KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
Holz geschnitzten Totenkörper als Zepter. Es ist der mittelalterliche „König-Tod", der später auf einem Stier reitet und als ein Leichnam dargestellt wird ! Das Charakteristikum des mittelalterlichen Todes, der Stier, ist ein sicheres Zeichen des engen Zusammenhanges beider Darstellungen. 6). Dieser Todes-Priester tanzt einen „Beschwörungs-Tanz", einen „Todestanz", indem er die ausser dem Kreise stehenden Todes-Teufels-Tänzer in den Kreis lockt und zum Tanz auffordert. 7). Auch die Mäske dieses Todes-Priesters gehört zu den von den Heiden entlehnten Motiven. Der Tanz um den Teufel, sowie auch der Tanz um den Tod ist der Ausdruck des Triumphes der Religion über diese zwei teuflischen Mächte, die nach der Aufnahme der neuen Religion machtlos sind und den Menschen nichts mehr schaden können. Deswegen werden sie im Tanze verspottet. Es ist unmöglich, nicht sofort an jene Darstellungen zu denken, die Christus über Teufel und Tod siegen lassen. Auch im Mittelalter hat man den Teufel und den Tod dargestellt, um beide — gerade durch den Sieg Christi — verspotten zu können und diesen zwei grössten Feinden des Menschen ihre Machtlosigkeit gegenüber der neuen Religion zu zeigen. War also im Mittelalter oder schon in den ersten christl. Jahrhunderten eine Entlehnung dieser orientalischen Motive möglich ? Durch die Barlaam und Josaphat-Legende hat ja die frühchristliche Literatur auch mit dem Buddhismus Beziehungen gepflegt. Konnte ein frühchristlicher Schriftsteller, der die Barlaam und JosaphatLegende kennen gelernt hat, nicht zugleich etwas von jenem Todes-Tanz, von jener TeufelsTodes-Gestalt, von jenem im Orient dargestellten Sieg einer Religion über die andere vernehmen und sie christianisieren ? Wir sahen, dass der Sieg Christi in der apokryphen „Passio Bartholomaei" durch den Sieg über den Teufel Astaroth dargestellt wurde. Als wir im Abschnitt über die Entstehung der Everymanlegende die „História Fabri lignarii" in Auswahl mitgeteilt und zugleich auch untersucht haben, da fanden wir ebenfalls eine teuflische Todesgestalt, die ein seelischer und körperlicher Tod ist, u. zw. in einer Person. Wenn wir über die Todesgestalten des Mittelalters sprechen werden, wollen wir immer darauf hinweisen, dass die halb teuflische, halb leichenhafte Darstellung des (später auf einem Stier reitenden) Teufels-Todes auffällig an jene „Teufels-Tänzer" und „Todes-Priester" in Tibet erinnert. 1 Wem aber dies nicht genügt, der sehe das Faktum ! An die Stelle des Todes-Priesters tritt der grosse Opferpriester des Christentums, Christus selbst und tanzt seinen eingenen Todes-Tanz, zu dessen Teilnahme er seine Apostel auffordert und durch den er über Teufel und Tod siegt 1 Die bekannten Motive einer heidnisch-orientalischen Religion werden in der Apokryphschrift 1 s. z. B. Tai. VI. Acta Joannisin das Christentum übertragen. Nach dem letzten Abendmahl stellt sich Christus in die Mitte und seine Apostel bilden einen Kreis um ihn. Da beginnt der „TodesTanz" Christi, durch den er sich auf den nahen Tod vorbereitet, indem er durch einen Zaubertanz Zauberkräfte sammelt, um den Tod gerade durch sein Sterben zu besiegen. Der Tanz ist hier eine Zauberformel, durch die sich die Zukunft offenbart. Will der Mensch also gut und dem Heiland ähnlich und gottgefällig sterben, so muss er diesen Zaubertanz des Todes dem Beispiel Christi folgend wiederholen. Deswegen fordert auch Christus seine Apostel und die ganze Menschheit auf, an seinem Tanze teilzunehmen, zu dem Christus seinen Hymnus singt. Während Christus diesen Hymnus singt, bewegen sich die Apostel im Kreise um Christus und antworten ihm auf sein Lied. Es wiederholt sich also der in einem Zauberkreise ablaufende, mit Gesang begleitete Todes-Tanz (wie in Tibet), mit dem Unterschied, dass hier Christus sich selber dem Tode weiht, um die heidnischen Religionen zu besiegen. Die Apokryphschrift Acta Joannis ist einer der sichersten Beweise für die Übertragung des Todes-Tanzes aus einer orientalischen heidnischen Religion in die christliche. Christus singt : „Tibia canere volo, saltate omnes. (Antwort :) Amen. Universus saltari debet. (Antwort :) Amen. Qui non saltat ignorat Ventura. (Antwort der Apostel :) Amen. Dieser Hymnus Christi wurde schon im IV. Jahrhundert an der Stelle Matth. 26, 30 von den Priszillianern als Geheimmitteilung für die „Geistigen" in den Text der hl. Schrift aufgenommen. 2 Der Tanz und der Zauberhymnus waren also schon in den frühesten christlichen Jahrhunderten weit verbreitet! Die Schrift enthält eine Lebensbeschreibung des Johannes von Prochorus (Pseudonym), die aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts stammt. 3 Auch die Zerstörung des Artemistempels wird in dieser Apokryphschrift erwähnt, obwohl dieser Tempel erst ein Jahrhundert nach dem Apostel Johannes im Jahre 262 in Ephesus durch die Goten geplündert wurde. Die Akten sind deswegen doch vielleicht die ältesten Apokryphschriften. Die Gegend der Abfassung der Acta Joannis ist scheinbar Kleinasien, da sie die Lehren des Modalismus vertreten. In Kleinasien war ein Hinweis auf die orientalisch-heidnischen Religionen selbstverständlich. Die Acta Joannis haben in den ersten Jahrhunderten grossen Einfluss auf die zeitgenössische Literatur und Theologie ausgeübt. 4 Das hohe Alter dieser Schriften kann kaum bestritten werden, wenn man die Form der Nachricht über den Tod des Apostels (cap. 106—115) 2 vgl. Mac Arthur : Expository Times, Edinburgh. 1924, 136 ff. Augustin. epist. 237. 3 Edgar Hennecke : Neutestamentliche Apokryphen, Tübingen 1923 2. S. 171-191. 4 Hennecke : S. 171.