KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
Mittelalters, die nicht nur ihrem Namen nach, sondern auch in ihrer Gestaltung nur aus dem Orient stammen konnten, da sie mit den ersten Anfängen der mittelalterlichen Todesdarstellungen gleichzeitig nur in Oberitalien, Südfrankreich und Westdeutschland bekannt und weder bei den Römern, noch bei den Griechen üblich waren. Das bedeutendste unter diesen Merkmalen des mittelalterlichen Totentanzes ist das „Tanzmotiv". 4. Das „Tanzmotiv", ein durch die frühchristliche Apokryphliteratur vermittelter Einfluss der orientalischen Todesauffassung Der mittelalterliche Tod tritt im Rahmen eines interessanten Motivs auf, dessen Urbilder wir weder in der griechisch-römischen Literatur, noch in der germanischen Mythologie auffinden konnten. Es ist das Motiv des „Todes-Tanzes". In der griechisch-römischen, sowie auch germanisch-romanischen Mythologie fanden wir als Gemeingut aller Indogermanen die Vorstellung vom Tanz der Toten. Man hat allgemein angenommen, dass sich bei jenen Toten, die ins Elysium aufgenommen wurden, ihr Glück in der Form des Tanzes äussert. Aber der Thanatos-Tod oder die Ker-Furie, sowie auch die Parzen tanzen nicht, wenn sie den Menschen töten und in die Unterwelt treiben. Schon vielmals hat man sich auf jenen Ausdruck bei Horaz 1 berufen : „Pallida mors aequo pulsat pede pauperum tabernas/ Regumque turres..." als wenn der Tod nach dem wirklichen Sinn dieses Satzes mit den „Armen und Reichen gleichsam tanzen" wollte. Aber richtiger wäre die Übersetzung : der fahle Tod stösst mit dem gleichen Fuss die Häuser der Armen und die Türme der Reichen um. Von einem Tanz des Todes mit den Menschen ist keine Spur. Die Kenntnis der indogermanischen und germanischen Sagen vom Tanz der Toten reicht allein zur richtigen Lösung der Frage nicht aus. Weiter ist ja bekannt, dass „der Tanz des Todes" im spanischen Todes-Tanz ca. 50 Jahre vor dem „Toten-Tanz" entstand. Wir werden bildlich genau beweisen können, dass die Toten im Toten-Tanz durch die Vermengung der beiden Subiacoer und Basler Formen der Gesamtlegende die Rolle des in den Todestriumphen triumphierenden Todes restlos übernommen haben. Der erste „Toten-Tanz" in La Chaise-Dieu ist noch eigentlich kein regelrechter Tanz der Toten. Auch in Clusone ist nur das Führungsmotiv der Inhalt der Reihe. Erst als man im Pariser Toten-Tanz die Bilder nach dem Vorbilde des spanischen Todes-Tanzes mit einem Text versehen hat, mussten die Toten ebenso 1 Carm. I 4, Vs 13-14. 144 — tanzen, wie dort der Tod. Obwohl in der Basler Gesamtlegendenform die Toten mit den Lebenden kämpfen, obwohl sie auch musizieren, ist von einem Tanz keine Spur und die Instrumente der Toten sind keine Instrumente des Tanzes, sondern der Schlacht (Trommel, Trompete) oder der Lockung (Dudelsack ; Zaubermusik). Am Bilde in Clusone triumphieren sie zwar, aber das Motiv des Tanzes ist ihnen unbekannt. Auch die Todes-Triumph-Variation der Gesamtlegende in Subiaco und Pisa kennt nocht keinen Tanz des Todes. Im ersten Todestanz ist aber der Tanz Ausdruck des Todestriumphes geworden. Zugleich lockt auch der Tod die Menschen durch Tanz und Musik in die Unterwelt. Merkwürdig, dass der spanische TodesTanz von der Knochengestalt des Todes keine Erwähnung macht. Im Todes-Tanz wurden also mit dem tötenden und seelenführenden Tod zwei wichtige Motive vereinigt : Der Triumph des Todes kommt in seinem Tanz zum Ausdruck. Durch diesen Tanz und durch Musik lockt er die Menschen, an seinem Tanze teilzunehmen. Wenn wir also den Ursprung des Tanzmotivs suchen, werden wir das Triumphmotiv und das Lockungsmotiv in erster Reihe berücksichtigen müssen. Schon die Fremdartigkeit des französischen Namens der Toten-Tänze lässt vermuten, dass diese Motive eine ganz besondere Entwicklungsgeschichte mitgemacht haben. Wenn auch der Todes- oder Toten-Tanz in der originell mittelalterlichen Form nicht mit dem Namen gleichzeitig aus derselben fremden Kultur direkt entlehnt wurde, verrät die Wahl des arabischen Namens „d a n s e macabre" für den „Toten-Tanz" die Verwandtschaft der französischen (Toten-Tanz-) Bilder mit orientalischen Motiven, die gleichzeitig ebenfalls weitverbreitet und bekannt waren. Schon der berühmte Bibliothekar Van Praet 2 hat entdeckt, dass der Name „danse macabre" ein arabischer Name ist. Tanz bedeutet im Arabischen soviel, wie „Scherz, Spiel, ludibrium, modus incedend i", also „eine Weise des Einherschreitens". Das Wort der meisten europäischen Völker : tanzen, ital. danzare, franz. danser, danger, engl, to dance, ung. táncolni usw. taucht erst im zwölften Jahrhundert das erstemal auf und beinhaltet den Begriff der „tanzenden Bewegung". Für den sprachlichen Ausdruck dieses Begriffes hat man sich bis ins zwölfte Jahrhundert anderer Wörter bedient, wie ballare, chorisare usw. Nach dem^ XII. Jahrhundert verdrängt das Wort „dansare" alle andere Ausdrücke. Dies ist nur so möglich und denkbar, dass sich schon im XII. Jahrhundert eine Sage oder ein Brauch der Araber in Europa verbreitet hat, der mit einem Spiel auch „Tanzbewegungen" verband. Und 2 Catalogue des livres imprimés sur vélin de la bibliothéque du roi IV. 170.