KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

blinde Nonne Adelheid von Engelthal d „Wol her an den reien, den schone kint wol gehen I" 2 In einer Handschrift des XIV. Jahrhunderts lässt eine Miniatur den geigenden und trommel­schlagenden Heiland die Seele in die Überwelt locken. 3 In einem Mysterienspiel aus ca. 1330 mit dem Titel „Mariä Himmelfahrt" tanzen Maria und Christus mit den Engeln im Himmeid Im 48. Brief des Heinrich von Nördlingen vom Jahre 1346 5 tanzt Christus nicht nur im Tod der vom Körper befreiten Seele voran, sondern gibt mit seinem „Tanz des wahrhaften Lebens" dem Menschen auch im Leben Beispiel : 6 „Es pfift auch manger gar wol, das dem hörer su­szer ist den dem pfifer, und die andern tantzent mer dar nach dan er selber : pit hie fur mich, das ich den tantz eins warhaften lebens trett nach der suszen pfifen deins liebs Jhesu Christi". Christus spielt hier auf einer Pfeife zum Tanz des Lebens und Todes auf. Auch bei Heinrich Seuse' ist Christus der Vortänzer der im Himmel tanzenden Seligen und Engel. Obwohl W. Stammler diese Angaben in seinem hochgeschätzten Werke zusammenge­stellt hat und er, sowie auch Schröer schon den Zusammenhang des Tanzmotivs mit der mit­telalterlichen mystischen Darstellung des Todes als eines Tanzes erkannt hat, erlaubte ich mir diese ungemein wichtigen Angaben zu wieder­holen, um die richtige Lösung dieses Zusammen­hanges herbeiführen und die Beziehungen zum Orient leichter erklären zu können. Der Tanz des Todes, sowie der Tanz der Toten im Todes- und Toten-Tanz ist nicht nur motivgeschichtlich, sondern an einer Stelle des oberdeutschen Toten-Todes-Tanz-Textes auch textlich die Wiederholung des soeben bespro­chenen mystischen Motivs. 8 In diesem Todten­Tanz-Text sagt die Klosterfrau : „Was hilft mich nu min beten ? Ich mus des todes reien treten." Im mystischen Gedicht „Die min­nende Seele" 9 spricht Christus zur Seele : „Tu von dir weinen und betten, Du must mit mir den raygen tretten." Wir haben darauf hingewiesen, dass der Tri­umph und die Lockung als Tanz aufgefasst wurde. Dass der Tanz auch in der Darstellung des 1 Stuttg.. Lit. Ver. 108. Stuttg. 1871. S. 29/30. 2 vgl. auch die Legende von der hl. Musa. Mussa­fia : Sitzungsb. d. Wiener Akad. d. Wiss. 113, 1886. S. 951­993; 115, 1887, S. 40-47. 3 Anz. Í. Kunde d. dt. Vorzeit 8, 1839, Sp. 334/6. 4 Mone, Altdeutsche Schauspiele. Quedlinburg, Leipzig, 1841, S. 87. 6 Ph. Strauch : Margarethe Ebner und Heinrich von Nördlingen. Tübingen 1882, S. 257. B Brie! 48. Z. 37-41. 7 Deutsche Schriften Stuttg. 1907, S. 21. Z. 6 ff ; Buch der ewigen Weisheit Kap. Xll. ebenda S. 242, Z. 13 f.; Grosses Briefbuch Brief ÍX. ebenda S. 432, Z. 25 ff. 8 Stammler • S. 24. 9 hg. P. R. Banz, 0. S. B. Germ. Abhandl. Breslau 1908, Vers 1803 f., 1603 ff. Altdeutsche Blätter 1 1836, S. 56; 2 1840, S. 362, Vers 107/35. Todes so grosse Rolle spielt, beweist restlos dert orientalischen Einfluss auf die Entstehungsge­schichte der mittelalterlichen Todes-Gestalt. Auf Taf. III. dieses Bandes werden un­ter Fig. 7—9. Photographien eines orientali­schen Religionsfestes mitgeteilt. Die hohe wis­senschaftliche Bedeutung der Zentralasien-Ex­pedition von Dr. E. Trinkler ist gerade die Ent­deckung geheimster orientalischer Motive, deren hohes Alter und Verbreitung über die Quellen mancher mittelalterlicher Kulturmotive Auf­schluss gibt. Ich muss den werten Leser wieder einmal ersuchen, die erwähnten Bilder des Anhanges genau zu betrachten. Im lamaistischen Kloster Hemis-Gumpa wer­den jedes Jahr am 9. und 10. Juni zu Ehren des Begründers des Lamaismus grosse Tempel­und Volksfeierlichkeiten veranstaltet. Die Zere­monien dieser Festlichkeiten wollen den Sieg des Buddhismus über die in Tibet vor der Ein­führung des Buddhismus herrschende, heidni­sche Bön-Religion darstellen. Folgende Motive sollen besonders hervorgeho­ben werden : 1). Am ersten Tag des Festes wird ein „Teu­felstanz" aufgeführt. Die hier erscheinenden Teufel sind für die Teufelsdarstellungen des Mittelalters von grosser Wichtigkeit. Sie erscheinen in der Maske ei­nes Löwen oder eines Stiers. Sie sind aber nicht nur „Teufel" , also Töter der Seele, sondern auch „Tode", „Töter des Körpers". Auf ihrer Brust tragen sie das Bild des Totenschädels. Zu ihren charak­teristischen Merkmalen gehören Vogelfüsse, Vogel­krallen. 2). Die Festlichkeiten, welche den Triumph des Lamaismus über die heidnische Religion darstellen, verhöhnen den vom Buddhismus besiegten heid­nischen Glauben. Nicht nur die Tier- und Menschen­opfer werden verspottet, sondern auch die alten Göt­ter. Die Motive dieser Tänze sind also nicht allein Motive des Buddhismus, sondern sie sind auch Ei­gentümlichkeiten jener vernichteten Religion. Obwohl der Buddhismus in Tibet erst im Jahre 747 n. Chr. eingeführt wurde, kann man die Tanzmotive als Reste jener Religion betrachten, die schon vor Christi Geburt in Tibet geherrscht hat. 3). Am zweiten Tag wird von den als „Teufels­tänzer" verkleideten Priestern in derGestalt einer rotbe­strichenen Puppe zuerst der Teufel besiegt. Nach dem Beschwörungstanz der „Todes-Teufel" erscheint ein Lama und zerschneidet die Teufels-Puppe in soviel Teile, wieviel Tänzer teilnehmen und gibt jedem Tänzer ein Stück. So wurden die Götter der alten heidnischen Religion vernichtet und den Teufeln ü­bergeben. 4). Dieser Teufels-Tanz, sowie auch der dar­auf folgende Todes-Tanz spielt sich in einem auf die Erde gezeichneten Doppelkreis ab. Im inneren Kreise liegt die Teufelspuppe und um diesen inne­ren Kreis bewegen sich die Tänzer am äusseren Kreis. Im hierauf folgenden Todes-Tanz erscheint ein Todes-Priester und bewegt sich ebenfalls tanzend in die Mitte des Zauberkreises. 5). Ungemein wichtig sind die Masken der To­ten-Priester, die den Todes-Tanz ausführen. Sie tra­gen ebenfalls einen Stierkopf und in der Hand hal­ten sie einen den ägyptischen Mumien ähnlich, aus

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