KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
Der „seelische Tod" und „der körperliche Tod" treten hier zwar in zwei verschiedenen Personen auf, doch ist ihre Gestalt die eines Menschen. Wenn der Teufel, wie auch der körperliche Tod auf der Erde sichtbar erscheinen will, so nimmt er also den Körper eines Menschen an. Das ist der tiefe Sinn der Auslegung von Abt Rupert. Der „Würgengel" des Alten Testaments, „der Herr Scheols" und auch Luzifer, „körperlicher Tod" und Teufel, beide wohnen in Grabmälern, d. h. beide haben hier schon eine „Leichengestalt". Die Leichengestalt des mittelalterlichen Todes ist auch die Inkarnationsgestalt des Teufels. In allen bisherigen Darstellungen besiegt Christus den Tod und Teufel. Aber schon in der „Passio Bartholomaei" wurde „die heidnische Religion" von der „christlichen Religion" besiegt. Dieses Motiv taucht meistens dann auf, wenn sich eine neue Weltanschauung, eine neue Religion auf Kosten einer anderen verbreitet. Im weiten Orient werden wir eine Parallelerscheinung kennen lernen, die aber auch zu den Todesmotiven direkte Beziehungen aufweist. Die Vorstellung frühchristlicher Apokryphschriften vom Todesamt des Teufels und von seiner Leichengestalt wird in den verbreitetsten Legendensammlungen des Mittelalters unzähligemal variiert. Besonders wertvoll sind jene Motive, welche in den verschiedenen Lebensbeschreibungen der beiden Makarii immer wieder zum Vorschein kommen. Beide waren Priester und berühmte Mönche des IV- Jahrhunderts. Makarius der Ägypter, der Ältere oder der Grosse war Abt der skethischen Wüste. Ihm werden in den Legenden die interessantesten Todes- und Toten-Motive zugeschrieben : Todesund Totenvisionen, Dämonenaustreibungen, Erlebnisse in verlassenen Grabdenkmälern der Wüste. Seine „geistlichen Homilien," Briefe, eine Mönchsregel, seine Sprüche wurden als die Schriften eines Schülers des hl. Antonius hoch in Ehren gehalten. Er starb vor 390 im 90. Lebensjahr. Nicht nur die blosse Namensgleichheit, sondern auch die Identität des Wirkungskreises, einzelner Wunder und Schriften musste viel dazu beitragen, dass er mit dem ebenfalls heiligen Makarius dem Jüngeren, dem Alexandriner oder Städter häufig verwechselt wurde. Der hl. Makarius der Jüngere stammte nicht aus Oberägypten, wie Makarius der Ägypter, sondern aus Alexandrien und lebte in der nitrischen Wüste. Er soll ebenfalls Verfasser einer Mönchsregel, einer wohl unechten Homilie (über den Hingang der Seele von Gerechten und Sündern) sein und starb ca. 408. Von beiden Mönchen schrieb schon ihr Zeitgenosse, Palladius, der Bischof von Helenopolis in Bithynien, in seinem „Leben der heiligen Väter", auch „História Lausiaca" geheissen (weil er das Werk an Lausos adressierte, an den Hauptmann der Leibwache des Kaisers Arkadius). Palladius, Schüler des Euagrius Pontikus (dessen Tod er im 38. Kap. der Hist. Laus, beschreibt), Gegner des hl. Hieronymus und Epiphanius im Origenistenstreite, ein treuer Anhänger des hl. Chrysostomus, 1 der spätere Bischof von Aspuna, lebte zwischen 406—412 in Oberägypten (*364 in Galatien und t 431), wo er jene Mönche, die er in seiner História Lausiaca erwähnt, persönlich kennen gelernt hat. Sein Bericht also über die Wunder der beiden Makarii ist authentisch. Im 15. Kap. der História Lausiaca 2 erzählt Palladius, dass Makarius der Jüngere wegen eines unfreiwilligen Mordes in die Wüste zog. Im 17. Kap. wird erwähnt, dass der hl. Makarius der Ägypter einen Toten erweckt hat, um einen Irrlehrer zu bekehren. Und im 18. Kap. der Hist. Laus, folgen wieder Wundergeschichten, die Makarius der Jüngere erlebt hat. Besonders merkwürdig, dass die Geschichte von der Mücke und von den Schilfrohren, welche die Legenda Aurea mit dem älteren Makarius in Verbindung bringt, hier als Abenteuer des Jüngeren aufgetischt werden. Makarius d. Jüngere soll sich nämlich mit der Hilfe von Schilfrohren seinen Weg in der Wüste markiert haben, als er das Grabmal der beiden ägyptischen Zauberer Janes und Jambre (die vor idem Pharao dem Moses entgegentraten) besuchen wollte. Der Teufel aber, der keine Gelegenheit versäumte, den Heiligen zu foppen, hat die zur Wegmarkierung dienenden Schilfrohre unbemerkt wieder zusammengetragen und dem am Grabmal eingeschlafenen Eremiten neben den Kopf gelegt. Den Makarius von Alexandrien lässt Palladius selber erzählen, dass in dem Grabmal der beiden Zauberer Teufel wohnten : 3 „Siebzig Teufel kamen mir aus dem Grabmal entgegen, schlugen mir unter wildem Geschrei mit den Flügeln ins Antlitz und riefen : Was willst du, Makarius?... Wozu bist du gekommen?..." Makarius ging dann in das Grabmal, fand dort an einer Eisenkette am Brunnen einen ehernen Eimer, der verrostet war, und auch Granatäpfel, die von der Sonne gänzlich ausgetrocknet und innen leer waren. Diese Legende des IV —V. Jahrhunderts also, deren Schluss an orientalische Zaubermärchen anklingt, weiss schon etwas von einer in einem Grabmal wohnenden beflügelten Teufelsfurie zu berichten 1 Nach der Legenda Aurea ist die Inkarnationsform eines Teufels schon ausdrücklich der Leichnam eines im Grabe liegenden Toten. Im Abschnitt „Von Sanct Macarius" 4 erzählt Jacobus de Voragine die Wundergeschichten des hl. Makarius des Ägypters und mitunter auch einiges über Makarius den Jüngeren. Die Teufel wollen den hl. Makarius den Ägypter erschrecken und verstecken sich in die herum1 dessen Leben er im Dialógus de vita s. Ioannis Chrysost. beschrieb: Migne, Patr. graec. 47, 5—82. - in einer später erweiterten, interpolierten Form bei Migne.. Patr. graec. 34, 995—1278, bzw. 177—208.; in deutscher Ubersetzung von St. Krottenthaler, Bibl. d. Kirchenväter Bd. V. München. Kösel, 1912 ; S. 313-410. 3 Bibl. d. Kirchenv. V. S. 39. bzw. 353. 4 vgl. die Übersetzung von R. Benz, Jena. Eug. Diederichs. 1917; Bd. I. Spalte 152—153.