KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

liegenden Leichname. In einem andern Fall er­scheint dem Heiligen der Teufel mit einer Sichel bewaffnet, mit dem Merkmal der Everyman­Todesgestalt und ist auch entschlossen, des To­desamtes zu walten. Ahnliche Legendenmotive sind die Ursache, warum der Teufel einerseits mit Charakterzügen des Todes und der Tod in der Gestalt des Teufels im Mittelalter so häufig auftritt. Es folge hier die entsprechende Stelle der Legenda Aurea „Von Sanct Macarius": „Macarius kommt von macha, Klugheit, und ares, Kraft ; oder von macha, das ist Strafe, und rio, das heisst Meister. Denn er war sinnreich im Widerstand gegen die bösen Listen des Teufels, kräftiglich in seinem Leben ; er zähmte seinen Kör­per mit Strafen, und war ein Meister in der Regie­rung seines Klosters. — Macarius der Abt kam einst herab von der skethischen Wüste, und da er schla­fen wollte, trat er in ein Grabmal, da lagen viel Heiden begraben ; und zog eines Heiden Leichnam heraus und tat ihn als ein Kissen unter sein Haupt. Da wollten ihn die Teufel erschrecken und riefen dem Toten, als sei er ein Weib, und sprachen „Steh auf und geh mit uns zum Bad". Und ein anderer böser Geist schrie unter ihm als ob er aus dem Toten rede „Ich hab einen Pilgerim auf mir und kann nicht kommen". Davon erschrack Macarius nicht, sondern er schlug den Toten und sprach „Steh auf, und geh, so du magst". Da flohen die Teufel und schrieen mit lauter Stimme „Macari, weh, du hast uns überwunden". — Macarius der Abt ging einst an einem Sumpfe hin, da er nach seiner Zelle wollte gehen ; da begegnete ihm der Teufel mit ei­ner Sichel, damit hätte er ihn gern erschlagen, aber er mochte es nicht tun. Da sprach er zu ihm „Ma­cari, wisse, dass ich von dir grosse Pein leide, weil ich nichts gegen dich ausrichten mag, und tue doch alles, was du tust : fastest du, so esse ich nimmer, wachest du, so schlafe ich nie ; es ist allein ein Ding, darin überwindest du mich . . . Das ist deine Demütigkeit, wider die vermag ich nichts". 1 Auch bezüglich der Entwicklungsgeschichte der „Gesamtlegende" ist dieser Abschnitt der Legenda Aurea von grosser Wichtigkeit. Da­selbst 2 erzählt nämlich der Verfasser auch die Gisant-Typ-Legende des hl. Makarius vom sprechenden Totenschädel und somit kann fest­gestellt werden, dass die Everyman-Todesszene vom mit einer Sichel bewaffneten Teufels-Tod und eine Urform der Legende von den drei Le­benden und drei Toten, eine Gisant-Typ-Legen­de, deren spätere Abzweigung in der Altercatio 1 lateinisch: „Macharius abbas descendit per va­stitatem deserti et intrauit dormire in monumento ubi se­pulta erant corpora paganorum. Et extraxit unum corpus sub caput suum tanquam plumarium. Demones autem vo­lentes eum terrere, vocabant quasi unam mulierem dicen­tes. Surge veni nobiscum ad balneum. Et alter demon sub ipso tanquam ex mortuo illo dicebat Peregrinum quendam Kabeo super me, non possum venire. Ille autem non ex­pauit, sed tundebat corpus illud dicens. Surge et vade si potes. Et audientes demones fugerunt voce magna claman­tes. Vicisti nos domine. — Dum aliquando abbas macha­rius a palude ad cellam suam preteriret, occurrit ei dia­bolus cum falce messoria et volens eum cum falce percu­tere non potuit. Et dixit ei : Multam violentiam patior a te machari ..." etc. Undatierter Druck des XV. Jahrhunderts S. XV111. A-B. 2 Benz, Bd. I. Sp. 154. animae et corporis aufzufinden ist, schon in der berühmtesten Legendensammlung des Mittel­alters vom Ende des XIII. Jahrhunderts und in ihren Vorbildern aus dem XI —XII. Jahrhundert miteinander textlich vereinigt waren. Der Teufel nimmt auch in anderen Legen­den der Legenda Aurea die Gestalt eines To­tenkörpers an. Wenn der Furientod als ein Leichnam und zugleich als ein Teufel auftritt, so hat dabei sicherlich dieses aus der früh­christlichen Apokryphliteratur überlieferte Motiv die Hand im Spiel. Im Abschnitt „Von Sanct Hippolytus" erzählt die Legenda Aurea fol­gendes Ereignis : Einem Ochsenknecht, Petrus mit Namen, „erschien der Teufel gar oft in ei­nes nackten Weibes Gestalt und drängte sich mit seinem Leib an ihn ; je tapferer er wider­stund, desto schamloser bedrängte ihn das Weib. Da sie ihn lange also gequält hatte, nahm er endlich eines Priesters Stola und warf sie dem Teufel um den Hals : da verschwand er als­bald und blieb ein verwester Leichnam an seiner Statt, von dem ging ein solcher Gestank aus, dass niemand, der es sah, zweifelte, dass der Teufel eines toten Weibes Leib hatte an sich genommen". 3 Zumal tritt aber der Teufel in einzelnen Legenden auch als Vollstrecker der Befehle ei­nes gottgesandten Würgengels auf. Die Pest wurde nicht nur als ein mit einer Sense bewaff­netes Skelett personifiziert, sondern auch als ein Teufel. Im Abschnitt „Von Sanct Sebastian" heisst es : „In den Geschichten der Langobar­den lesen wir, dass zu den Zeiten des Königs Gumbertus durch ganz Italien ein grosses Ster­ben war, also, dass einer den andern kaum begraben mochte ; sonderlich zu Rom und Pa­via war das Sterben gross. Da sahen viele mit leiblichen Augen einen guten Engel am Him­mel, dem folgte ein Teufel nach mit einem Spiess, der schlug, wenn der Engel es gebot, und machte so das Sterben. Und so oft er an ein Haus schlug, so viel Tote wurden daraus getragen." 4 Die Pest soll aufgehört haben, als man dem hl. Sebastian einen Altar in Sankt Pe­ters Münster in Pavia errichten liess. Wenn wir daran erinnern, dass im Alter­tum, sowie auch im Mittelalter das „larvale simulacrum" ein Skelett bedeutete, so hat eine Bemerkung des Verfassers einer Pseudo-Augu­stinus-Schrift „De spiritu et anima" 6 für die Iko­nographie des Todes ein ganz besonderes Inter­esse. Die Stelle, wonach die Verdammten in der Unterwelt die Larvengestalt der Dämonen, d. h. der Teufel erblicken werden, lautet : „Vi­debunt autem illa teterrima monstra daemonio­rum, et larvales facies eorum". Im Zusammenhang mit den hier unter­suchten Zügen der Apokryphliteratur gibt es auch einige ganz eigenartige Todesmotive des 3 vgl. Benz, Bd. I. Sp. 760. 4 vgl. Benz, Bd. I. Sp. 172. 6 Migne, Patr. lat. 40, Sp. 822; im LVI. Kap.

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