Cgm. 3974 steht die Altercatio der Tugenden und der Sünden neben einer Variante